News aus dem Teilprojekt A01


Der Datensatz, an dem Nils Düpont vom SFB 1342 mitgewirkt hat, versammelt Informationen zu politischen Positionen von Parteien seit 1970. Demnach werden demokratische Regierungsparteien weltweit illiberaler, ganz vorn dabei die Republikaner in den USA.

Gemessen am "V-Party Illiberation Index" hat sich die Republikanische Partei seit dem Jahr 2006 schrittweise davon verabschiedet, demokratische Normen hochzuhalten. Der illiberale Schwenk war 2016 so groß, dass die Wahlkampfrhetorik der Republikaner seither derjenigen der AKP in der Türkei und des Fidesz in Ungarn näher steht als der durchschnittlicher Regierungsparteien in demokratischen Ländern der Welt.

Wenngleich die Republikaner unter Trump ein extremes Beispiel sind, steht es doch stellvertretend für einen Trend: Laut dem V-Party Illiberation Index sind in den letzten Jahrzehnten die Regierungsparteien in Demokratien weltweit im Mittel illiberaler geworden. Das bedeutet, dass sie sich tendenziell dem Pluralismus weniger verpflichtet fühlen, politische Gegner eher dämonisieren, Minderheitenrechte ignorieren und sogar zu politischer Gewalt ermutigen.

Der Datensatz "Varieties of Party Identity and Organization Dataset (V-Party)" wurde vom V-Dem Institute an der Universität Göteborg zusammengestellt und umfasst Angaben zu 1560 Wahlen und 1955 politischen Parteien weltweit zwischen 1970 und 2019. 665 internationale Länderexperten haben die politischen Positionen der Parteien über die gesamten Zeitspanne anhand von 30 Indikatoren analysiert und codiert.

Die wichtigsten Ergebnisse aus der Analyse des V-Party-Datensatzes hat das V-Dem Institute in einem Kurz-Report zusammengefasst: V-Dem Institute Briefing Paper #9.

Der gesamte Datensatz kann kostenlos heruntergeladen werden.

Informationen zur Beteiligung von Nils Düpont und dem SFB 1342 an der Erstellung des V-Party-Datensatzes finden Sie hier.


Kontakt:
Dr. Nils Düpont
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57060
E-Mail: duepont@uni-bremen.de

Gabriela Molina León, Michael Lischka
Gabriela Molina León, Michael Lischka
Gabriela Molina León und Michael Lischka haben 20 Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler befragt, wie thematische Karten für ihre Zwecke beschaffen sein sollten. Die Studie präsentierten sie auf der IEEE Visualization Conference.

Choroplethenkarten (auch Flächendichtekarten genannt - z.B. Bevölkerungsdichtekarten) sind ein gängiges Mittel, um Forschungsergebnisse grafisch darzustellen. Es gibt dabei eine Vielzahl von Variablen, die die Dastellung beeinflussen, darunter die Projektionsart, den Maßstab, das Zentrum der Karte und die Farbskala. Gabriela Molina León und Michael Lischka haben in Zusammenarbeit mit Andreas Breiter mit einer Befragung untersucht, welche Varianten thematischer Karten Sozialwissenschaftlerinnen und –wissenschaftler für ihre Arbeit bevorzugen. Dafür hatten die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, eine thematische Karte anhand der oben genannten Variablen nach ihren Bedürfnissen und Vorlieben anzupassen.

In einem kurzen Interview erläutern Gabriela Molina León und Michael Lischka ihre Ergebniss, die sie am 28. Oktober 2020 auf der IEEE Visualization Conference vorgestellt haben (eine Preprint-Version des Artikels, der in den Conference Proceedings veröffentlicht werden wird, gibt es hier).


Die beliebtesten Weltkarten - zumindest in Europa - basieren auf der genannten Mercator-Projektion. Sie wurde Mitte des 16. Jahrhunderts erfunden und ist auch heute noch weit verbreitet (mit einigen Variationen), z.B. in Nachrichtensendungen. Ist es Zeit für eine neue Art von Weltkarte, wenn es um die sozialpolitische Forschung geht?

