Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.


Der wissenschaftliche Beirat diskutierte mit dem Vorstand über die geplanten Forschungsvorhaben des SFB 1342 in der zweiten Förderphase.

Am vergangenen Freitag hat sich der Vorstand des SFB 1342 in einer zweistündigen Video-Konferenz mit dem Wissenschaftlichen Beirat getroffen. Aus dem Beirat nahmen Evelyne Huber (University of North Carolina), Kathleen Thelen (Massachusetts Institute of Technology), Nicola Yeates (The Open University), Ben Ross Schneider (Massachusetts Institute of Technology), Aaron Benavot (University of Albany-SUNY) und Lutz Leisering (Universität Bielefeld) an der Sitzung teil.

Zu Beginn berichtete Sprecher Herbert Obinger über den Fortschritt der Arbeiten in den 15 Teilprojekten und den Stand der Publikationen.

Evelyne Huber nannte das Vorhaben des SFB „unglaublich ambitioniert“ und mit Blick auf das Global Welfare State Information System (WeSIS), die Datenbank sehe sehr vielversprechend aus. Gerade im in den zurückliegenden Monaten hat die Zahl der Publikationen der SFB-Mitglieder deutlich zugenommen. Für Aaron Benavot sind "die Produktivität und der Output – auch unter den Bedingungen der Pandemie mit den einhergehenden Einschränkungen - sehr beeindruckend".

Lutz Leisering bemerkte, dass die Veröffentlichungen der SFB-1342-Mitglieder in englischsprachigen Fachzeitschriften einen großer Sprung für die internationale Präsenz der deutschen Sozialpolitikforschung darstellen.

Der SFB 1342 veröffentlicht einen großen Teil seiner Publikationen in Open-Access-Journalen, seiner Open-Access-Buchreihe bei Palgrave Macmillan und in seinen frei zugänglichen Eigenpublikationen. Diese Publikationsstrategie produziere „unbezahlbare Ressourcen für Wissenschaftler*innen, Studierende und die allgemeine Öffentlichkeit“, sagte Nicola Yeates.

Im zweiten Teil der Sitzung diskutierten die Beiräte den Antrag des SFB 1342 für die zweite Förderphase (in den Tagen zuvor hatten sie Kurzfassungen der Teilprojektanträge gelesen). Mit ihren Fragen, Anmerkungen und konstruktiven Kritikpunkten gaben die Beiräte wertvolle Hinweise zur Forschungsplanung für die kommenden Jahre.


Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Obinger
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58567
E-Mail: herbert.obinger@uni-bremen.de

In "Social Policy & Administration" haben 7 Teilprojekte des SFB 1342 Fallstudien sozialpolitischer Dynamiken im Globalen Süden vorgelegt. Deren Synthese zeigt: Das Konzept der kausalen Mechanismen ist gut geeignet, solche Entwicklungen zu analysieren.

Sieben Teilprojekte aus dem Projektbereich B des SFB 1342 haben eine Sonderausgabe von "Social Policy and Administration" veröffentlicht: Causal mechanisms in the analysis of transnational social policy dynamics: Evidence from the global south. Die zentrale Forschungsfrage, der die Autor*innen nachgehen, lautet: Welche kausalen Mechanismen können die transnationalen Dynamiken der Sozialpolitik im Globalen Süden erfassen?

Um Antworten auf diese Frage zu finden, präsentieren die Autor*innen vertiefende Fallstudien zu sozialpolitischen Dynamiken in verschiedenen Ländern und Regionen des Globalen Südens sowie in unterschiedlichen sozialpolitischen Feldern. Alle Beiträge konzentrieren sich auf das Zusammenspiel von nationalen und transnationalen Akteuren bei der Gestaltung von Sozialpolitik. (Die Beiträge dieser Special Issue sind unten aufgeführt.)

Die zentralen Erkenntnisse der Autorinnen und Autoren sind:

  • Erklärungen der Sozialpolitik im Globalen Süden bleiben unvollständig, wenn nicht auch transnationale Faktoren berücksichtigt werden
  • Dies bedeutet jedoch nicht, dass nationale Faktoren nicht mehr wichtig sind. Bei sozialpolitischen Entscheidungen sind nationale institutionelle Rahmenbedingungen und Akteure von zentraler Bedeutung
  • Die mechanismusbasierte Forschung kann das Zusammenspiel zwischen transnationalen und nationalen Akteuren und deren Einfluss auf die Gestaltung sozialpolitischer Ergebnisse plausibel nachzeichnen. Die Artikel identifizieren eine Vielzahl von Kausalmechanismen, die dieses Zusammenspiel erfassen können
  • Das Ergebnis sozialpolitischer Entscheidungen ist komplex und kann oft nicht durch einen einzigen Mechanismus erklärt werden. Die Untersuchung der Kombination und des möglichen Zusammenspiels mehrerer kausaler Mechanismen kann tiefer gehende Erklärungen liefern 
  • Das Konzept der Kausalmechanismen kann auch in vergleichenden Analysen angewendet werden
  • Mechanismen können induktiv in einem Fall aufgespürt und dann auf einen anderen Fall übertragen werden.


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Johanna Kuhlmann & Tobias ten Brink (2021). Causal mechanisms in the analysis of transnational social policy dynamics: Evidence from the global south. Social Policy and Administration.

Armin Müller (2021). Bureaucratic conflict between transnational actor coalitions: The diffusion of British national vocational qualifications to China. Social Policy and Administration. 

Johanna Kuhlmann & Frank Nullmeier (2021). A mechanism‐based approach to the comparison of national pension systems in Vietnam and Sri Lanka. Social Policy and Administration. 

Kressen Thyen & Roy Karadag (2021). Between affordable welfare and affordable food: Internationalized food subsidy reforms in Egypt and Tunisia. Social Policy and Administration.

Monika Ewa Kaminska, Ertila Druga, Liva Stupele & Ante Malinar (2021). Changing the healthcare financing paradigm: Domestic actors and international organizations in the agenda setting for diffusion of social health insurance in post‐communist Central and Eastern Europe. Social Policy and Administration (in press).

Gulnaz Isabekova & Heiko Pleines (2021). Integrating development aid into social policy: Lessons on cooperation and its challenges learned from the example of health care in Kyrgyzstan. Social Policy and Administration. 

Anna Safuta (2021). When policy entrepreneurs fail: Explaining the failure of long‐term care reforms in Poland. Social Policy and Administration.

Jakob Henninger & Friederike Römer (2021). Choose your battles: How civil society organisations choose context‐specific goals and activities to fight for immigrant welfare rights in Malaysia and Argentina. Social Policy and Administration.


