Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.


Prof. Zheng Gongcheng
Prof. Zheng Gongcheng
Zheng Gongcheng, Professor an der Renmin University und Vorsitzender der Chinesischen Gesellschaft für Sozialversicherungsforschung, präsentierte am SFB 1342 seine Sicht auf den den Wandel von Chinas Sozialpolitik.

Zheng Gongcheng, Professor an der School of Labour and Human Resources der Renmin University und Vorsitzender der Chinesischen Gesellschaft für Sozialversicherungsforschung, gab bei einem Besuch des SFB 1342 einen Überblick über die Entwicklung chinesischer Sozialpolitik, insbesondere in den letzten 70 Jahren. Dabei ging er auch auf die aktuellen Herausforderungen ein, vor der die Kommunistische Partei Chinas bei der Reform des Sozialsystems steht.

Zheng wies daraufhin, dass China eine lange Tradition der sozialen Sicherung hat. Katastrophen- und Hinterbliebenenhilfe habe es schon vor über 2000 Jahren gegeben. Die Han-Dynastie habe sogar ein Altenpflegesystem betrieben.

Chinas moderne Sozialpolitik begann allerdings erst vor rund 70 Jahren. 1949 gab es aufgrund von Naturkatastrophen acht Millionen Binnenflüchtlinge, für die ein Nothilfesystem aufgebaut wurde. Zeitgleich lag die Arbeitslosenquote in den Städten bei 50 Prozent. Um die Verelendung der Betroffenen zu verhindern, wurde 1951 die Arbeitslosenversicherung in Chinas Städten eingeführt, jedoch nicht auf dem Land. Diese Unterscheidung blieb charakteristisch für Chinas Sozialpolitik: Auch die Krankenversicherung und Waisenhilfe, die in den 1950er Jahren eingeführt wurden, blieben auf die Städte begrenzt. Die Sozialleistungen wurden zudem nicht vom Zentralstaat getragen, sondern von den Volksbetrieben.
Mit dem Übergang von der Planwirtschaft zur chinesischen Variante das Kapitalismus änderte sich auch die Sozialpolitik Chinas grundlegend. Die Sozialleistungen sind mittlerweile zumindest teilweise beitragsfinanziert, und auch die ländliche Bevölkerung ist in die Systeme einbezogen. Laut Zheng sind derzeit 1,4 Milliarden Chinesinnen und Chinesen in den Sozialversicherungssystemen registriert. 1,35 Mrd. Menschen sind krankenversichert, 277 Millionen beziehen derzeit Rentenzahlungen und rund 5 Prozent der Gesamtbevölkerung erhält Sozialhilfe.

"Das System ist dennoch noch weit entfernt von Reife", sagte Zheng. "Das Ziel der Gleichheit und Gerechtigkeit ist noch nicht erreicht." Die finanzielle Basis der Sozialsysteme müsse verbreitert und die Pools, aus denen die Leistungen gezahlt werden, müssten vergrößert werden. Derzeit ist beispielsweise die Krankversicherung noch nicht national gepoolt, sondern auf Landkreisebene.

Für die Rentenversicherung ist die landesweite Finanzierung für 2021 geplant. Den größten Reformbedarf hat das Rentensystem jedoch in den Punkten Renteneintrittsalter und Mindestbeitragsdauer. Derzeit können chinesische Frauen mit Erreichen des 51. Lebensjahres und Männer mit Erreichen des 61. Lebensjahres ihre Rente beziehen, sofern sie 15 Jahre lang Beiträge gezahlt haben. Dass das Rentensystem mit diesen Kennzahlen nicht nachhaltig finanziert werden kann, liegt auf der Hand.

Die nötigen Reformen sind aber unbeliebt: In einer Online-Befragung lehnten 97 Prozent der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst eine Reform des Rentensystems ab. Die Kommunistische Partei hat den Fahrplan mit den nötigen Reformschritten bereits ausgearbeitet und wird von diesem wohl kaum abweichen. Aber, so Zheng Gongcheng, die Partei hat erkannt, dass sie Aufwand betreiben muss, um die Bevölkerung von den nötigen Änderungen zu überzeugen.
Mit Blick auf die Zukunft sprach sich Zheng auch für die Einführung einer privaten Rentenversicherung aus als Ergänzung zur staatlichen Rente. Auch der Einführung privater Grundschulen bewertete er positiv. Die Unfall- und Arbeitslosenversicherung müsse ausgeweitet werden. Die größte Aufgabe werde aber die Einführung einer Pflegeversicherung. Chinas Bevölkerung altert rapide, und 60 Prozent der Familien haben lediglich ein Kind. Eine Versorgung pflegebedürftiger alter Menschen in den Familien wird in Zukunft in sehr vielen Fällen nicht möglich sein. China beobachtet deshalb besonders die Langzeitpflegesysteme in Deutschland und Japan sehr genau.