Michael Lischka: Es ist nicht die Zeit für eine neue Art von Weltkarte, aber man sollte ein Gespür für die Eigenschaften einer Karte haben, wenn man sie als Informationsmedium versteht. Jede Karte ist der Versuch, ein dreidimensionales Objekt (Globus) zweidimensional abzubilden. Eine direkte Übertragung aller Eigenschaften ist schlichtweg unmöglich, daher ist jede Weltkartenprojektion ein Kompromiss. Dementsprechend können je nach Verwendungszweck der Karte bessere oder schlechtere Entscheidungen getroffen werden. Grundsätzlich kann man zwischen Karten unterscheiden, die jeweils eine von drei Eigenschaften korrekt darstellen: Flächen (flächengleiche Projektionen), Winkel (konform) oder Abstände (äquidistant). Da wir uns nicht mit Entfernungsmessungen an irgendeinem Punkt befassten, schlossen wir äquidistante Karten von vornherein aus.

Für die Navigation sind konforme Projektionen sinnvoll. Bei kleinen Kartenausschnitten sind Winkel- und Flächengenauigkeit nahezu identisch mit der Realität. Dies ist vor allem bei der Routenplanung (z.B. Google Maps), bei Straßenkarten, im Luft- und Seeverkehr ein großer Vorteil. Aber auf globaler Ebene sieht man starke Größenverzerrungen. Da du gerade Mercator erwähnt hast: Diese Projektion stellt räumliche Einheiten größer dar, je näher sie an den Polen liegen. So scheinen Russland, Kanada, die USA, China und Europa viel größer zu sein. Zumal Europa im Zentrum der Darstellung liegt und damit im Vergleich zu Afrika dominant erscheint. Dies kann auch in einer eurozentrischen Berichterstattung sinnvoll sein. Einige Nachrichtenformate haben sogar Rubriken wie "Europa und die Welt". Aber eine solche Projektion kann nicht für eine Forschung verwendet werden, die Länder des "Globalen Südens" gleichberechtigt einbezieht. Zumindest nicht, wenn Karten als Informationsmedium zur Wissensverbreitung genutzt werden. Projektionen eröffnen eine Perspektive auf die Welt.

Für Choroplethenkarten werden allgemein flächentreue Karten empfohlen. Kannst du kurz erläutern, warum das so ist?

Lischka: Flächengleiche Karten stellen die Größe von Landmassen und räumlichen Einheiten korrekt dar. Auf der negativen Seite wird die Form der Landmassen zwangsläufig verzerrt. Wenn man aber Länder auf der Grundlage bestimmter Daten einfärbt, ohne ihre korrekte Fläche darzustellen, verliert man die Möglichkeit, Länder hinsichtlich der Dichte der dargestellten Variablen zu vergleichen. Die Darstellung der richtigen relativen Flächen ist daher eine wesentliche Eigenschaft von Karten, um zuverlässige vergleichende Aussagen zwischen Weltregionen und Ländern treffen zu können. Die einfachsten Beispiele sind Bevölkerungsdichte, Waldbedeckung und landwirtschaftliche Nutzung. Derartige Informationen auf Karten, die nicht flächengetreu sind, können zu Fehlinterpretationen durch den Betrachter führen.

Da flächengleiche Karten Länder so stark verzerren können, dass sie nicht erkannt werden, werden oft Karten verwendet, die einen Kompromiss zwischen Flächengröße und Form eingehen. Zum Beispiel die Winkels-Projektion, die in deutschen Schulatlanten verwendet wird. Weltkarten dieser Art bieten sowohl Gebiets- als auch Formtreue und ermöglichen das Wiedererkennen von räumlichen Einheiten.

Ihr habt die Präferenzen von Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern untersucht. Wie sieht ihre Lieblings-Choroplethenkarte aus und warum?

