Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.


Photo: AdobeStock/nosyrevy
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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft verlängert die Förderung des SFB 1342 um vier Jahre bis Ende 2025. Die Fördersumme beträgt insgesamt knapp 15 Millionen Euro

Der Sonderforschungsbereich 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik", bei dem die Universität Bremen federführend ist, kann seine Arbeit fortsetzen. Der Bewilligungsausschuss für Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat am 24. November entschieden, den SFB 1342 für vier weitere Jahre mit insgesamt knapp 15 Millionen Euro zu fördern. Die zweite Förderphase beginnt am 1. Januar 2022.

Am Sonderforschungsbereich 1342, der seine Arbeit Anfang 2018 aufgenommen hat, sind neben dem SOCIUM als Ankerinstitut weitere Forschungsinstitute und -einrichtungen der Universität Bremen, der Jacobs University Bremen, der Universität Bielefeld und der Universität Duisburg-Essen beteiligt. In 15 Teilprojekten erforschen rund 70 Wissenschaftler*innen aus den Disziplinen Politikwissenschaft, Soziologie, Geschichte, Geographie, Jura und Informatik die weltweiten Entwicklungen staatlich verantworteter Sozialpolitik. Dabei werden die Länder des Globalen Südens systematisch mit einbezogen.

Kernfrage: Wer profitiert von sozialer Sicherung und in welchem Umfang?

Bislang hat sich der SFB 1342 auf die Analyse der nationalen, internationalen und transnationalen Wirkungsmechanismen konzentriert, die die Einführung sozialer Sicherungssysteme und deren Ausgestaltung weltweit entscheidend beeinflusst haben. "Die Kernaufgabe in den kommenden vier Jahren wird nun die Untersuchung der Inklusivität und des Leistungsumfangs staatlicher Sozialpolitik sein. Kurz gesagt geht es um die Frage: Wer profitiert von sozialer Sicherung und in welchem Umfang?", erläutert Herbert Obinger, Sprecher des SFB 1342.

Der SFB 1342 wird in der zweiten Förderphase zwei Projektbereichen bestehen: Die sechs Teilprojekte des Bereichs A untersuchen die Dynamiken verschiedener Sozialpolitikfelder in globaler und historischer Perspektive; makro-quantitative Analysen werden dabei um einzelne Länderstudien ergänzt. Die acht Teilprojekte des Bereichs B führen für ausgewählte Länder/Regionen und bestimmte Sozialschutzprogramme Fallstudien und Ländervergleiche durch; der Schwerpunkt liegt auf qualitativen Untersuchungen, die durch quantitative Analysen ergänzt werden.

In einem Informationsinfrastruktur-Projekt wird das Global Welfare State Information System (WeSIS) weiterentwickelt. Wie in Förderphase eins werden alle erhobenen Forschungsdaten in das webbasierte, interaktive Informationssystem eingespeist. WeSIS wird voraussichtlich 2024 für die Öffentlichkeit freigeschaltet. Dann können Forschungseinrichtungen und die allgemeine Öffentlichkeit weltweit alle in WeSIS gespeicherten Daten kostenlos für nicht-kommerzielle Zwecke nutzen.

Die beteiligten Forschungsinstitute und -einrichtungen im Überblick

  • SOCIUM – Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik, Universität Bremen
  • Institut für Interkulturelle und Internationale Studien, Universität Bremen
  • Arbeitsgruppe Informationsmanagement, Universität Bremen
  • Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen
  • Institut für Arbeit und Wirtschaft, Universität Bremen
  • Institut für Geographie, Universität Bremen
  • Institut für Geschichtswissenschaft, Universität Bremen
  • Zentrum für Europäische Rechtspolitik, Universität Bremen
  • China Global. Center for the Study of China and Globalization, Jacobs University Bremen
  • Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik, Universität Duisburg-Essen
  • Fa­kultät für Soziologie, Universität Bielefeld

Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

Das SFB-Teilprojekt A04 hat Ende Oktober einen Workshop mit Expert*innen aus der Türkei veranstaltet, in dem die Entwicklungen der Langzeitpflege in beiden Ländern analysiert wurde.