Zheng Gongcheng war mit einer Reihe von Kolleginnen und Kollegen von verschiedenen sozialwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen nach Bremen gekommen. Im Anschluss an Zhengs Vortrag traf sich die chinesische Delegation mit den Mitgliedern des Teilprojektes B05, um über die die Renten-, Sozialhilfe- und Krankenversicherungsreform in China im Detail zu diskutieren. SFB-Mitglied Liu Tao erläuterte den chinesischen Gästen zudem aktuelle Entwicklungen des deutschen Sozialversicherungssystems.


Kontakt:
Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Studentische/r Mitarbeiter/in gesucht

An der Universität Bremen ist im Sonderforschungsbereich 1342 im Projekt „Entwicklung und Diffusion von Familienpolitik in globaler Perspektive“ die folgende Stelle zu besetzen:


Studentische Hilfskraft mit bis zu 10 Std./Woche

Beginn: Zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Die Stelle ist zunächst bis Ende 2019 befristet, eine längerfristige Weiterbeschäftigung ist angestrebt.

Das Projekt ist ein Teilprojekt des von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichs 1342 „Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik“ und wird geleitet von Prof. Sonja Drobnič und Prof. Johannes Huinink.

In diesem Projekt geht es darum, die historische Entwicklung familienpolitischer Maßnahmen in allen Ländern der Welt zu erheben und die Verbreitung über Ländergrenzen hinweg zu erklären. Dabei wird auch die Rolle internationaler Organisationen in den Blick genommen.

  • Aufgaben:
    • Datenbank- und Literaturrecherchen
    • Erhebung von statistischen Daten aus Textdokumenten
    • Aufbereitung der bereits erhobenen Daten

 

  • Voraussetzungen:
    • Gute Englischkenntnisse (weitere Sprachkenntnisse sind willkommen)
    • Erfahrungen im Bereich Literaturrecherche und/oder Dokumentenanalyse
    • Selbstständiges, zuverlässiges und strukturiertes Arbeiten
    • Kenntnisse in R (insbesondere Datenmanagement)
    • Interesse an makro-komparativen Daten sowie Fragestellungen


Bewerbungen mit CV und kurzem Motivationsschreiben senden Sie bitte bis zum 27.10.2019 an

UNIVERSITÄT BREMEN
SOCIUM
Tobias Böger
Mary-Somerville-Str. 9
28359 Bremen

Bei postalischer Zusendung bitten wir, uns von Ihren Bewerbungsunterlagen nur Kopien einzureichen, da wir sie aus Kostengründen nicht zurücksenden können; sie werden nach Abschluss des Auswahlverfahrens vernichtet. Oder elektronisch bitte als pdf-Anhang an:
Email: boeger@uni-bremen.de

Der US-Soziologe arbeitet bis Mitte November in Bremen, wo er Vorträge halten und Workshops anbieten wird.

John W. Meyer ist emeritierter Professor für Soziologie an der Stanford University. Er leistete wichtige Beiträge zum soziologischen Neoinstitutionalismus und entwickelte das Kozept der "Weltkultur". Darin wird die Weltgesellschaft als ein System global geteilter Werte und Normen westlicher Prägung aufgefasst. Organisationen übernehmen und verbreiten demnach diese Werte, da sie sie als legitimitätsfördernd wahrnehmen.

John W. Meyer hält am 17. Oktober 2019 um 18 Uhr einen öffentlichen Vortrag im Haus der Wissenschaft Bremen: "The University in World Society: Liberalism, Neoliberalism, and Now Anti-Liberalism". 

Am 30. Oktober 2019 gibt er am Socium/SFB 1342 einen Workshop zum Thema "New Institutionalism in a Globalized World". Bis zu sechs Doktorandinnen und Doktoranden können ihre Forschungsprojekte mit Meyer diskutieren.


Kontakt:
Philipp Jarke
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58573
E-Mail: pjarke@uni-bremen.de

Römer hat das John F. Kennedy Memorial Fellowship erhalten und forscht bis Ende August 2020 in Cambridge/Massachusetts.