Lischka: Für ihre eigenen Forschungsprojekte war die Equal-Earth-Projektion die dominierende Wahl unter den Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftlern, die an unserer Studie teilgenommen haben. Sie hatten ein ganzes Konglomerat von Gründen - von "ästhetisch ansprechend" bis "sieht richtig aus", "formgetreu" und "flächengetreu". Letztendlich zielte die erste Aufgabe unserer Studie auf die individuellen Bedürfnisse der Forscher ab. Einige von ihnen konzentrierten ihre Forschung auf bestimmte Regionen der Welt, so dass sie die Zoom-Funktion nutzten und genau auf die Wiedererkennbarkeit der jeweiligen Region achteten.

Abbildung 1: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Equal-Earth-Projektion

Abbildung 1: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Equal-Earth-Projektion

Für die beste Darstellung der Forschung über den Globalen Süden setzte sich in unserer Studie die Gall-Peters-Projektion durch, allerdings nur mit knappem Vorsprung. Tatsächlich war die Verteilung sehr ausgewogen. Diese kleine Abweichung ist wahrscheinlich auf die Aufgabe zwei, die wir den Teilnehmern gestellt haben, und den dort erwähnten Hinweis auf die Karte zurückzuführen. Gall-Peters verzerrt am offensichtlichsten die Länderformen und zeigt ein strenges Koordinatensystem, das demonstrativ die Treue zur Gebietsgröße suggeriert. Die Forscher wussten nicht, dass alle Projektionen, die wir ihnen anboten, flächengleich waren, und entschieden daher "im Sinne der Objektivität", teilweise gegen ästhetische Überzeugungen und den Wiedererkennungswert.

Abbildung 2: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Gall-Peters-Projektion

Abbildung 2: Thematische Weltkarte, dargestellt mittels Gall-Peters-Projektion

Es ist nicht nur die Art der Projektion, die eine "gute" Choroplethenkarte der Welt ausmacht - wie sieht es mit den Farben aus?

Gabriela Molina León: Es gibt bekannte Werkzeuge, die mehrere Farbschemata für Choroplethenkarten empfehlen und zum Testen anbieten, wie z.B. Color Brewer. Deshalb haben wir die fünf Farbschemata unserer Studie entsprechend ihren Empfehlungen ausgewählt.

Da die Choroplethenkarte unserer Studie Daten zur Lebenserwartung visualisierte, haben wir sequenzielle Skalen verwendet. Bei der Wahl eines Farbschemas bestimmen die Daten, welche Art von Skala am besten passt: Wenn die visualisierte Variable zwei entgegengesetzte Richtungen kodiert (z.B. negative und positive Temperaturwerte), dann ist eine Skala mit divergierenden Farben (z.B. von dunkelrot bis dunkelblau) am besten geeignet. Wenn die Daten kategorial sind, wird ein kategoriales Schema empfohlen.

Für den Fall von sequentiellen Skalen wurde kürzlich bestätigt, dass Leser dazu neigen, dunklere Farben mit höheren Werten zu assoziieren, daher haben wir Farbschemata bevorzugt, die dieser Assoziation folgen.

Welches waren die Farben der Wahl unter den Wissenschaftlern, mit denen Sie zusammengearbeitet haben?

Molina León: Das gelb-grün-blaue Farbschema (YlGnBu, verfügbar unter https://observablehq.com/@d3/color-schemes) war das am häufigsten gewählte Schema. Von den 40 Karten, die von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellt wurden, verwendeten 23 dieses Schema.

Interessanterweise erwähnten sie in ihrer Argumentation etwas, das wir nicht erwartet hatten: Sie wünschten sich ein graues Farbschema (oder eines, das in Graustufen gut aussieht), weil sie oft nicht die Möglichkeit haben, in ihren Publikationen Farben zu verwenden.


Kontakt:
Michael Lischka
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57061
E-Mail: lischka@uni-bremen.de

Gabriela Molina León
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57067
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In einem dreitägigen SFB/ERC-Workshop erörtern internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Einfluss der Politik und Strukturen europäischer Kolonialmächte auf die Entwicklung sozialer Sicherung im Globalen Süden.