Kontakt:
Dr. Johanna Kuhlmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58574
E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de

Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Dr. Alex Veit, Dr. Clement Chipenda
Dr. Alex Veit, Dr. Clement Chipenda
Clement Chipenda und Alex Veit analysieren die Entwicklungen der südafrikanischen Agrar- und Nahrungsmittelpolitik am Beispiel von Schulspeisungen und Subventionen. Zu lesen in einem neuen Working Paper.

Ihr Arbeitspapier bietet eine chronologische Analyse der südafrikanischen Ernährungspolitik von der Gründung Südafrikas als halb-autonomer Siedlerstaat bis zur demokratischen Revolution.

Auf Grundlage von Primärquellen aus Archiven und Sekundärliteratur vergleichen Chipenda und Veit zwei Politiken der Ernährungssicherung: Schulspeisungen und Nahrungsmittelsubventionen. In der Zeit zwischen den Weltkriegen wurde Nahrungsmittelknappheit und -unsicherheit ein zunehmendes Problem, wodurch Nahrungsmittelpolitik elementarer Teil des expandierenden Wohlfahrtsstaates wurde. Kostenlose Schulspeisungen waren ein wichtiges Instrument, vom dem alle Kinder profitierten, bis das Apartheid-Regime Ende der 1940er-Jahre an die Macht kam. Das Regime schloss afrikanische Kinder von den Schulspeisungen aus.

Auf den ersten Blick widersprüchlicherweise, blieb ein weiteres ernährungspolitisches Instrument auch unter dem Apartheid-Regime erhalten, von dem alle, also auch afrikanische Bevölkerungsgruppen profitierten, welches im Laufe der Jahre sogar ausgeweitet wurde: allgemeine Nahrungsmittelsubventionen.

Um diese Entwicklungen erklären zu können, analysieren Chipenda und Veit die Figuration aus Akteuren und ihren Interdependenzen:

  • die dominanten, nationalistischen Kräfte des weißen politischen Establishments, die die Verantwortung für das Wohlergehen der afrikanischen Bevölkerung abstritten
  • die liberalen, demokratischen philanthropischen und kirchlichen Gruppen, die die Ernährungssicherheit für alle Bevölkerungsgruppen einforderten
  • Industrielle, vor allem aus dem Agrar- und Rohstoffsektor, die auf die Bedeutung einer gesunden, zahlreichen Arbeitsbevölkerung hinwies.


Die Abhängigkeit der südafrikanischen Agrar- und Rohstoffindustrie von den billigen afrikanischen Arbeitskräften, mag den Ausschlag gegeben haben, die zu einer zentralstaatlichen Regulierung und Subventionierung des Agrar- und Nahrungsmittelmarktes geführt hat. Aber Chipenda und Veit weisen auf die „eigentümliche Figuration“ aus nationalistischen, kapitalistischen, liberalen, philanthropischen Kräften hin, die sich bei der Nahrungsmittelpolitik auf ein gemeinsames Handeln verständigten, wenngleich aus unterschiedlichen Interessen.

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Lesen Sie das gesamte Working Paper: The trajectory of food security policies in South Africa, 1910-1994. The persistence of food subsidies


Kontakt:
Dr. Alex Veit
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67471
E-Mail: veit@uni-bremen.de

Dr. Dennis Niemann
Dr. Dennis Niemann
Wie beeinflussen Internationale Organisationen die globale Entwicklung von Sozialpolitik? Der vierte Band der SFB-finanzierten Reihe bei Palgrave Macmillan geht dieser Frage nach. Mit Co-Herausgeber Dennis Niemann haben wir über das Buch gesprochen.

Das Ziel eures Buches ist, die "architecture of arguments in global social governance" zu analysieren. Vereinfacht ausgedrückt, geht ihr in zwei Schritten vor: Zunächst kartiert ihr das Feld (welche IOs engagieren sich zu welchen sozialpolitischen Themen?), dann untersucht ihr den Diskurs (mit welchen Strategien versuchen die IOs, ihren Ideen und Konzepten Gehör zu verschaffen?). Fangen wir mit dem ersten Teil an: Vor gut 100 Jahren war das Feld noch übersichtlich, mit der ILO gab es genau eine IO, die sich mit Sozialpolitik beschäftigte und noch heute existiert. Wie hat sich das Feld bis heute erweitert und ausdifferenziert?

Dennis Niemann: Stimmt, der generelle Trend, dass es spätestens seit Ende des Zweiten Weltkriegs immer mehr internationale Organisationen gibt, lässt sich auch in der Sozialpolitik finden. Überaschenderwiese gibt es einige zentrale Akteurinnen, die hier annähernd das gesamte Spektrum der Sozialpolitik umspannen. Die OECD, die ILO und die Weltbank tauchen immer wieder auf und prägen diverse Bereiche. Aber auch die UNESCO, die Bildungs-, Wissenschafts-, und Kulturorganisation der UN, findet sich in vielen Sozialpolitikfeldern. Wir konnten aber auch beobachten, dass die Gesamtpopulation der Sozialpolitik-IOs mit der Zeit diverser wurde. Nicht nur die großen, bekannten IOs engagieren sich, sondern auch viele, teils regionale IOs traten auf den Plan, sozialpolitische Themen abzudecken: z.B. ASEAN, African Union oder Mercosur.

Viele IOs haben ihr Portfolio im Laufe der Zeit um sozialpolitische Themen erweitert bzw. ihr sozialpolitisches Portfolio auf weitere Felder ausgedehnt. Warum ist das so?

Dennis Niemann: Für die Gründe lassen sich zwei maßgebliche Faktoren anführen. Zum einen wurden die IOs quasi aktiv von ihren Mitgliedsstaaten beauftragt, sich mit bestimmten sozialpolitischen Themen zu beschäftigen - auch wenn sie da historisch gesehen keine große Expertise hatten. Zum Beispiel wurde die OECD, deren thematischer Schwerpunkt auf Wirtschaftspolitik lag, in den 1980er-Jahren von einigen Mitgliedsstaaten damit beauftragt, ein Instrument zu entwickeln, um nationale Bildungsleistungen zu vermessen. Heraus kam PISA und heute ist die OECD eine zentrale IO in der internationalen Bildungspolitik. Generell ist Bildungspolitik mit 30 aktiven IOs besonders dicht bevölkert. Zum anderen war diese thematische Expansion aber auch innerorganisatorischen Faktoren geschuldet. D.h. die IOs erweiterten proaktiv ihr Portfolio. Dies geschah etwa, weil sie dadurch ihre eigentliche Kernmission besser erfüllen konnten.