Friederike Römer ist Mitglied des SFB-Teilprojekts B04, das die soziale Sicherung von internationaler Arbeitsmigration untersucht. In Harvard, wo sie am Center for European Studies angesiedelt ist, wird sie ihre Forschungsarbeit weiterführen, die sich auf Konflikte und Ungleichheiten konzentriert. Sie wird die Entwicklung von Wohlfahrtsrechten von Einwanderinnen und Einwanderern in EU, ASEAN und Mercosur untersuchen.


Kontakt:
Dr. Friederike Römer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67469
E-Mail: friederike.roemer@uni-bremen.de

Gemeinsam mit dem SOCIUM hat der SFB 1342 eine Arbeitspapierreihe ins Leben gerufen. Die ersten vier Beiträge sind mittlerweile erschienen.

Eröffnet wird die Reihe mit einem Beitrag von Armando Barrientos, Professor Emeritus am Global Development Institute der Universität Manchester und derzeit Mercator Fellow im Teilprojekt "Mechanismen der Verbreitung von Sozialpolitik" (B01) am SFB 1342. Weitere bisherige Autoren der Reihe sind Bastian Becker (Socium), Gulnaz Isabekova (SFB 1342) und Greta-Marleen Storath (SFB 1342).

Zu finden sind die einzelnen Titel der Arbeitspapierreihe hier: https://www.socialpolicydynamics.de/working-paper-series

Die SOCIUM SFB 1342 WorkingPapers bieten eine zusätzliche und schnelle Möglichkeit der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und sind einem "double-blind peer-review"- Verfahren verpflichtet. Die Reihe steht allen Mitgliedern des Socium und des SFB 1342 sowie deren Kooperationspartnern offen.

Die Arbeitspapierreihe wird koordiniert von Johanna Kuhlmann.


Kontakt:
Dr. Johanna Kuhlmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58574
E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de

Prof. Dr. Ivo Mossig (links)
Prof. Dr. Ivo Mossig (links)
Der Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen hat ihn für sein Modul "Einführungsprojekt" an der Uni Bremen ausgezeichnet.

Forschendes Lernen, auf das die Universität Bremen großen Wert legt, beginnt am Institut für Geographie gleich zu Beginn des ersten Semesters: Studierende wählen ein Thema und bearbeiten es wissenschaftlich. Ihre eigene Fragestellung untersuchen sie dann empirisch und erproben passende Methoden. Dabei werden sie in kleinen Gruppen von bis zu fünf Personen eng von ihren Dozentinnen und Dozenten begleitet. Zum Schluss präsentieren sie universitätsöffentlich ihre Poster, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit verdeutlichen. "Wir holen unsere Studierenden bei ihrem Vorwissen ab und stärken gleichzeitig die Motivation für das Fach", sagt Mossig.

Parallel erwerben die Studierenden das methodische Handwerkszeug: richtiges Zitieren, erste Laboranalysen, Durchführung und Auswertung von Befragungen, Experteninterviews, Anwendung einfacher statistischer Verfahren oder eigene Kartierungen zur Ergebnisdarstellung. "Wir verzahnen Inhalt und Methoden und stellen diese Herausforderung gleich an den Studienbeginn", sagt Mossig.

Zum Modul "Einführungsprojekt" gehören auch die Informationen der Woche. In wöchentlichen Häppchem von je zehn Minuten erhalten die Studierenden organisatorische und außerfachliche Information rund um das Studium: die Themen reichen von der Prüfungsanmeldung über Auslandssemseter bis zu "Studieren mit Kind".

Seit dem Wintersemester 2017/18 arbeiten Mossig und seine Kolleginnen und Kollegen am Institut mit dem Einführungsprojekt. Es hat sich bewährt: "Die Studierfreudigkeit und das Interesse an eigener Forschung wird stimuliert", sagt Mossig.


Kontakt:
Prof. Dr. Ivo Mossig
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 / 421 / 218 67410
E-Mail: mossig@uni-bremen.de

Dr. Alex Veit
Dr. Alex Veit
Veit hat eine "Special Section" zu "The Politics of Intervention Against (Conflict-Related) Sexual and Gender Based Violence" publiziert.

Alex Veit hat als Gastherausgeber eine "Special Section" zu "The Politics of Intervention Against (Conflict-Related) Sexual and Gender Based Violence" im Journal of Intervention and Statebuilding (Vol. 13,4) publiziert. Die Publikation ist Teil des Forschungsprojekts "Internationale Interventionen gegen sexualisierte Gewalt in Konfliktgebieten. Intendierte und unintendierte Konsequenzen", finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Projektmitglied Lisa Tschörner hat einen der Artikel gemeinsam mit Alex verfasst.