In ihrer Keynote zum Auftakt des Workshops "Colonialism and Social Protection" am 26. September sprach Gurminder Bhambra von der University of Sussex über die Varianten des europäischen Kolonialismus, der zu Beginn vor allem von Handelsinteressen geprägt gewesen sei. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts stand die Ausweitung des beherrschten Territoriums im Vordergrund. Der Wohlstand der europäischen Nationalstaaten – damals wie heute - basiere auf dem Kolonialismus, sagt Bhambra, der bis heute die Wurzel globaler Ungleichheiten sei. Bezogen auf die Kolonialmächte hält sie den Begriff Nationalstaat für unpassend, imperiale Staaten bzw. koloniale Empire seien treffender.

Bastian Becker vom SOCIUM erläuterte in einem Vortrag, warum ein akteurszentrierter Forschungsansatz wichtige Erkenntnisse liefern kann. Schließlich sei der Kolonialismus durch verschiedenste Akteure auf verschiedenen Ebenen beeinflusst worden (sowohl innerhalb der Kolonien als auch auf transnationaler Ebene).

Michele Mioni vom SOCIUM erläuterte den Einfluss Großbritanniens und Frankreichs sowie Internationaler Organisationen auf die Sozialpolitik in den (ehemaligen) Kolonien nach 1945. Mioni sagte, die Kolonialmächte und die IOs (ILO und UN) hätten zwar unterschiedliche sozialpolitische Auffassungen vertreten, es sei aber auch zu Kooperationen gekommen.

Jessica Lynne Pearson vom Macalester College skizzierte die koloniale Gesundheitspolitik. Die ersten Public-Health-Programme seien Massenimpfungen und Mutter-Kind-Programme gewesen. Generell habe der Schwerpunkt kolonialer Gesundheitspolitik auf der Prävention gelegen.

Marlous van Waijenburg von der Harvard Business School analysierte die Fiskalpolitk der Kolonialmächte. Ein Ziel sei gewesen, die Kosten sozialpolitischer Programme in den Kolonien durch lokal erhobene Steuern zu decken. Das Ergebnis sei eine große Bandbreite unterschiedlicher Besteuerungssysteme innerhalb der Kolonialstaaten gewesen, typisch aber sei eine Besteuerung der Arbeitskraft gewesen (bis hin zu Zwangsarbeit).

Der Workshop "Colonialism and Social Protection", organisiert von Carina Schmitt, geht am 2. Oktober in die zweite Runde und endet mit einer dritten Sitzung am 9. Oktober.


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Prof. Dr. Carina Schmitt
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SFB-Mitglied Ivo Mossig diskutiert in seinem Beitrag die Folgen der COVID-19-Pandemie für sozioökonomische Entwicklungsunterschiede und welche Rolle dabei Sozialpolitik spielt.

Vom 6. bis 8. Juli 2020 veranstaltet die Forschungsgruppe Transient Spaces and Societies vom Geographischen Institut der Universität Innsbruck ein digitales Symposium zum Thema COVID-19 als Zäsur? Geographische Perspektiven auf Räume, Gesellschaften und Technologien in der Pandemie. Ivo Mossig, Co-Leiter des Teilprojekts A01, beteiligt sich mit seinem Vortrag "Sozio-ökonomische Entwicklungsunterschiede und Sozialpolitik in Zeiten der COVID-19-Pandemie".

Mossig geht dabei von der Beobachtung aus, dass in Zeiten der Pandemie die sozialen Sicherungssysteme in allen Teilen der Welt auf eine besonders harte Probe gestellt werden. Gleichzeitig hält er fest, dass Sozialpolitik und die aus ihr resultierenden Sicherungssysteme entscheidende Elemente sind, um die weltweit unterschiedlich ausgeprägten Folgen der Pandemie zu erklären. Umso verwunderter zeigt sich Mossig, dass Geographinnen und Geographen seit jeher räumliche sozioökonomische Entwicklungsunterschiede analysieren, dabei aber die Sozialpolitik wenig beachten. Mossig stellt in seinem Konferenzbeitrag daher die interdependente Beziehung zwischen sozio-ökonomischen Entwicklungsunterschieden und Sozialpolitik heraus. Die Integration solcher sozialpolitischer Forschung kann nach Mossig substanziell dazu beitragen, soziale Ungleichheiten auf verschiedenen räumlichen Maßstabsebenen zu erklären. Dies wird in Zeiten der COVID-19-Pandemie nur noch relevanter.