Am 21. Oktober veranstaltete das A04-Projekt "Globale Entwicklungen in den Gesundheitssystemen und Langzeitpflege als neues soziales Risiko" einen Workshop zur Langzeitpflegepolitik in der Türkei und in Deutschland. Das Hauptziel der Veranstaltung war es, die historischen und aktuellen Entwicklungen der Langzeitpflege in der Türkei und in Deutschland zu diskutieren, um wichtige Meilensteine beider Systeme zu identifizieren und zu untersuchen, ob und wie wir beide Fälle vergleichen können.

Zusätzlich zu den Teammitgliedern des A04-Projekts waren auch externe Experten für die Türkei anwesend, um den türkischen Fall zu diskutieren. Dr. Özden Güdük erörterte die historischen Entwicklungen der Langzeitpflegepolitik in der Türkei, und Cansu Erdogan stellte eines der Kapitel ihrer Dissertation mit dem Titel "Development of Long-Term Care Policies in Turkey: (Inter)national Actors, Global Norms, Domestic Dynamics".

 

Dr. Özden Güdük ist derzeit als Postdoktorandin in der Abteilung für Gesundheit, Langzeitpflege und Renten bei Socium tätig. Sie ist Assistenzprofessorin an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Yuksek Ihtisas Universität in Ankara, Türkei. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Positionen und Organisationen im Gesundheitssektor. In letzter Zeit hat sie sich mit dem Thema der häuslichen Pflegedienste in der Türkei befasst. Dieses Thema umfasst die Patienten, die Langzeitpflege benötigen, und ihre Betreuer/Verwandten sowie die Organisationsstruktur, die die Dienstleistungen für sie erbringt.

Cansu Erdogan ist seit 2020 Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Graduiertenkolleg "Weltpolitik" an der Universität Bielefeld. Sie hat ihren Bachelor an der Koç Universität in Istanbul, Türkei, und ihren Master in Soziologie an der Universität Bielefeld absolviert. Zwischen 2017 und 2020 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt "How 'social' is Turkey? Turkey’s social security system in a European context" in Bielefeld.


Kontakt:
Gabriela de Carvalho
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57078
E-Mail: decarvalho@uni-bremen.de

Johanna Fischer
Johanna Fischer
Fischer hat die Entwicklung von Sozialpolitik im Bereich der Langzeitpflege sowohl empirisch vergleichend als auch konzeptionell untersucht.

Johanna Fischer arbeitet in Teilprojekt A04 "Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege  als neues soziales Risiko" und hat ihre Doktorarbeit unter dem Titel "The Emergence of Social Policy in the Field of Long-term Care. A Comparative Analysis of the Introduction and Types of Long-term Care Systems in a Global Perspective" geschrieben.

Ihre Arbeit basiert auf drei Aufsätzen:


Johanna Fischer hat mit ihrer Arbeit u.a. die erste umfassende Vergleichsstudie zu Einführungszeitpunkten von Langzeitpflegesystemen weltweit vorgelegt und eine vieldimensionale, akteurszentrierte Typologie von Langzeitpflegesystemen entwickelt. Basierend darauf hat sie einen systematischen internationalen Vergleich von Langzeitpflegesystemen und insbesondere von sozialversicherungsbasierten Langzeitpflegesystemen vorgelegt.


Kontakt:
Johanna Fischer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57074
E-Mail: johanna.fischer@uni-bremen.de

Die GLOBED-Absolventin Cherine Sabry, die von SFB-Mitglied Kerstin Martens mitbetreut wurde, präsentiert ihre Ergebnisse auf dem AEMS-Symposium 2021 an der Indiana University.