Inhalt:

Feminism in the Humanitarian Machine. Introduction to the Special Section on "The Politics of Intervention Against (Conflict-Related) Sexual and Gender-based Violence"

by Alex Veit

Abstract: The prevention and mitigation of sexual and gender-based violence in (post-) conflict societies has become an important humanitarian activity. This introductory article examines the analytical discourses on these interventions, the institutionalization of SGBV expertise in international politics, and the emancipatory potential of anti-SGBV practices. It argues that the confluence of feminist professional activism and militarized humanitarian interventionism produced specific international activities against SGBV. As part of the institutionalization of gender themes in international politics, feminist emancipatory claims have been taken up by humanitarian organizations. The normal operating state of the humanitarian machine, however, undercuts its potential contribution to social transformation towards larger gender equality in (post-) conflict societies.

"A Real Woman Waits" – Heteronormative Respectability, Neo-Liberal Betterment and Echoes of Coloniality in SGBV Programming in Eastern DR Congo

by Charlotte Mertens and Henri Myrttinen

Drawing on archival and field research, this article critically examines the production and distribution of gender roles and expectations in SGBV programming, in particular in eastern Democratic Republic of Congo (DRC). We find the underlying currents in some of these programmes reinscribe heteronormativity and focus on individual betterment which resonates with regulating gender and sexuality during colonialism. In some cases, strongly western-inspired norms of individual agency have been introduced, disregarding structural constraints of people’s lives. To conclude, we explore alternative approaches to SGBV prevention, ones in which international approaches are re-defined and vernacularized for local use – but which also at times inform global understandings.

"Without Education You Can Never Become President": Teenage Pregnancy and Pseudo-empowerment in Post-Ebola Sierra Leone

by Anne Menzel

This article analyses the emergence of ‘teenage pregnancy’ as a new policy focus in post-Ebola Sierra Leone and explores how Sierra Leoneans interpret the problem of ‘teenage pregnancy’. I argue that the new policy focus is not indicative of changing or new problems. Rather, ‘teenage pregnancy’ has created opportunities for donors and the Government of Sierra Leone to continue cooperation in gender politics. At the same time, Sierra Leoneans are clearly concerned about ‘teenage pregnancy’, and many agree with sensitization campaigns that responsibilize young women and girls while downplaying structural factors that render them vulnerable to arrangements involving transactional sex.

Creative appropriation: academic knowledge and interventions against sexual violence in the Democratic Republic of Congo

by Alex Veit and Lisa Tschörner

Recent academic research has questioned assumptions about sexual violence in (post-) conflict contexts. Gender norms rather than military decision-making have been found to constitute a major underlying reason for wartime sexual violence. In this contribution, we investigate whether international organisations seeking to prevent sexual violence in the Democratic Republic of Congo have accordingly changed their analytical perspectives and modified policies and programming. We find that many, but not all, such organisations creatively appropriate new academic work in their policy and project documents. However, incentives for continuity in the humanitarian field have slackened the pace of any substantive practical changes.


Kontakt:
Dr. Alex Veit
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67471
E-Mail: veit@uni-bremen.de

Immanuel Wallerstein (Screenshot von www.iwallerstein.com)
Immanuel Wallerstein (Screenshot von www.iwallerstein.com)
Mit seinem Hauptwerk "Das moderne Weltsystem" analysierte der US-amerikanische Soziologe die Entwicklung und die Auswirkungen des globalen Kapitalismus. Wallerstein wurde 88 Jahre alt.

Der US-amerikanische Soziologe Immanuel Wallerstein ist am 31. August 2019 gestorben. Wallersteins Hauptwerk, "Das moderne Weltsystem", umfasst vier Bände, in denen er die Entwicklung des globalen Kapitalismus vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart analysierte. Die Akkumulation von politischer Macht und Kapital habe globale Asymmetrien verfestigt und verstärkt, und zur Herausbildung von Zentren, Peripherien und Semiperipherien geführt.

Besonders an Wallersteins Arbeit war unter anderem, dass er Nationalstaaten als Einheit zur Analyse von Gesellschaft für ungeeignet hielt. "I sought to produce … a detailed critique of why both national development and developmentalism as an explanatory model (modernization theory) are illusions" (Immanuel Wallerstein: The Development of an Intellectual Position). Internationale Abhängigkeiten und Wechselwirkungen machten an Staatsgrenzen nicht Halt und müssten daher in die sozialwissenschaftliche Analyse einbezogen werden. Diese müsse zudem historisch und systemisch („historic and systemic“) erfolgen, denn nur so ließen sich soziale Wirklichkeit und Veränderungen erklären.