Nicht zu vernachlässigen ist ferner, dass bestimmte Politikfelder diskursiv um eine sozialpolitische Komponente erweitert wurden. Beispielsweise hat sich die Interpretation von Wasser als eine natürliche Ressource um eine sozialpolitische Komponente erweitert: Wasser und der Zugang dazu ist ein soziales Gut.

Kommen wir zum zweiten Teil, den Diskursen. In den sozialpolitischen Feldern sind mitunter sehr viele IOs aktiv. Üben sie sich dabei in Kooperation oder in Konkurrenz?

Dennis Niemann: Sowohl als auch. Natürlich sind die fundamentalen Sichtweisen bestimmter IOs auf Prioritäten in der Sozialpolitik durchaus divers und teils bipolar. Wo die eine Seite ökonomische Effizienz bevorzugt, wollen andere IOs zuvorderst gesellschaftlichen Zusammenhalt garantiert sehen. Diese beiden Blickwinkel sind oftmals schwerlich unter einen Hut zu bringen. Aber unmöglich ist das nicht. Wir sehen, dass bei zahlreichen Initiativen pragmatische Ansätze verfolgt werden und IOs aus unterschiedlichen "Familien" in konkreten Projekten produktiv zusammenarbeiten. Die Weltbank, OECD und ILO haben beispielsweise seit 2008 in der Familienpolitik einen gemeinsamen Ansatz entwickelt. Ähnliches lässt sich auch in Bereichen der Jugendarbeitslosigkeit und der Migration von Health Care Workers beobachten.

Ihr schreibt, dass die Tendenz zur Kooperation in den letzten ca. 10 Jahren zugenommen hat. Warum ist das so?

Dennis Niemann: Nun, ich denke, dass unterschiedliche IOs – vielleicht auch durch begonnene, eher niedrigschwellige Kooperationsprojekte – zunehmend ihre programmatischen Sichtweisen integrieren können. Wir sollten aber nicht vergessen, dass bei Sozialpolitik oftmals verschiedene Ideen weiterhin konkurrieren; nur vielleicht nicht mehr in Fundamentalopposition. Für erhöhte Kooperation spielt sicherlich auch eine Rolle, dass bestimmte Werte universeller und gültiger wurden. Ein Kristallisationspunkt hierfür waren die Millennium Development Goals und die Sustainable Development Goals der UN. Sie etablierten auch bestimmte normative Referenzpunkte für IOs in der Sozialpolitik, an denen diese ihr Argumentieren und Handeln zunehmend ausrichten. Und eine gemeinsame Wertebasis erleichtert Kooperation dann doch ungemein.

Einige IOs sind dominant im sozialpolitischen Diskurs. Welche Faktoren führen dazu, dass eine IO ein Feld dominiert oder zumindest eine einflussreiche Position einnimmt?

Dennis Niemann: In erster Linie wohl Timing und Ressourcen. Wenn IOs den Zeitgeist treffen, genießen sie eine zusätzliche Legitimation, die es ihnen ermöglicht sozialpolitische Diskurse zu bestimmen. IOs, denen auch die notwendigen Mittel zur Umsetzung ihrer programmatischen Vorgaben zur Verfügung stehen, können natürlich prägender wirken als IOs, denen diese Mittel zur Reichweitengenerierung fehlen.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft: Der Einfluss von IOs auf die Sozialpolitik ist in der Vergangenheit gestiegen. Wird sich dieser Trend fortsetzen oder in einigen Bereich sogar umkehren?

Dennis Niemann: Die Glaskugel ist hier natürlich etwas vernebelt, aber prinzipiell haben wir in der Vergangenheit eigentlich immer einen Bedeutungsanstieg von IOs in der Sozialpolitik gesehen. Mir fallen momentan wenige Gründe ein, die eine Trendumkehr heraufbeschwören würden. Was ich mir allerdings vorstellen könnte, und was sich teilweise auch abzeichnet, ist, dass einzelne IOs an Bedeutung verlieren und andere, z.B. die Big Players, noch bigger werden. Ebenfalls könnte sich die diskursive Lagerbildung wieder etwas stärker ausprägen. Generell sollte man aber die sozialpolitischen Outcomes nicht außer Betracht lassen. Solange die IOs "liefern", also für sozialpolitische Problemlagen Lösungswege aufzeigen und diese mitgestalten können, werden sie weiterhin zentrale Akteurinnen in diesem Feld sein und uns noch vor viele spannende Forschungsaufgaben stellen.

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Lesen Sie das gesamte Buch, kostenfrei als Open-Access-Publikation:
Kerstin Martens, Dennis Niemann, Alexandra Kaasch (Hrsg.)(2021): International Organizations in Global Social Governance. Palgrave Macmillan. Cham


Kontakt:
Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de

Netzwerk des globalen Wettbewerbs in Exportmärkten
Netzwerk des globalen Wettbewerbs in Exportmärkten
Ivo Mossig, Hendrik Heuer, Michael Lischka und Fabian Besche-Truthe haben zwei neue Indikatoren entwickelt, um den Zusammenhang von Wettbewerb und Sozialpolitik besser untersuchen zu können. Die dazugehörigen Datensätze umfassen jährliche Verflechtungsang

Die SFB-Mitglieder Ivo Mossig, Hendrik Heuer, Michael Lischka und Fabian Besche-Truthe haben zwei Indikatoren entwickelt, die den wirtschaftlichen Wettbewerb zwischen Ländern auf neue Weise abbilden. Dadurch lässt sich der Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wettbewerb und sozialpolitischen Entwicklungen genauer analysieren. Wie die Indikatoren im Detail berechnet werden, haben die vier Autoren in Band 8 der SFB 1342 Technical Paper Series beschrieben: Measuring global competition in export markets and export sectors. Im folgenden Interview erläutert Ivo Mossig in groben Zügen, worum es geht.

In welcher Hinsicht ist internationaler Wettbewerb ein Faktor bei der Diffusion von Sozialpolitik?

Ivo Mossig: Unser Sonderforschungsbereich will die Dynamik von Sozialpolitik nicht nur durch die nationale Konstellation erklären, sondern auch durch zwischenstaatliche Verflechtungen, darunter auch ökonomische. Wettbewerb wird in dem Zusammenhang in zweierlei Hinsicht - etwas kontrovers - diskutiert: Zum einen gibt es die Effizienzthese, wonach Staaten Sozialleistungen als Belastung im internationalen Wettbewerb ansehen. Die Folge sei demnach ein "race to the bottom": Um Kostenvorteile zu erreichen, werden Sozialstandards und -leistungen abgebaut. Auf der anderen Seite gibt es die Kompensationsthese: Gerade kleine Volkswirtschaften sind oftmals in hochspezialisierten Bereichen auf dem Weltmarkt aktiv. Und ihre Gesamtwirtschaft hängt sehr stark von deren Weltmarktintegration ab, weil sie keinen großen Binnenmarkt haben. Als Puffer, z.B. um unvorhergesehene Entwicklung und Schocks auf den Weltmärkten abzufedern, werden Sozialsysteme ausgebaut. Trotz dieser kontroversen Thesen ist unstrittig: Wettbewerb und dabei insbesondere ökonomischer Wettbewerb ist ein relevanter Faktor für die Entwicklung von Sozialpolitik.