Cherine Sabry hat vor kurzem den Masterstudiengang GLOBED (Global Education Policies for Development) abgeschlossen, der gemeinsam von der Universitat Autónoma de Barcelona (Spanien), der Universität Bremen (Deutschland) und der Universität von Zypern angeboten wird. Sie hat ihre Abschlussarbeit (2. Betreuerin Kerstin Martens, Teilprojekt A05, des SFB 1342) über regionale Bildungsorganisationen in der arabischen Welt geschrieben, wobei sie sich auf den Fall der Arab League Educational, Cultural and Scientific Organization (ALECSO) konzentriert.

Sie stellt ihre Ergebnisse heute auf dem 2021 Virtual Symposium on Advancing Education in Muslim Societies (AEMS) vor. Sie liefert neue Erkenntnisse über die Rolle regionaler Organisationen bei der Gestaltung von Bildungspolitik in der arabischen und muslimischen Welt und darüber, wie diese Politik durch die Interaktion zwischen regionalen und globalen IOs geprägt wird. Unter Verwendung eines postkolonialen Analyserahmens hat Sabry die Veröffentlichungen der ALESCO und ihrer Partnerorganisationen untersucht. Die Daten wurden durch Interviews mit derzeitigen und ehemaligen ALECSO-Mitarbeiter*innen ergänzt.

In ihrer Analyse stellt Sabry fest, dass die ALECSO zwischen zwei Trends hin- und hergerissen ist - einerseits will die ALECSO der westlichen Hegemonie in der Region entgegentreten und die arabische Kultur und Sprache fördern bzw. bewahren; andererseits beeinflusst die unbestreitbare Dominanz bestimmter globaler IOs die Arbeit der ALECSO, so dass sie diesen globalen IOs nacheifert, z.B. globale Richtlinien und Kriterien zur Messung der Bildungsqualität verwendet. Diese inkonsistente Strategie in Verbindung mit dem Mangel an qualifiziertem Personal, so Sabry, führe zu einem Rückgang der Rolle, die die ALECSO bei der Gestaltung der Bildungspolitik in der arabischen Welt spiele.

Sie können ein Video von Cherine Sabrys Präsentation herunterladen, das zuvor aufgezeichnet wurde: Regional Education Organizations in the Arab World


Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Gabriela de Carvalho, Johanna Fischer
Gabriela de Carvalho, Johanna Fischer
Johanna Fischer und Gabriela de Carvalho erläutern im Interview, wie die Länderberichte entstehen und welchen Mehrwert sie gegenüber anderen Quellen bieten.

Vor einigen Tagen ist die zwanzigste Ausgabe der CRC 1342 Social Policy Country Briefs erschienen. Könnt ihr aus diesem Anlass noch einmal kurz erklären, worum es in dieser Serie geht?

Johanna Fischer: Die Reihe besteht aus Kurzberichten, die sich jeweils auf einen bestimmten sozialpolitischen Bereich in einem einzelnen Land konzentrieren. So wurden beispielsweise die letzten beiden Berichte über das Gesundheitssystem in Bulgarien (Nr. 19) und das Langzeitpflegesystem in Schweden (Nr. 20) veröffentlicht. Im Einklang mit dem aktuellen Schwerpunkt des SFB - der Entstehung der Sozialpolitik - konzentrieren sich die Länderberichte auf die Einführung von Sozialschutzmaßnahmen und -systemen und deren weitere Entwicklung bis heute. Ziel der Reihe ist es, Länder- und Politikexpert*innen die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen in einem halbstrukturierten Format zu teilen, die Informationen über die Open-Access-Publikationen zu verbreiten und wenig erforschte Fälle zu beleuchten, insbesondere solche, die außerhalb von Volkswirtschaften mit hohem Einkommen liegen.

Wie ist es zu dieser Serie gekommen?