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Prof. Dr. Ivo Mossig
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Prof. Dr. Carina Schmitt
Prof. Dr. Carina Schmitt
Das Buch eröffnet die Reihe "Global Dynamics of Social Policy" und behandelt den Einfluss externer Akteure auf die soziale Sicherung im Globalen Süden.

Carina Schmitts Buch "From Colonialism to International Aid - External Actors and Social Protection in the Global South" ist als Open-Access-Publikation erschienen. "Wir sind uns seit langem bewusst, dass externe Akteure für die soziale Sicherung in diesen Ländern von Anfang an wichtig waren", sagt Carina Schmitt. "Allerdings war nicht ganz klar, wie dieser Einfluss genau aussieht. Das Buch geht genau dieser Frage nach."

Das Buch hat 14 Kapitel und befasst sich vor allem mit dem Einfluss des Kolonialismus, des Kalten Krieges und internationaler Geldgeber auf die Entwicklung der sozialen Sicherung - in der Vergangenheit und Gegenwart. Das Buch basiert auf dem Symposium "Building Social Protection Systems in the Global South. Different Trajectories and the Influence of External Factors", das im Juni 2018 an der Universität Bremen stattfand. "Wir haben versucht, verschiedene Forschungsperspektiven und -traditionen und auch Wissenschaftler aus verschiedenen Regionen der Welt zusammenzubringen", sagt Carina Schmitt.

Der SFB 1342 und Palgrave McMillan haben die Buchreihe "Global Dynamics of Social Policy" aufgelegt, um Forschungsergebnisse des SFB 1342, aber auch von externen Kollegen zu veröffentlichen. Die Reihe konzentriert sich auf Studien über Wellen, Brüche und transformative Perioden der Expansion und des Abbaus des Wohlfahrtsstaates weltweit. Die Beiträge nehmen dabei eine umfassende und globalisierte Perspektive auf die Sozialpolitik ein.

Eines der Ziele dieser Reihe ist es, sich mit den unterschiedlichen Konstellationen zu befassen, die sich zwischen politischen und wirtschaftlichen Akteuren ergeben - darunter internationale und zwischenstaatliche Organisationen, politische Akteure und Gremien sowie Wirtschaftsunternehmen. Analysen dieser Dynamiken verbessern das Verständnis für die sozialpolitische Entscheidungsfindung und letztlich die Ergebnisse von Sozialpolitik.

Die Herausgeber der Reihe sind die SFB-1342-Mitglieder Lorraine Frisina Doetter, Delia González de Reufels und Kerstin Martens sowie Marianne S. Ulriksen (University of Southern Denmark).


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Neu eingeführte Technical Paper Series als wesentlicher Bestandteil der Dokumentation der Datenerhebung

Die Dokumentation der Datenerhebung ist ein wesentlicher Bestandteil des Aufbaus von WeSIS - dem Informationssystem zu Wohlfahrtstaatlichkeit. Forscher haben jedoch öfters Probleme, einen angemessenen Detaillierungsgrad zu finden, der von einfachen Auflistungen von Indikatoren bis zu seitenlangen Beschreibungen der Entstehung eines Indikators reicht. Sowohl WeSISpedia als auch die neu eingeführte Technical Paper Series sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Dokumentation. Ersteres dient als Codebuch mit grundlegenden Informationen zu Variablen und Indikatoren, die in WeSIS gesammelt und gespeichert werden. Als solches "beschreibt" es die Daten. Die Technical Paper Series ermöglicht demgegenüber eine strukturierte Dokumentation vor allem des Datengenerierungsprozesses, die detaillierte Ausformulierung länderspezifischer Definitionen oder die Beschreibung komplexer Codierungsregeln. Kurz gesagt, die Technical Paper Series ergänzt und vereinfacht die Verwendung von WeSIS und seiner Daten, bietet eine über ein Codebuch hinausgehende detailliertere Beschreibung und praktische Vorschläge für einen adäquaten Umgang mit den Daten.