Wie operationalisiert ihr diesen Wettbewerb? Wie macht ihr ihn messbar?

Ivo Mossig: In der Vergangenheit diente der Grad der Handelsverflechtungen als Indikator, z.B. die Größe der Handelsströme zwischen Ländern. Wenn Land A vor allem Kaffee exportiert und Land B Computerbildschirme, dann gibt es zwar globale Handelsverflechtung, aber Land A und B stehen nicht zwangsläufig im Wettbewerb zueinander, sondern ergänzen sich.

Deshalb haben wir jetzt zwei neue Indikatoren vorgelegt: Der eine Indikator bildet den Wettbewerb auf Exportmärkten ab, dafür betrachten wir die Bedeutung der einzelnen Absatzmärkte für jedes der Länder, gemessen am Exportvolumen. Wenn zwei Länder anteilig ähnliche Absatzmärkte haben, begegnen sie sich auf den Absatzmärkten als Konkurrenten. Mit einem zweiten Indikator messen wir Konkurrenz von Ländern in Exportbranchen. Wenn die Exporte zweier Länder auf ähnliche Branchen verteilt sind, dann sind sie in diesen Branchen Konkurrenten auf dem Weltmarkt: Liegen die Exportschwerpunkte auf unterschiedlichen Waren und Dienstleistungen, sind sie es nicht.

Gibt es denn große Unterschiede zwischen den beiden Indikatoren?

Ivo Mossig: Auf jeden Fall. In dem Technical Paper nutzen wir Norwegen als Beispiel, um den Unterschied plausibel aufzuzeigen: Auf Norwegens Exportmärkten sind andere skandinavische Länder die Hauptkonkurrenten, weil Norwegen viel in die EU-Länder exportiert, genauso wie Finnland und Dänemark. Wenn wir die Wirtschaftssektoren betrachten, sind Norwegens Hauptkonkurrent hingegen die Vereinigten Arabischen Emirate oder Kolumbien, weil in diesen Ländern ebenso wie in Norwegen Erdöl das überragende Exportprodukt ist.

Wie groß ist euer Datensatz?

Ivo Mossig: Der Datensatz reicht von 1962 bis 2017/2018, mit Werten für jedes Jahr. Und er deckt nicht nur die OECD-Welt ab, sondern 164 Länder. Für jedes dieser 57 Jahre haben wir einen Zahlenwert bezüglich des Wettbewerbs auf Märkten und in Exportbranchen für jedes mögliche Länderpaar, also über 13.000 Verflechtungsangaben pro Jahr und Indikator. Der nächste Schritt besteht nun darin zu analysieren, ob sich mit diesen neuen Daten das Wettbewerbsargument im Hinblick auf Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik besser erfassen lässt, wir also zu einer Schärfung des Wettbewerbsarguments beitragen können.

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Lesen Sie das Paper im PDF-Format: Measuring global competition in export markets and export sectors


Kontakt:
Prof. Dr. Ivo Mossig
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 / 421 / 218 67410
E-Mail: mossig@uni-bremen.de

Buch vier der Serie, herausgegeben von Kerstin Martens, Dennis Niemann und Alexandra Kaasch, beleuchtet den Einfluss Internationaler Organisationen auf die Entwicklung verschiedener sozialpolitischer Felder.

Internationale Organisationen (IOs) sind wichtige politische Akteure, die die Entwicklung vieler sozialpolitischer Felder beeinflussen. Der Sammelband "International Organizations in Global Social Governance" vertieft und systematisiert unser Verständnis davon, welche Rolle IOs in der globalen Sozialpolitik spielen.

In 14 Kapiteln beleuchten die Autor*innen das Engagement von IOs in den sozialpolitischen Feldern Arbeit, Migration, Familie, Bildung sowie Umwelt und Gesundheit. Sie erfassen dabei, welche IOs am Diskurs innerhalb eines Feldes beteiligt sind und welche Trends sie setzen. Die Autor*innen untersuchen dabei auch den Diskurs innerhalb der IOs und zwischen diesen. Damit leistet dieses Buch einen wesentlichen Beitrag zur Forschung über Sozialpolitik und internationale Beziehungen, sowohl was die theoretische Fundierung als auch den Umfang und die Tiefe der Empirie betrifft.

Das Buch basiert auf einem internationalen Workshop des SFB-Teilprojekts A05 "Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen", der im Mai 2019 an der Universität Bremen stattfand.

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Lesen Sie das gesamte Buch, kostenfrei als Open-Access-Publikation:
International Organizations in Global Social Governance


Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Martens
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67498
E-Mail: martensk@uni-bremen.de

Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de

Teilprojekt B06 hat ein Special Issue bei „Global Social Policy“ veröffentlicht: In 7 Aufsätzen analysieren TP-Mitglieder und Gastautor*innen die Rolle internationaler Akteure bei der Einführung sozialpolitischer Konzepte in post-sowjetischen Staaten.

Die Autor*innen dieser Sonderausgabe untersuchen, wie der Transfer von sozialpolitischen Konzepten - und in der Folge das Lernen - auf nationaler und lokaler Ebene in der post-sowjetischen Region stattfindet. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Frage, welche internationalen und nationalen Akteure an diesem Prozess beteiligt sind. Sie analysieren die Interaktion zwischen Internationalen Organisationen (IO) und nationalen Regierungen, zwischen IO und nationalen Experten sowie zwischen IO und lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGO).

Zu dem Themenheft haben die vier Mitglieder des SFB-Teilprojektes B06, Andreas Heinrich, Heiko Pleines, Gulnaz Isabekova und Martin Brand, Beiträge geliefert.

Andreas Heinrich überprüft in seinem Artikel "The advice they give: Knowledge transfer of international organisations in countries of the former Soviet Union" die Annahmen der Literatur über die neoliberale Agenda ('Washington Consensus'), die von Internationalen Organisationen durch Wissenstransfer gefördert wird, und über die Macht, die sie demnach durch Kreditkonditionalität haben, um Ländern in finanzieller Not ihren Willen aufzuzwingen. Heinrich untersucht am Beispiel der Länder Kasachstan, Kirgisien und Russland, welche Ratschläge die IO zwischen 1991 und 2018 zur Reform der Gesundheitssysteme gegeben haben.

