SFB 1342 Adventskalender

10. Dezember 2020

Neue Mitarbeiterin in Teilprojekt B02

Seit einigen Wochen arbeitet Mónika Contreras Saiz als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Teilprojekt B02 "Herausbildung, Aus- und Umbau des Sozialstaats im Cono Sur im Austausch mit (Süd-)Europa (1850-1990)". Höchste Zeit, sie vorzustellen.

Dr. Mónika Contreras SaizLiebe Mónika, du bist seit Kurzem Mitarbeiterin in Teilprojekt B02 – herzlich willkommen! Womit beschäftigst du dich derzeit hauptsächlich?

Mónika Contreras Saiz: Ich beschäftige mich mit der Entstehung und Herausbildung der Wohnungspolitik in Chile am Fallbeispiel der Polizeibeamten. Aus einer mikrohistorischen Perspektive analysiere ich die Bereitstellung von sozialen Wohnungen sowie den Zusammenhang dieser staatlichen Wohnungspolitik für eine spezifische Bevölkerungsgruppe mit einer umfassenderen nationalen Sozialpolitik.

Plakatwettbewerb: Ausstellung kostengünstiges Wohnen (Aus: Revista de La Habitación. Organo del Consejo Superior y de los Consejos Departamentales de Habitaciones Obreras. Año II, Santiago, Setiembre de 1922, N. 21, S. 613)Ebenso wie die Gesundheits- und Arbeitsschutzpolitik, die wir im Teilprojekt B02 untersuchen, erhielt die chilenische Sozialwohnungspolitik regionale und europäische Impulse, denen wir ebenfalls nachgehen. Ein weiterer zu betrachtende Aspekt der Sozialwohnungspolitik ist ihr Zusammenhang mit der Politik im Bereich der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit, zum Beispiel als Teil der Lösung eines schwerwiegenden Problems der öffentlichen Gesundheit wie der Kindersterblichkeit. In Chile starb zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren aus ärmeren Sozialschichten. Die Bereitstellung von hygienischem Wohnraum und dessen Regulierung würden zur Lösung dieses Problems beitragen.

Im Bereich der inneren Sicherheit war das Wohnungsproblem an ein moralisches Problem gekoppelt, das die Sicherheit und sogar die Wirtschaft betraf. Es wurde argumentiert, dass der Mangel an angemessenem Wohnraum zu Alkoholismus ("Ein gutes Haus hält den Arbeiter von der Taverne fern" – Zitat aus einer Empfehlung für den Wohnungsbau für chilenische Arbeiter im Jahr 1904), Elend und Unmoral, und damit zu kriminellen Verhaltensweisen und Unordnung führte, was fatale Folgen nicht nur für die öffentliche Ordnung, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung hätte.

Was bei deinem Lebenslauf auffällt: Du hast zwei Studienabschlüsse. Zunächst hast du in Bogotá an der Universidad Nacional de Colombia ein Diplom in Geschichte erworben. Von 2005 bis 2007 hast du nach einen Magister in Altamerikanistik und Geschichte an der FU Berlin gemacht. Was war der Grund, nach dem Diplom ein zweites Studium zu beginnen?

Dr. Mónika Contreras Saiz: Es ist eine lange Geschichte, aber ich versuche, sie kompakt darzustellen: Ich habe 2003 in Kolumbien meinen Abschluss gemacht und wollte einen Master in Politikwissenschaft, Anthropologie, Geschichts- oder Kommunikationswissenschaft in Deutschland absolvieren. In Kolumbien beriet mich eine deutsche Professorin, die an meiner Universität arbeitete (Prof. Dr. Gisela Cramer), und erklärte, dass es in Deutschland zu dieser Zeit keine Master-Abschlüsse gab. Der Bologna-Prozess wurde jedoch bereits in den Gang gesetzt, der das gesamte Studiensystem in Deutschland zu verändern begann. Es wäre also wahrscheinlich, dass es zum geplanten Studienbeginn (damals angesetzt für den Sommer 2005) bereits einige neue Masterstudiengänge geben würde.

Ich hatte mich um ein DAAD-Colfuturo-Stipendium beworben und bin schließlich im Winter 2004 nach Deutschland gekommen. Als ich Deutsch lernte, sollte ich mich entscheiden, welchen Masterstudiengang ich anfangen soll. Langsam näherte sich das Sommersemester 2005 und der einzige Masterstudiengang, der für mich in Frage kam, begann erst im Oktober 2005. Zugleich hatte ich die Verpflichtung, mein Studium im April 2005 zu beginnen. Aufgrund dieser Situation entschied ich mich für den zweiten Teil eines Magisterstudiums, der mit einem Master-Abschluss (zwei Jahre Besuchsseminare und Vorbereitung der Abschlussarbeit) gleichzusetzen war. In diesem Sinne war für mich der Magister eine Art von Fortbildung und weniger ein zweites Studium. Später hatte ich die Möglichkeit, zum Master zu wechseln, ich war aber sehr zufrieden mit dem Magisterstudiengang und beschloss, immatrikuliert zu bleiben. Ich gehöre also zu den letzten Generationen, die den Titel Magister bzw. Magistra Artium in Deutschland erhalten haben.

Nach deiner Promotion hast du am Lateinamerika-Institut der FU Berlin gelehrt und geforscht. Was waren dabei deine Schwerpunkte?


Dr. Mónika Contreras Saiz: In der ersten Phase lagen meine Schwerpunkte in der Kolonisierungsgeschichte Lateinamerikas aus transnationaler und globaler Perspektive und den interethnischen Beziehungen in Grenzgebieten und ökonomischen Räumen als entstehende Koexistenzräume. In der zweiten Phase habe ich mich besonders auf die historische Forschung der Erinnerungskultur in Lateinamerika und den Einsatz digitaler Methoden in der historischen Forschung konzentriert. In meiner Forschung habe ich mich also mit der Herstellung und Gewährleistung von Sicherheit im Rahmen von Staatsbildungsprozessen in Lateinamerika, der deutschen Polizeihilfe für lateinamerikanische Polizeibeamte bis hin zur Geschichtsvermittlung durch Unterhaltungsmedien in Lateinamerika beschäftigt.

All diese Forschungsbereiche klingen zwar sehr unterschiedlich, sind aber irgendwie miteinander verbunden und haben mir auch Forschungsmöglichkeiten in neuen Bereichen eröffnet. Zum Beispiel führte mich die Untersuchung der Beziehungen zwischen dem Staat und indigenen Gruppen zur Untersuchung der Polizeikräfte. Die Untersuchung der Polizeikräfte in Lateinamerika führte mich wiederum zum Thema Sozialwohnungspolitik. Und obendrauf gibt es auch noch schöne Arbeits- und Lebenszufälle: So nahm ich 2011 an einer Veranstaltung zum Thema Erinnerung teil und seitdem hat mich dieses Thema stets begleitet und mir viele neue Forschungsgelegenheiten geboten.

---

Mehr Informationen zu Teilprojekt B02: Herausbildung, Aus- und Umbau des Sozialstaats im Cono Sur im Austausch mit (Süd-)Europa (1850-1990)