Gabriela de Carvalho: Im Rahmen unseres Teilprojekts A04 zu den globalen Entwicklungen in den Gesundheitssystemen und der Langzeitpflege als neues soziales Risiko (sowie des SFB insgesamt) sammeln wir eine Vielzahl von Daten, z. B. zu den Einführungszeitpunkten von Gesundheits- und Langzeitpflegesystemen, ihren Merkmalen und den nachfolgenden Reformen. Daraus ergeben sich zahlreiche Indikatoren, die im Globalen Wohlfahrtsstaat-Informationssystem (WeSIS) des CRC gespeichert sind und von uns und anderen für die Forschung genutzt werden können. Diese Informationen sind jedoch - hauptsächlich - in kategorischen und numerischen Indikatoren erfasst. Wir haben die Country Brief Series ins Leben gerufen, um diese Datensätze mit detaillierteren Beschreibungen in einem erzählenden Format und mit Informationen, die Länderexpert*innen oder Teammitglieder zusammengetragen haben, zu ergänzen. Wir hielten es für schade, wenn dieses umfassende Wissen über die Anfänge und die Entwicklung der Gesundheits- und Pflegesysteme nicht erfasst und veröffentlicht würde. Für die Zukunft ist geplant, dass die Country Briefs auch in WeSIS als zusätzliche länderbezogene Ressource gespeichert werden.

Welchen besonderen Nutzen hat die Serie im Vergleich zu bestehenden sozialpolitischen Länderprofilen?

Johanna Fischer: Die CRC 1342 Social Policy Country Briefs haben mehrere Vorteile, die von anderen Publikationsreihen nicht vollständig abgedeckt werden. Einer davon ist der explizite historische Fokus - im Einklang mit der Forschungsagenda des SFB - auf die anfängliche Einführung und die weitere chronologische Entwicklung der Sozialschutzsysteme. Andere Veröffentlichungen konzentrieren sich viel mehr darauf, eine Momentaufnahme der derzeit bestehenden Systeme zu liefern. Wir sind jedoch der Meinung, dass es wichtig ist, die aktuellen Entwicklungen mit einem gründlichen Verständnis ihrer historischen Entwicklung zu kontextualisieren, um zu verstehen, warum sie so aussehen, wie sie heute aussehen, und auch um Länder in verschiedenen Entwicklungsstadien zu vergleichen.

Gabriela de Carvalho: Wir betonen auch die Rolle des Staates in den Gesundheits- und Langzeitpflegesystemen und die unterschiedliche Art und Weise, wie dieser Akteur die Verantwortung für Gesundheit und Altenpflege übernommen hat. Obwohl wir planen, Kurzberichte über alle Länder der Welt zu veröffentlichen, konzentrieren wir uns besonders auf wenig erforschte Fälle aus dem Globalen Süden. Beispiele hierfür sind die Berichte über die Gesundheitssysteme von Äquatorialguinea und Mosambik, die derzeit geprüft werden.

Gabriela, du hast die erste Ausgabe der Serie geschrieben – was ist bei einem solchen Bericht die größte Herausforderung?

Gabriela de Carvalho: Die größte Herausforderung beim Verfassen eines solchen Berichts ist, so würde ich sagen, die "Neuartigkeit" des Inhalts. Da wir hier im SFB ein ausdrückliches Interesse an historischen Entwicklungen und der Rolle des Staates in der Sozialpolitik haben, beleuchten unsere Länderberichte diese Themen, was sich von bestehenden Beschreibungen der Sozialpolitik unterscheidet. Daher ist vor der Erstellung des Berichts eine historische Analyse und Reflexion der einzelnen Fälle erforderlich.

Es gibt auch konzeptionelle Herausforderungen: Zum Beispiel haben Expert*innen unterschiedliche Methoden, um zu messen und zu operationalisieren, was ein System ist und wann ein System beginnt. Dies erfordert einen offenen und ständigen Dialog zwischen den Herausgeber*innen der Reihe (Mitglieder des A04-Teilprojekts) und den Autor*innen.