Heiko Pleines hat für seinen Beitrag "The framing of IMF and World Bank in political reform debates: The role of political orientation and policy fields in the cases of Russia and Ukraine" die Inhalte von Parlamentsdebatten in Russland und der Ukraine analysiert. In beiden Ländern lehnten sowohl linke als auch rechte Parteien eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) ab. Die Ukraine ist dennoch einer der größten Empfänger von IWF-Krediten. Aufgrund der fehlenden Unterstützung aus dem Parlament zog sich die ukrainische Regierung auf das Argument zurück, dass für die Reformen keine anderen Geldgeber verfügbar seien.

Gulnaz Isabekova betrachtet in ihrem Beitrag den Wissenstransfer auf lokaler Ebene. Ihr Artikel "Mutual learning on the local level: The Swiss Red Cross and the Village Health Committees in the Kyrgyz Republic" konzentriert sich auf die Interaktion zwischen IO und lokalen NGO, und dabei insbesondere auf das gegenseitige Lernen zwischen Gebern und Empfängern von Entwicklungshilfe. Dafür untersucht Isabekova das internationale Projekt "Community Action for Health", das darauf abzielt, ländliche Gemeinden in Kirgisistan zu stärken und ihre Beteiligung an der Gesundheitsversorgung zu fördern. Ihr Artikel analysiert die Faktoren, die gegenseitiges Lernen in der Praxis ermöglichen. Relevant sind demnach die Dezentralisierung der Organisation, die Projektleitung und deren Umgang mit Misserfolg, der kontinuierliche Kontakt zwischen Gebern und Empfängern von Entwicklungshilfe und die Betonung des Beitrags lokaler Expertise.

In seinem Beitrag "The OECD poverty rate: Lessons from the Russian case" betont Martin Brand die Notwendigkeit, die normative Annahmen über Armut bei der Verwendung von Armutsdaten explizit zu machen. Insbesondere für länderübergreifende Vergleiche von Armutsquoten plädiert Brand für einen mehrdimensionalen Armutsindikator, damit mehrere Facetten dieses Phänomens und die Besonderheiten des sozioökonomischen Gefüges der betrachteten Länder berücksichtigt werden.

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Das Themenheft bei „Global Social Policy“ ist aus einem internationalen Workshop zum Thema "International knowledge transfer in social policy: The case of the post-Soviet region" entstanden, der von Teilprojekt B06 am 9. November 2019 an der Universität Bremen durchgeführt worden war.

Lesen Sie das gesamte Themenheft online (einzelne Aufsätze open access):
Global Social Policy, Volume 21 Issue 1, April 2021


Kontakt:
Martin Brand
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
E-Mail: martin.brand@uni-bremen.de

Dr. Andreas Heinrich
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57071
E-Mail: heinrich@uni-bremen.de

Gulnaz Isabekova
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57073
E-Mail: gulnaz@uni-bremen.de

Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-69602
E-Mail: pleines@uni-bremen.de

Teresa Huhle und Johanna Kuhlmann berichten im Interview von einem 6-tägigen Seminar zu Sozialpolitik im Globalen Süden, das sie während der Frühjahrsakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes geleitet haben.

Die SFB-Mitglieder Teresa Huhle und Johanna Kuhlmann haben vom 20. bis 25. März 2021 eine Arbeitsgruppe der Frühjahrsakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes geleitet. An dem sechstägigen Seminar zum Thema „Sozialpolitik im Globalen Süden – Ein interdisziplinärer Perspektivwechsel“ haben 13 Studierende aus unterschiedlichen Disziplinen teilgenommen. Im Interview erzählen Huhle und Kuhlmann, wie die Akademie gelaufen ist.

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Wer war zu der Akademie zugelassen?

Johanna Kuhlmann: An der Akademie konnten Stipendiat*innen der Studienstiftung teilnehmen, die eher am Beginn ihres Studiums sind. Wir hatten 13 Studierende vom ersten bis zum sechsten Semester.

Teresa Huhle: Der Zugang war auf keine Disziplin beschränkt. So hatten wir dann einen bunten Mix: ungefähr die Hälfte kam aus den Sozialwissenschaften, dazu kam eine Historikerin. Die anderen studieren Jura, VWL, Medizin, Physik und Philosophie.

Wie war euer Seminar konzipiert?

Huhle: Wir hatten fünf inhaltliche Arbeitstage – nach einem Einführungstag stand jeder Tag unter einem thematischen Schwerpunkt: koloniale Sozialpolitik, Internationale Organisationen, Entwicklungspolitik als Sozialpolitik und schließlich Propaganda und Verhaltenspolitik. Tag sechs war einem Rückblick und der Vorbereitung einer Präsentation für den gemeinsamen Abschlussabend der Akademie gewidmet. Zur Vorbereitung hatten die Teilnehmer*innen pro Tag zwei bis drei Texte zu lesen. Aber die einzelnen Tage haben wir dann variabel gestaltet und die Themen in sehr unterschiedlichen Formaten bearbeitet.

Kuhlmann: Gerade auch mit Blick auf das digitale Format wollten wir die Teilnehmer*innen aktivieren. Das hat auch gut geklappt. Zwei Dinge als Beispiel: Wir haben eine Plenardebatte gemacht zu Sozialpolitik als Entwicklungspolitik, in der sich die Teilnehmer*innen in einer Art Rollenspiel in verschiedene Charaktere hineinversetzt haben. Ein anderes Mal haben wir eine sozialpolitische Maßnahme im Detail diskutiert: Welche Gründe und Argumente kann man für oder auch gegen die Einführung eines bestimmten Programms anführen und wovon hängt letztlich die Entscheidung ab.

Huhle: Am Tag zu Propaganda ging es in einem Text um Gesundheitsfilme, die 1943/1944 von Disney in den USA für Lateinamerika produziert worden waren. Einen der Filme konnten wir uns gemeinsam anschauen und haben ihn anschließend diskutiert. Bei den Formaten haben wir auf Abwechslung geachtet. Das hat gut funktioniert – die Studierenden waren alle sehr motiviert und hatten Lust, in Gruppen zu arbeiten und zu diskutieren.

Anhand welcher Kriterien hattet ihr die Texte ausgewählt, die als Grundlage für jeden Tag dienten?

Kuhlmann: Weil wir den historischen und politikwissenschaftlichen Zugang kombinieren wollten, mussten wir Texte finden, die zueinander sprechen – sei es, weil sie sich ergänzen oder auch widersprechen. Uns war auch die Zugänglichkeit der Texte wichtig. Wir hatten ja auch fachfremde Studierende im Seminar. Dass diese überfordert sein könnten, war aber eine unbegründete Sorge.