Im ersten Paper beschreiben Lara Eiser, Michael Lischka und Tobias Tkaczick das Verfahren zur Erzeugung metrischer geografischer Entfernungsdaten. Sie zeigen auf welcher Datenbasis (CShapes Dataset), mit welcher Software (ArcGIS) und mit welchen Methoden der WeSIS-Indikator 'Capital Distance' erstellt wurde und dokumentieren damit die Datengenerierung auf transparente, verständliche und reproduzierbare Weise. Darüber hinaus bietet das Papier Screenshots zur Übernahme der Berechnungen für weitere Anwendungen.

Die Technical Paper Series wird von Nils Düpont koordiniert.


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Dr. Nils Düpont
Dr. Nils Düpont
Nils Düpont war für Teilprojekt A01 mehrere Wochen in Göteborg, um die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Demokratieforschungsinstitut voranzubringen. Was er sich davon verspricht, erzählt er im Interview.

Du warst im Sommer für einige Zeit als Gastwissenschaftler am V-Dem Institute in Göteborg, das sich die Aufgabe stellt, Demokratie weltweit zu vermessen. Aus deinem Aufenthalt ist nun eine Kooperation zwischen unserem SFB und dem V-Dem Institut entstanden. Wie kam es dazu?

Meine Aufgabe im SFB ist unter anderem, Informationen zu sammeln über nationalstaatliche und insbesondere politische Variablen. Mein persönliches Interesse gilt da vor allen Dingen den Parteien und ihrer Ideologie bzw. Verortung und die Frage, welchen Einfluss das auf die Einführung und Ausbreitung von Sozialpolitik hat. Bislang gibt es dazu wenig Daten, die weit zurückreichen oder einen globalen Scope haben. Aus diesem Grund hatte ich angefangen, mit Holger Döring, einem Kollegen am Lehrstuhl von Philip Manow, zusammenzuarbeiten und Daten zu erheben, im ersten Schritt über Wahlergebnisse und Parteien in allen Ländern, die wir im SFB untersuchen – von 1880 bis heute. Holger hatte schon länger Kontakt zu Anna Lührmann vom V-Dem-Team. Sie ist dort Deputy Director und hatte ein neues Projekt angestoßen, wo sie bei ihrer Untersuchung bis auf Parteiebene gehen wollten. Es war schnell klar, dass die Daten, die wir am SFB erheben und zum Großteil schon validiert hatten, eigentlich die Basis darstellen für das, was V-Dem vorhatte. Und über diese Verbindung kam dann die Kooperation zustande.

Was trägt der SFB also in der Kooperation bei?

Wir liefern Informationen über Wahlen, Parteien und Wahlergebnisse aus aller Welt seit 1880. Diese Daten bilden die Grundlage für das V-Party-Projekt. Und auf Grundlage dieser Daten wird auch gesteuert, für welche Parteien und welches Jahr die Experten anschließend Fragen zu den Parteien, ihrer Ideologie und ihren organisationalen Merkmalen bekommen.

Und was bekommt der SFB?

Das Entscheidende ist, dass wir damit für Parteien teilweise erstmalig überhaupt Informationen über ihre Ideologie oder einige organisationelle Merkmale bekommen, die bislang so noch gar nicht im Fokus der Parteienforschung stehen. Auch in der Parteienforschung haben wir nämlich - analog zur Sozialpolitikforschung im SFB - einen relativ starken OECD-Bias. Lateinamerika ist noch relativ gut erfasst. Sobald man dann aber nach Afrika oder Asien schaut, wird es spärlicher mit Expertise, Informationen und Analysen. Und das Schöne an V-Dem ist ja, dass sie dieses globale Netzwerk an Experten haben, der Survey jetzt schon ein paar Jahre läuft und wir damit auch an Experten kommen, die uns solche Parteien einschätzen, für die wir bislang noch wenig bis gar keine Informationen haben. Diese Informationen helfen uns, die Parteien überhaupt ideologisch einzuschätzen. Und zusammen mit den von uns erhobenen Informationen über beispielsweise die Stärke im Parlament lassen sich dann unabhängige Variablen kreieren für die Sozialpolitikforschung und die Frage: Welchen Einfluss haben Parteien auf die Einführung oder Ausbreitung von Sozialpolitik? In der Summe kriegen wir also für den SFB Informationen zurück, die wir als Variablen im Stile der sogenannten Partisan Politics testen können.