Außerdem ist die Datenverfügbarkeit von Land zu Land sehr unterschiedlich. Die Autor*innen müssen die bereitgestellte Vorlage oft leicht anpassen, um Fragen der Datenverfügbarkeit und -zuverlässigkeit Rechnung zu tragen.

Wie wählt ihr die Themen der Ausgaben (Politikfeld und Land) aus?

Johanna Fischer: Derzeit arbeiten wir an den beiden Politikbereichen, die von unserem Projekt abgedeckt werden, d. h. Gesundheit und Langzeitpflege. Was die Länder betrifft, so haben wir vor allem mit den Ländern begonnen, bei denen wir bereits Kontakt zu potenziellen Autor*innen hatten, z. B. weil sie bereits an unseren Expertenbefragungen teilgenommen hatten. Außerdem haben wir versucht, eine Vielzahl von Ländern in verschiedenen Regionen zu berücksichtigen. Unser Ziel ist es ausdrücklich, Fälle außerhalb der häufig analysierten Standardstichproben aus dem Norden und Westen abzudecken, auch wenn wir natürlich gerne auch Berichte über die bekannteren Fälle aufnehmen. Im Bereich der Langzeitpflege beispielsweise haben sich viele Berichte bisher auf die langjährigen Mitglieder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung oder der Europäischen Union konzentriert. Wir freuen uns daher, dass wir diese Stichprobe bereits erweitern konnten, zum Beispiel mit den Country Briefs über Uruguay, Costa Rica, Taiwan, Singapur, die Ukraine und Serbien.

Gabriela de Carvalho: Im Falle des Gesundheitswesens sind Berichte über Länder wie Jamaika, Mosambik, Albanien und Mexiko bereits veröffentlicht worden oder werden derzeit überarbeitet.

Werden in Zukunft auch andere Politikfelder in der Serie berücksichtigt werden?

Johanna Fischer: Wir sind offen für eine Ausweitung der Reihe auf andere Politikbereiche. Daher möchten wir in Zukunft enger mit anderen Projekten des SFB zusammenarbeiten, um dies zu ermöglichen.


Kontakt:
Gabriela de Carvalho
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57078
E-Mail: decarvalho@uni-bremen.de

Johanna Fischer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57074
E-Mail: johanna.fischer@uni-bremen.de

Gabriela de Carvalho, Jakob Henninger
Gabriela de Carvalho, Jakob Henninger
De Carvalho hat die Rolle globaler Akteure in der Gestaltung von Gesundheitssystemen im Globalen Süden untersucht, Henninger das Zusammenspiel von Einwanderungs- und Sozialpolitik in autoritären Regimen.

Gabriela de Carvalhos Arbeit trägt den Titel "The role of global actors in shaping healthcare systems: Advancing analytical frameworks to better portray the empirical reality of Global South countries" und wurde mit "magna cum laude" bewertet.

Das Hauptziel ihrer Dissertation ist, die Rolle globaler Akteure bei der Gestaltung von Gesundheitssystemen in Ländern des Globalen Südens zu analysieren, um die typologische Analyse voranzubringen und die empirischen Ausprägungen von Gesundheitssystemen weltweit, insbesondere in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen, besser darzustellen. Die Dissertation besteht aus drei Beiträgen: Die erste Studie untersucht empirisch, ob und wie IOs, genauer gesagt die Weltbank (WB), die (rechtlichen) Grundlagen der Gesundheitssysteme in den Ländern des Globalen Südens beeinflussen (Paper A). Die zweite Untersuchung besteht aus einem systematischen Literaturüberblick über die Forschung zu Typologien von Gesundheitssystemen, um zu überprüfen, ob die bestehenden Konzepte (a) die zunehmende Rolle globaler Akteure bei der Gestaltung von Gesundheitssystemen berücksichtigen und (b) in der Lage sind, das Universum der Gesundheitssysteme weltweit abzubilden, mit besonderem Fokus auf LMICs (Paper B). Schließlich wird ein konzeptioneller und analytischer Rahmen von Gesundheitssystemen vorgeschlagen, um Arrangements darzustellen und zu vergleichen, wobei die Besonderheiten der Systeme des Globalen Südens berücksichtigt werden (Paper C).