In dem Seminar ging es euch um einen Perspektivwechsel – bezog sich das auf die Perspektive Nord-Süd oder auf die fachliche Perspektive?

Huhle: Wir haben das bei der Ankündigung des Programms eher von den Fachdisziplinen her gedacht. Aber wir haben schnell gemerkt: Was die Studierenden angezogen hat, war nicht die sozialpolitische oder historische Perspektive, sondern die Kategorie "Globaler Süden". Alle hatten Interesse an Fragen von globaler Ungleichheit, kolonialen Strukturen und deren Fortwirken usw. Viele waren auch schon länger im Ausland, u. a. im Freiwilligendienst. Erfreulicherweise haben aber zum Abschluss einige gesagt, dass es für sie besonders interessant war, Einblicke in unsere geschichts- und politikwissenschaftliche Arbeitsweise zu bekommen.

Ihr hattet Teilnehmer*innen aus einer Reihe unterschiedlicher Fächer – die Spanne reichte von Physik über Philosophie bis Jura – konnten diese trotzdem miteinander, in einer "gemeinsamen Sprache" sprechen?

Kuhlmann: Ja, das hat erstaunlich gut geklappt. Wir haben meistens gar nicht gemerkt, wer welches Fach studiert.

Huhle: Der Physikstudent hat uns einmal darum gebeten, Fachbegriffe nicht einfach zu verwenden, ohne sie zu erklären. Sonst gab es keinen Moment, in dem die Fächerzugehörigkeit zur Sprache kam. Das lag sicher daran, dass alle sehr motiviert und interessiert waren. Aber vielleicht spielt auch eine Rolle, dass die Schulzeit der Teilnehmer*innen noch nicht lange zurückliegt. Sie kommen ja gerade erst aus einem System, in dem es völlig selbstverständlich ist, sich mit ganz unterschiedlichen Themen zu beschäftigen.

Was habt ihr als Seminarleiterinnen aus dem Kurs gelernt, was nehmt ihr mit?

Kuhlmann: Im Seminar haben Studierende aus ganz verschiedenen Fächern Gedanken aus ihren Perspektiven eingebracht. Das hat mich inhaltlich besonders angesprochen: Dadurch habe ich über Fragen nicht nur aus historischer oder politikwissenschaftlicher Perspektive nachgedacht, sondern zum Beispiel auch aus volkswirtschaftlicher oder juristischer.

Huhle: Das Seminar war sehr intensiv und hat für alle sehr viele Denkanstöße geliefert. Das würde ich sehr gern wieder machen. Und ganz pragmatisch: Es war eine tolle Übung für die Online-Lehre, wir konnten ganz verschiedene Dinge ausprobieren. Präsenz kann natürlich nicht ersetzen werden, aber es ist trotzdem gelungen, über die Woche ein Gruppengefühl herzustellen. Ich habe das Gefühl, ich habe im Laufe der Woche 13 Menschen tatsächlich kennengelernt. Und das finde ich sehr schön.


Kontakt:
Dr. Teresa Huhle
Dr. Johanna Kuhlmann
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E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de

Jakob Henninger, Dr. Friederike Römer
Jakob Henninger, Dr. Friederike Römer
Friederike Römer und Jakob Henninger haben untersucht, wie sich die Ziele von NGOs, die sich für Sozialleistungen für Migrant*innen engagieren, zwischen Demokratien und Autokratien unterscheiden. Die Ergebnisse erläutern sie im Interview.

"Choose your battles. How civil society organisations choose context‐specific goals and activities to fight for immigrant welfare rights in Malaysia and Argentina" heißt das neue Paper von Jakob Henninger und Friederike Römer, veröffentlicht in Social Policy & Administration. Was sie dabei genau untersucht und herausgefunden haben, erläutern sie in diesem Interview.

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Für alle, die das Paper noch nicht gelesen haben: Könnt ihr eure wichtigsten Ergebnisse in aller Kürze zusammenfassen?

Friederike Römer: In unserem Paper untersuchen wir, wie sich zivilgesellschaftliche Organisationen – also zum Beispiel Nichtregierungsorganisationen, aber auch Gewerkschaften – für den Zugang von Migrant*innen zu Sozialleistungen einsetzen. Wir vergleichen Argentinien mit Malaysia, und damit eine Demokratie mit einem Land, das zumindest bis vor kurzem als elektorale Autokratie eingestuft wurde. Wir haben uns gefragt: Welche Strategien verfolgen diese Organisationen? Genauer, welche Ziele setzen sie sich? Und wie werden sie aktiv? Dabei haben wir festgestellt, dass zwischen den beiden Fällen große Unterschiede bestehen: In Argentinien haben die Organisationen ambitioniertere Ziele verfolgt, nämlich die Inklusion von Einwander*innen in die ganze Bandbreite der Sozialleistungen – also auch solcher Leistungen, die keine vorherigen Versicherungsbeiträge erfordern. In Malaysia hingegen war das Engagement eher beschränkt auf bestimmte beitragsfinanzierte Leistungen. Die Inklusion etwa in das steuerfinanzierte Armutsbekämpfungsprogramm anzustreben, war nie Teil der Strategie.

Jakob Henninger: Wir konnten zeigen, dass der Kontextfaktor „politisches System“ zumindest einen Teil dieser Unterschiede erklären kann. In beiden Ländern gibt es Aktivist*innen, die sich für die Inklusion von Migrant*innen einsetzen. Allerdings sind zivilgesellschaftliche Organisationen in Argentinien besser in politische Prozesse eingebunden. Sie hatten also andere Ressourcen und Möglichkeiten, auf politische Entscheidungen Einfluss zu nehmen. Aber auch die Art der Argumentation hat sich unterschieden: In Argentinien wird häufig auf Menschenrechte Bezug genommen, und diese werden im Sinne einer Gleichstellung zwischen Migrant*innen und der einheimischen Bevölkerung interpretiert. Bezüge auf Menschenrechte finden sich zwar auch in Malaysia – dort aber eher als Forderung, minimale Standards einzuhalten.

Ihr argumentiert, dass die CSOs ihre Ziele und ihre Aktivitäten in Abhängigkeit vom Regimetyp wählen. Könnte es nicht sein, dass sie ihre Ziele und Aktivitäten auch mit Blick auf die Werte und die allgemeine Stimmung in Bezug auf Migrant*innen in der Mehrheitsbevölkerung ausrichten? Worauf ich hinaus möchte: Wie stellt ihr sicher, dass der jeweilige Regimetyp ursächlich für die Unterschiede der CSO ist und nicht andere Faktoren, die ihr nicht untersucht habt?