Was hast du konkret gemacht in Göteborg bei V-Dem?

Im Wesentlichen haben wir konzeptuell ein paar Dinge besprochen und die Daten, die wir bislang erhoben hatten, noch einmal harmonisiert. Diese vorläufigen Daten haben wir anschließend zum Validierungscheck an Länder- und Regionsexperten geschickt. Insgesamt konnten wir also während meines Aufenthalts den ersten Grundstein legen, auf dem wir jetzt weiter aufbauen.

Mit wem hast du in Göteborg zusammengearbeitet?

Im Wesentlichen mit Anna Lührmann, die auch das V-Party-Projekt leitet. V-Party ist angelehnt an V-Dem, an die Methodologie und das ganze Setup. Das Besondere dabei ist, dass V-Dem bislang immer auf einer makro-quantitativen Land-Jahr-Logik basierte und es mit V-Party das erste Mal ein Projekt gibt, das in die Länder hineingeht, also eine Ebene tiefer. Das bringt natürlich ganz eigene Schwierigkeiten in der Datenerhebung mit sich. Aber die Zeit war reif, diesen Versuch zu wagen. Anna Lührmann ist als Projektleiterin die zentrale Figur, die auch das Expertennetzwerk zusammenhält.

Was kann man von dem Survey erwarten?

Die Vorbereitung für den Survey geht jetzt in die heiße Phase. Nachdem die Plausibilitätsprüfung und Validierung durch die Regionsexperten durch ist, haben wir das Feedback eingearbeitet und damit die Datenerhebung praktisch abgeschlossen. Parallel wird gerade der Technische Stack aufgesetzt, dass der Survey dann im Januar ausrollen kann. Dazu werden gerade noch die letzten Experten rekrutiert. Die können sich dann auf einer Web-Plattform einloggen und bekommen die entsprechenden Informationen angezeigt. Dafür ist es ganz wichtig, dass die Rohdaten korrekt sind, damit die Coder dann auch das Richtige sehen und damit was anfangen können. Wenn alles gut läuft, sollte der Survey im Januar abgeschlossen sein. Dann beginnt bei den V-Dem-Leuten der übliche Prozess: Datenbereinigung und Aufbereitung. Wir hoffen, dass im Frühjahr nächsten Jahres die Daten soweit fertig sind, dass man erste Analysen machen kann. Und dass wir dann ein bisschen mehr erfahren über Parteien in der Welt, über die wir bislang wenig bis gar nichts wissen.


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Dr. Stefan Giljum
Dr. Stefan Giljum
Stefan Giljum von der Wirtschaftuniversität Wien präsentierte sein Datenbank- und Analyseprojekt zu Rohstoffströmen und ihren ökologischen sowie sozialen Folgen.

Stefan Giljum von der Wirtschaftsuniversität Wien war beim SFB 1342 zu Gast, um sein Datenbank- und Analyseprojekt FINEPRINT zu präsentieren. Das Ziel von FINEPRINT ist Wissen zu generieren, das den Zusammenhang zwischen Produktions- und Konsumverhalten (Fokus: "Globaler Norden") und den ökologischen und sozialen Folgen der Ressourcenextraktion vor Ort (Fokus: „Globaler Süden“) analysierbar macht. Grundsätzlich werden globale Wertschöpfungsketten in ihrer materiellen Zusammensetzung aufgeschlüsselt. Das Resultat ist eine wachsende Datenbank mit disaggregierten und georeferenzierten Daten.