Paper A:
de Carvalho, G. (2021). The World Bank and healthcare reforms: A cross-national analysis of policy prescriptions in South America. Social Inclusion (in press).

Paper B:
de Carvalho, G., Schmid, A., & Fischer, J. (2021). Classifications of healthcare systems: Do existing typologies reflect the particularities of the Global South? Global Social Policy, 21(2), 278–300. https://doi.org/10.1177/1468018120969315

Paper C:
Frisina Doetter, L., Schmid, A., de Carvalho, G., & Rothgang, H. (2021). Comparing apples to oranges? Minimising typological biases to better classify healthcare systems globally. Health Policy OPEN, 2, 1–8. https://doi.org/10.1016/j.hpopen.2021.100035

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Jakob Henningers Doktorarbeit trägt den Titel "The Politics of Immigration and Social Protection in Electoral-Authoritarian Regimes" und wurde mit der Note "summa cum laude" benotet (Prüfungskommission: Susanne K. Schmidt, Friederike Römer, Christian Joppke, Heiko Pleines, Patrick Sachweh, Johanna Kuhlmann).

Zu Jakob Henningers Ergebnissen zählen u.a.:

  • Bedenken in der Bevölkerung hinsichtlich Zuwanderung führen eher in autoritären Regimen als in Demokratien zu einem Anstieg der Nachfrage nach sozialer Sicherung.
  • Fragen im Parlament sind auch in elektoralen autoritären Regimen ein Mittel oppositioneller Abgeordneter, die Einwanderungspolitik der Regierung zu kritisieren.
  • In elektoralen autoritären Regimen sind die Ziele und Aktionen zivilgesellschaftlicher Organisationen, die sich für die Rechte von Immigrant*innen einsetzen, deutlich schwächer als in demokratischen Staaten.


Ein Paper, auf dem die Doktorarbeit basiert, ist bereits erschienen: Choose your battles: How civil society organisations choose context-specific goals and activities to fight for immigrant welfare rights in Malaysia and Argentina, mit Friederike Römer (2021) in Social Policy & Administration. Zwei weitere Paper liegen als Manuskript vor.


Kontakt:
Gabriela de Carvalho
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57078
E-Mail: decarvalho@uni-bremen.de

Jakob Henninger
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57077
E-Mail: jakob.henninger@uni-bremen.de

Prof. Dr. Herbert Obinger
Prof. Dr. Herbert Obinger
Für seine herausragende Arbeit in der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung hat die University of Southern Denmark dem Sprecher des SFB 1342 den Ehrendoktortitel verliehen.

"Herbert Obinger ist ein weltweit führender Experte in Vergleichender Wohlfahrtsforschung", begründet Jens Ringsmose, der seit Anfang November als Rektor an der Spitze der University of Southern Denmark (SDU) steht, die Auszeichnung. "Obinger hat zudem eine enge Verbindung zur SDU: Er war hier Teilzeitprofessor von 2012 bis 2015 und hat seither die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen fortgeführt."

"Ich war verblüfft, bin aber sehr dankbar für diese Auszeichnung", sagt Herbert Obinger. "Sie ist auch ein Anreiz, die Zusammenarbeit mit der SDU weiter zu vertiefen."


Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

Keonhi Son, Helen Seitzer
Keonhi Son, Helen Seitzer
Seitzer hat ihre Doktorarbeit in Teilprojekt A05 zu transnationaler Bildungspolitik geschrieben, Son in Teilprojekt A06 zur Inklusivität von Mutterschutzprogrammen im weltweiten Vergleich.