Jakob Henninger: Natürlich unterscheiden sich diese beiden Fälle. Wichtig ist aber, dass sie sich auch in vielen entscheidenden Gesichtspunkten ähneln. Beide Länder haben eine lange Migrationsgeschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und die Gesellschaften bis heute prägt. Heutzutage gehören sie zu den Hauptempfängerländern von Migration in ihrer jeweiligen Region und manche Wirtschaftszweige sind stark abhängig von migrantischer Arbeit. Ebenso weisen die Sozialstaaten der beiden Länder Gemeinsamkeiten auf, auch wenn sie nicht gleich sind: Beide waren lange auf beitragsfinanzierte Leistungen fokussiert, haben aber jüngst vermehrt Leistungen eingeführt, die nicht von Beitragszahlungen abhängen. So können wir zumindest einige Faktoren als Erklärung für die Unterschiede ausschließen.

Basierend auf theoretischen Vorüberlegungen formuliert ihr in der Einleitung des Papers einige Erwartungen, sie sich dann durch die Empirie bestätigen (z.B. dass CSOs in Demokratien tendenziell das Ziel der Gleichstellung von Migrant*innen verfolgen, während sie CSOs in Autokratien tendenziell das Ziel der Sicherung der Grundbedürfnisse von Migrant*innen erreichen wollen). Gab es auch Dinge, die euch überrascht haben?

Friederike Römer: Wir hatten erwartet, dass sich die Aktivitäten der Organisationen deutlich unterscheiden. Wir hätten gedacht, dass sich die malaysischen Organisationen eher darauf konzentrieren, in Notsituationen konkrete Hilfe zu leisten, während die argentinischen Organisationen eher einen Fokus auf politische Interessenvertretung legen. Als wir aber die Selbstbeschreibungen der Organisationen analysiert haben, haben wir gemerkt, dass die Unterschiede auf den ersten Blick nicht sehr groß waren. Das hat uns überrascht. Beispielsweise gaben in beiden Ländern ähnlich viele Organisationen an, politische Interessenvertretung zu betreiben, oder als Rechtsbeistand für Migrant*innen aktiv zu sein. Bei genauerem Hinsehen sind dann aber doch Unterschiede zutage getreten: In Malaysia berichteten uns Aktivist*innen, wie schwierig es ist, überhaupt Treffen mit Vertreter*innen von Ministerien zu arrangieren. In Argentinien werden Arbeitsgruppen zu den Rechten von Migrant*innen mitunter direkt von den Ministerien organisiert und die Vertreter*innen der Zivilgesellschaft werden dazu offiziell eingeladen. Ähnlich interessant ist, was in den beiden Kontexten unter Rechtsbeistand zu verstehen ist. Während Organisationen in Malaysia dabei helfen, bestehendes Recht umzusetzen und etwa Forderungen für Entschädigungszahlungen an Arbeitgeber geltend zu machen, haben argentinische Organisationen zum Teil versucht, bestehendes Recht als verfassungswidrig zu markieren und letztendlich also gesetzliche Grundlagen zu ändern, etwa wenn es um das Recht auf Leistungen bei verminderter Erwerbsfähigkeit geht.

Eurer Paper trägt den schönen Titel „Choose your battles“ und deutet die Interpretation eurer Ergebnisse an. Könnt ihr darauf näher eingehen? Welche Rolle spielen z.B. die Elemente Effizienz (also dass CSOs nur realistisch erreichbare Ziele anstreben) und die Positionierung gegenüber Instanzen staatlicher Macht (u.a. drohende Repressionen/Auswirkung auf Finanzierungsquellen) bei der Wahl der Ziele und Aktivitäten der CSOs?

Jakob Henninger: Sowohl Überlegungen zu Effizienz wie auch die strategische Positionierung gegenüber staatlicher Macht sind wesentliche Faktoren, die Organisationen bei der Wahl ihrer Strategie beeinflussen. Den Organisationen stehen zum einen begrenzte Ressourcen zur Verfügung, sodass sie ihre Ziele priorisieren müssen. Daher überlegen sie sich genau, welche Probleme sie angehen und welche nicht. Zum anderen müssen sie darauf achten, dass ihre Vorschläge anschlussfähig sind – beides gilt für beide Kontexte.

Friederike Römer: In einem autokratischen Kontext wie Malaysia ist allerdings die Sorge vor repressiver Staatsgewalt ganz anders relevant, als das in Argentinien der Fall ist. Unsere malaysischen Interviewpartner*innen berichten davon, dass sie Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um sich und die Migrant*innen, mit denen sie arbeiten, zu schützen. In Argentinien dagegen sind konfrontative Strategien durchaus üblich. Hier würden wir wieder unterstreichen, dass die Ursache für diese Unterschiede im politischen Regime zu suchen ist.

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Lesen Sie das vollständige Paper (Open Access):

Jakob Henninger, Friederike Römer: Choose your battles. How civil society organisations choose context‐specific goals and activities to fight for immigrant welfare rights in Malaysia and Argentina. Social Policy & Administration, 2021, online first: https://doi.org/10.1111/spol.12721


Kontakt:
Jakob Henninger
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57077
E-Mail: jakob.henninger@uni-bremen.de

Dr. Friederike Römer
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67469
E-Mail: friederike.roemer@uni-bremen.de

Helen Seitzer
Helen Seitzer
Helen Seitzer, Dennis Niemann und Kerstin Martens haben untersucht, welche Rolle das Thema "PISA" in bildungspolitischen Pubilkationen der OECD spielt: gar keine so große. Warum PISA trotzdem seinen Siegeszug antrat, erklärt Seitzer im Interview.

Für ihr Paper haben Helen Seitzer, Dennis Niemann und Kerstin Martens fast alle zwischen 1961 und 2018 veröffentlichten Dokumente untersucht, die in der Online-Bibliothek der OECD mit dem Stichwort "Bildung" gekennzeichnet sind. Dabei stellten sie fest, dass PISA in diesen Publikationen keineswegs ein so dominantes Thema ist, wie man angesichts der Popularität von PISA in den Massenmedien wie auch in der wissenschaftlichen Diskussion vermuten könnte. "Der Großteil der OECD-Publikationen befasst sich überhaupt nicht mit PISA oder der weiterführenden Schulbildung. Die meisten Publikationen zum Thema Bildung befassen sich mit Finanzen, Management oder dem Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt", schreibt das Autor*innenteam. Die Erstautorin Helen Seitzer erläutert die Ergebnisse im Interview.