Wallerstein lehrte und forschte u.a. an der Columbia University, der McGill University, Binghamton University und der Yale University. In den 1990er Jahren war er zudem Präsident der International Sociological Association.

Wallerstein war bis ins hohe Alter aktiv, er veröffentlichte mit eiserner Diziplin an jedem 1. und 15. eines Monats Aufsätze ("commentaries") zu gesellschaftlichen Themen auf seiner Webite. Er hatte sich vor einiger Zeit das Ziel gesetzt, 500 commentaries zu veröffentlichen und die Reihe anschließend zu beenden. Zwei Monate nach dem 500. Eintrag ist Wallerstein im Alter von 88 Jahren gestorben.

Franziska Deeg mit Koperationsartnern in Brasilien
Franziska Deeg mit Koperationsartnern in Brasilien
Die zweite der beiden Umfragen in Lateinamerika durch die Kölner SFB-Mitglieder fand im Sommer im Staat Sao Paulo in Brasilien statt.

Im Kölner Teil des Teilprojektes B03 wurden zwei Befragungen durchgeführt – eine in Mexiko und eine in Brasilien –, um Einblicke in die Verbindung von Handel und Sozialpolitik auf Mikroebene zu erhalten. Mit der Umfrage wurden verschiedene Dimensionen abgedeckt: Die Befragten hatten die Möglichkeit, Auskünfte zu Themen wie Sozialpolitik, Handel, Migration, Sicherheit und Korruption zu geben. Mit den Daten hofft das Kölner Team den Link zwischen Globalisierung und sozialpolitischen Präferenzen in Brasilien zu erforschen, aber auch viele weitere interessante Fragestellungen können adressiert werden.

Franziska Deeg in sao Paulo

Um die Implementation in Brasilien zu begleiten, verbrachte Franziska Deeg, die Kölner Doktorandin des Projektteams B03, fast drei Wochen in Sao Paulo. Dort konnte sie mit dem Meinungsforschungsinstitut IBOPE den Fragebogen vollständig an den brasilianischen Kontext und die portugiesische Sprache anpassen. Weiterhin wurden 30 Pre-Tests mit einkommensschwachen Haushalten durchgeführt, um die Fragestellungen zu testen, und ein Interviewertraining implementiert, um Interviewer-Effekte zu reduzieren.

Damit hat das Team einen weiteren wichtigen Meilenstein des Projekts erreicht und kann sich nun vollständig auf die Auswertung der umfangreichen Datensätze aus den Umfragen in Mexiko und Brasilien konzentrieren. Die Daten liegen dem Kölner B03-Team seit Mitte August vor.


Kontakt:
Dr. Sarah Berens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Cologne Center for Comparative Politics
Herbert-Lewin-Str. 2
50931 Köln
Tel.: +49 221 470-2853
E-Mail: sarah.berens@uni-koeln.de

Franziska Deeg
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Cologne Center for Comparative Politics
Herbert-Lewin-Str. 2
50931 Köln
Tel.: +49 221 470-2853
E-Mail: fdeeg@uni-koeln.de

The New School in New York City.
The New School in New York City.
Heiner Fechner, Jean-Yves Gerlitz und Jenny Hahs präsentierten drei Paper auf der Jahreskonferenz der Society for the Advancement of Socio-Economics, die Ende Juni in New York stattfand.

Unser Teilprojekt A03 konnte bei der 31. Jahreskonferenz der Society for the Advancement of Socio-Economics (SASE), die an der New School in New York City stattfand, gleich drei Vorträge unterbringen:


Heiner Fechner, Jean-Yves Gerlitz und Jenny Hahs bekamen jeweils sehr gutes Feedback auf ihre Vorträge, wie Hahs berichtet. Bemerkenswert war aus ihrer Sicht auch die "inspirierende, wenngleich sicher nicht ganz unumstrittene Keynote" von Marie-Laure Salles-Djelic (Sciences Po, Paris) - "Prometheus to Dionysus: Can We Re-Enchant the Future?", in der sie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu mehr Aktivismus aufrief mit den Worten: "We cannot only keep reading the world and lament ist state, we have to take an active part in changing too!"


Kontakt:
Dr. Heiner Fechner
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57070
E-Mail: hfechner@uni-bremen.de

Jean-Yves Gerlitz
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57088
E-Mail: gerlitz@uni-bremen.de

Jenny Hahs
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57069
E-Mail: jenny.hahs@uni-bremen.de