Helen Seitzer hat ihre Doktorarbeit mit dem Titel "Conceptualizing the Transational Education Policymaking Process from a Relational Perspective" Anfang Oktober verteidigt. Teile ihrer Arbeit hat sie bereits in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Keonhi Son hat ihre Arbeit ("The Influence of the ILO Maternity Protection Conventions on the historical development of paid maternity leave in the world") am 25. Oktober 2021 verteidigt. Darin argumentiert Son, dass Beschäftigte im informellen Sektor, insbesondere Frauen, im Globalen Süden von der Anwendung internationaler Arbeitsnormen ausgeschlossen sind aufgrund der Art und Weise, wie die Staaten diese Normen übersetzen und umsetzen. Dieses Argument konnte Son testen anhand einer Datenbank zu bezahltem Mutterschutz in 165 Ländern zwischen 1883 und 2018, die sie in Zusammenarbeit mit weiteren Mitgliedern des Teilprojektes A06 aufgebaut hatte.

Weitere Verteidigungen von Doktorarbeiten im SFB 1342 folgen in den nächsten Tagen und Wochen.


Kontakt:
Helen Seitzer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57084
E-Mail: seitzer@uni-bremen.de

Keonhi Son
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 9
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58541
E-Mail: son@uni-bremen.de

Die Co-Leiterin des Teilprojekts A04 wurde zum Podcast des City College of New York eingeladen, um über Gesundheitssysteme im Globalen Norden und Süden, globale Trends und Herausforderungen für die Forschung zu diesen Themen zu sprechen.

Rights Talk ist ein Podcast des City College of New York, der sich mit aktuellen Menschenrechtsproblemen in der ganzen Welt befasst. Der Podcast lädt zu kritischen Perspektiven ein und stellt die Frage nach der Zukunft der Rechte im einundzwanzigsten Jahrhundert.

Lorraine Frisina Doetter, Co-Direktorin des SFB-Teilprojekts A04 Globale Entwicklungen in den Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko, sprach im Podcast über die Gesundheitsversorgung weltweit und die Herausforderungen in der vergleichenden Forschung zu den Gesundheitssystemen.

Frisina Doetter sprach unter anderem über Themen wie Gesundheitsversorgung als Menschenrecht, globale Trends, die Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt herausfordern, die Ineffizienzen des US-Gesundheitssystems und dessen Widerstand gegen Veränderungen.

Frisina Doetter stellte auch die Arbeit des SFB 1342 und die Herausforderungen vor, die mit der vergleichenden Erforschung von Gesundheitssystemen auf globaler Ebene verbunden sind: (1) die Verfügbarkeit von Daten, insbesondere von historischen Daten über die Gesundheitsversorgung im globalen Süden, und (2) wie man zu Konzepten kommt, die universell anwendbar und dennoch sinnvoll sind. "Die meisten Wissenschaftler haben ein sehr spezifisches Verständnis von einem Gesundheitssystem, in dessen Mittelpunkt Ärzte und Krankenschwestern mit medizinischer Ausbildung stehen", sagt Frisina Doetter. Andere Akteure werden vernachlässigt, ebenso wie die so genannte Alternativmedizin, die in vielen Gesellschaften ein funktionales Äquivalent darstellt. "Diese und andere funktionale Äquivalente sollten in unserer Forschung nicht übersehen/vernachlässigt werden. Wir müssen Konzepte entwickeln, die dies in unseren Vergleichen erfassen. Dazu müssen wir unsere normativen und epistemischen Vorurteile überprüfen."

Hören Sie die gesamte Folge von Rights Talk:
The Right to Health in Comparative Perspective: the WHO, North-South Systems, and Transnational Interdependencies with Dr. Lorraine Frisina Doetter


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Es war die erste Veranstaltung des SFB 1342 mit internationalen Gästen in Bremen seit dem ersten pandemiebedingten Lockdown.