Vor einem größeren Publikum zeichnete Giljum die Wege ausgewählter Materialflüsse nach vom Ort der Ressourcenentnahme, über die Produktion bis zum Wertschöpfungssegment in den Konsumregionen und analysierte sie hinsichtlich ihrer ökologischen Folgen am Ort der Rohstoffschöpfung (z.B. Wasserknappheit, Entwaldung, Flächenverbrauch). In der anschließenden Diskussion ging es auch darum, wie diese Daten Analysen hinsichtlich sozioökonomischer Effekte ermöglichen. Für die SFB-Mitglieder war ein sehr interessanter Diskussionspunkt, wie subnationale Daten die (inter-)nationale Perspektive des SFBs ergänzen können.

Am Vormittag hatte das A01-Teilprojekt ein internes Treffen mit Stefan Giljum. Dort stellte er das mit einem ERC-Consolidator-Grant ausgestattete Datenbank- und Analyseprojekt FINEPRINT im Detail vor. Es folgte ein intensiver Erfahrungsaustausch über Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten beim Aufbau großer Informationssysteme wie WeSIS oder der FINEPRINT-Datenbank. Insbesondere die folgenden Punkte wurden diskutiert:

  • Umgang mit Copyrights bei Nutzung bestehender Datensätze
  • Dokumentation und Pflege der eigenen Datenbestände
  • Umsetzung der Open Source Prinzipien
  • Datenqualität (z.B. Validierung, Harmonisierung)


Es hat sich gezeigt, dass FINEPRINT ein gutes Beispiel für den Aufbau einer Datenbank mit gelungenen Visualisierungen und Analysemöglichkeiten ist, an denen sich WeSIS in einigen Punkten orientieren kann. In dem Gespräch haben sich einige Schnittstellen zwischen den Projekten ergeben, die Ideen für zukünftige Kooperationen hervorgebracht haben.


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Prof. Dr. Ivo Mossig
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Prof. Dr. Ivo Mossig
Prof. Dr. Ivo Mossig
Ivo Mossig erklärt, worum es beim Aufbau des Global Welfare State Information Systems (WeSIS) geht und warum die Bremer Sozialwissenschaften etwas ganz besonderes sind.


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Prof. Dr. Ivo Mossig (links)
Prof. Dr. Ivo Mossig (links)
Der Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen hat ihn für sein Modul "Einführungsprojekt" an der Uni Bremen ausgezeichnet.

Forschendes Lernen, auf das die Universität Bremen großen Wert legt, beginnt am Institut für Geographie gleich zu Beginn des ersten Semesters: Studierende wählen ein Thema und bearbeiten es wissenschaftlich. Ihre eigene Fragestellung untersuchen sie dann empirisch und erproben passende Methoden. Dabei werden sie in kleinen Gruppen von bis zu fünf Personen eng von ihren Dozentinnen und Dozenten begleitet. Zum Schluss präsentieren sie universitätsöffentlich ihre Poster, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit verdeutlichen. "Wir holen unsere Studierenden bei ihrem Vorwissen ab und stärken gleichzeitig die Motivation für das Fach", sagt Mossig.

Parallel erwerben die Studierenden das methodische Handwerkszeug: richtiges Zitieren, erste Laboranalysen, Durchführung und Auswertung von Befragungen, Experteninterviews, Anwendung einfacher statistischer Verfahren oder eigene Kartierungen zur Ergebnisdarstellung. "Wir verzahnen Inhalt und Methoden und stellen diese Herausforderung gleich an den Studienbeginn", sagt Mossig.

Zum Modul "Einführungsprojekt" gehören auch die Informationen der Woche. In wöchentlichen Häppchem von je zehn Minuten erhalten die Studierenden organisatorische und außerfachliche Information rund um das Studium: die Themen reichen von der Prüfungsanmeldung über Auslandssemseter bis zu "Studieren mit Kind".

Seit dem Wintersemester 2017/18 arbeiten Mossig und seine Kolleginnen und Kollegen am Institut mit dem Einführungsprojekt. Es hat sich bewährt: "Die Studierfreudigkeit und das Interesse an eigener Forschung wird stimuliert", sagt Mossig.


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