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Wenn du den Anteil der OECD-Publikationen beziffern müsstest, in denen PISA diskutiert wird - wie hoch wäre dieser?

Helen Seitzer: Viele OECD-Publikationen zum Thema Bildung enthalten in der einen oder anderen Weise Verweise auf PISA, aber der Gesamtanteil der Berichte, in denen PISA allein besprochen wird, liegt bei etwa 10 % bis 17 % aller Publikationen, je nach dem Zeitraum der Analyse. Es gibt zwar ein paar Dokumente zu PISA, bevor PISA überhaupt begonnen hat (die Diskussion über PISA begann 1995), aber damals hieß es noch nicht PISA und die Publikationen wurden nicht ausdrücklich als solche gekennzeichnet.

Ist der Wert hoch oder niedrig im Vergleich zu anderen Bildungsthemen, die in OECD-Publikationen diskutiert wurden (und was waren diese anderen prominenten Themen)?

Seitzer: In der Bildungsforschung, die sich mit der OECD beschäftigt, scheint es so, als ob PISA das einzige Thema ist, auf das sich die OECD konzentriert. Manchmal scheint es, als ob sich Diskussionen über die "OECD" automatisch auf "PISA" beziehen. So gesehen ist der Prozentsatz der Dokumente, in denen nur über PISA diskutiert wird, wirklich gering. Die wenigen Studien, die andere Arbeiten der OECD analysieren, sind noch sehr begrenzt und beziehen sich oft auf PISA oder nehmen es als Ausgangspunkt für ihre Untersuchungen (so wie wir). Allerdings beschäftigt sich die OECD mit sehr viel mehr Themen als PISA, vor allem mit arbeitsmarktbezogenen Fragen, aber auch Management und Planung der Hochschulbildung zum Beispiel werden sehr oft diskutiert.

Eure Analyse umfasst den Zeitraum 1961 bis 2018. Ist der Anteil des Themas PISA innerhalb der OECD-Publikationen immer noch gering, wenn man die jüngeren Jahre, sagen wir seit 2000, betrachtet?

Seitzer: Wenn man nur die Dokumente seit 2000 einbezieht, macht PISA etwa 17% aller Dokumente aus. Das sind rund 90 Dokumente in 8 Jahren allein zu PISA. Die OECD ist in der Bildungspolitik unheimlich produktiv.

Welche anderen Themen tauchen in letzter Zeit in den OECD-Publikationen auf?

Seitzer: Im Laufe der Zeit ist das Volumen der behandelten Themen gestiegen, ähnlich wie die Anzahl der Publikationen pro Jahr. In letzter Zeit sind die Themen "Schulfinanzierung", "ICT-Kompetenzen", "Arbeitsmarktkompetenzen und berufliche Bildung" und "Arbeitsmarktregulierung und Erwachsenenbildung" häufiger diskutiert worden, um nur einige zu nennen. Es gibt eine Zunahme an Themen, die den "Skills"-Begriff beinhalten, aber auch von Themen, die speziell die Erwachsenenbildung betreffen. Tatsächlich sieht es so aus, als ob der obligatorische Teil der Bildung (Primar- und Sekundarstufe) nicht so sehr ins Gewicht fällt.

Sagt euch das etwas? Sind z.B. Verschiebungen zu sehen?

Seitzer: Seit der Gründung der OECD im Jahr 1961 hat sich die Welt sehr verändert, und damit auch die Organisation. Natürlich ändert sich daher im Laufe der Zeit, was diskutiert wird. Am Anfang lag der Fokus eher darauf darzustellen, wie Bildungssysteme aufgebaut sind und was die Länder brauchen, um ihre Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu unterstützen. Dann gab es um 1975 eine weitere Verschiebung des Schwerpunkts hin zur Hochschulbildung. Es wurden mehr Diskussionen über das Management der Hochschulbildung und die Innovation von Hochschulsystemen geführt als zuvor. Jetzt stehen Technologie (ICT) und Erwachsenenbildung stärker im Vordergrund. Die Arbeitsmarktorientierung war dabei jedoch immer präsent.

Lass uns einen Blick darauf werfen, warum PISA in der jüngeren Vergangenheit so viel Aufmerksamkeit erhalten hat und - was noch wichtiger ist - einen solchen Einfluss auf die Politikgestaltung hat. Was ist deine Erklärung?

Seitzer: In dem Papier diskutieren wir, dass PISA seinen Erfolg zum Teil der Organisationsform der OECD, dem Zeitpunkt, an dem die Studie eingeführt wurde, und der Strategie, die sie anwendet, verdankt. Die OECD hat ein ‚policy window‘ gefunden, als PISA gestartet wurde, und die geeignete Person, um PISA zu "verkaufen": Andreas Schleicher (‚Policy-Entrepreneur‘). Die OECD präsentierte eine Lösung für ein Problem (das sie selbst überhaupt erst als Problem definiert hatten) den richtigen Leuten, zur richtigen Zeit. Die Autorität der OECD, gepaart mit der Forderung nach evidenzbasierter Politikgestaltung, schuf die perfekte Gelegenheit um PISA zu etablieren.

Ist es richtig, zu sagen, dass die OECD selbst in die Schaffung dieses Gelegenheitsfensters investiert hat, um ihre eigene Position als etablierter Akteur in der Global Governance zu sichern?

Seitzer: Sie hatten definitiv ihre Hand im Spiel, um das policy window zu gestalten, indem sie Berichte veröffentlichten und die Effektivität des Bildungssystems problematisierten. Dies kann jedoch nicht der einzige Grund sein. Es gab andere IOs mit anderen Studien, die zeitgleich aktiv waren (und es immer noch sind), die aber nicht so erfolgreich sind. Die OECD hat sich als rationaler Akteur etabliert, um Einschätzungen von Schülerleistungen zu liefern, die von den Ländern durchgeführt werden müssen, um ernst genommen zu werden. Ihre Gestaltung von PISA und die Informationen, die sie liefern kann, aber auch das Netzwerk von Experten und politischen Entscheidungsträgern, über das die IO verfügt, sind sicherlich mitverantwortlich für den Erfolg von PISA. Die Beobachtung, dass die OECD in der Lage war, sich als Branchenführer zu etablieren und diese Position beizubehalten, macht es umso interessanter und wichtiger, die Aktivitäten und den Einfluss der IO zu untersuchen.

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Lesen Sie das vollständige Paper (open access):
Helen Seitzer, Dennis Niemann & Kerstin Martens (2021): Placing PISA in perspective: the OECD’s multi-centric view on education. In: Globalisation, Societies and Education, DOI:10.1080/14767724.2021.1878017


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