On Friday, October 8, 2021, the CRC project A05 hosted an international workshop on "Developments and Changes in Education Systems across Global 'Cultural Spheres'" in Bremen. The event took place in a hybrid format with about 20 participants present on the scene. For the CRC 1342 it was the first workshop since the beginning of the pandemic that was attended by international guests in Bremen.

The workshop was structured in four slots, focussing on Education policies and reforms, School autonomy, Expertise and skills, as well as Education and culture. Each of the nine presentation was followed by an in-depth feedback by a discussant and an open discussion with the audience.

Patricia Bromley (et al.) from Stanford University looked at global causes for education reforms worldwide by analyzing the changing role of the World Bank and International Non-Governmental Organizations (INGOs) in 147 countries between 1960 and 2017. In this period, Bromley found a sharp drop in the levels of national education reforms. She also found evidence of changing power dynamics: The influence of World Bank loans in promoting education reform declined over time, while the influence of INGOs grew.

Fabian Besche-Truthe, Helen Seitzer and Michael Windzio (all CRC 1342) presented their concept of Cultural Spheres and their influence on the diffusion of compulsory education around the world.  Countries can be tied by sharing a multitude of cultural characteristics, defined by a variety of variables like dominant religion(s), dominant language, colonial history, gender relations, or civil freedom. The result is a fuzzy typology of cultural spheres. The authors’ hypothesis is that the introduction and configuration of state education correspond to world regions and cultural spheres. And in line with this expectation, makro-statistical analysis of the introduction dates of compulsory education shows that cultural spheres considerably mediate the diffusion of compulsory education.

Michael Windzio (CRC 1342) then presented the results of an explorative study on the effects of culture on the gender gap in education, i.e. the probability of women getting only little/low level education. By drawing on the World Value Survey and on its data on secular and emancipative data in particular, Windzio defines eight country classes. His statistical analysis shows that “culture matters” for the gender education gap – countries belonging to the traditional religious class show a higher tendency towards low education, and women in these countries are considerably disadvantaged.

Gerard Ferrer and Antoni Verger (both Universitat Autònoma de Barcelona) looked at school autonomy and accountability. According to their findings, market-oriented accountability systems tend to have higher levels of autonomy. There is some evidence on the convergence of certain policies of school autonomy and accountability at the level of practice: there seems to be evidence of convergence of school autonomy policies (staff, school budget and curriculum) and robust evidence of convergence of autonomy policies on school admission, derived from an increase of the selection practices based on the students’ record.

Michael Dobbins (University of Konstanz) and Dennis Niemann (CRC 1342) introduced a refined approach to look at school autonomy by presenting four ideal-types of school autonomy: the civic participation model, the school competition model, the professional (teacher) self-steering model, and the hierarchical (school management) self- steering model. As an example of how to use their ideal types, Dobbins and Niemann calculated the relationship between the school autonomy constellation in European countries and each country’s PISA performance.

Manuel Souto-Otero (Cardiff University) and Piotr Bialowoski (Harvard University) presented their research on how skills prioritisation and conceptions of education (narrow vs. broad) vary by social class. They found that (1) class differences exist and (2) that those in the middle classes prioritise different sets of skills than individuals in the working class and they also conceive education in a broader way, e.g. opportunities to learn are more often associated with non-formal and informal learning contexts.

Aaron Benavot (University at Albany-SUNY) has explored regional and variation over time in school knowledge and textbook content in primary and secondary education and discussed the cultural underpinnings of such variation. Jane Gingrich (University of Oxford) presented on the politics of differentiation reforms in secondary education, and Gita Steiner Khamsi (Columbia University/Graduate Institute of International and Development Studies) on evidence and expertise in educational politics.

Each presentation was followed by an in-depth feedback by a discussant and an open discussion with the audience.


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Prof. Dr. Kerstin Martens
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Prof. Dr. Michael Windzio
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E-Mail: mwindzio@uni-bremen.de