News aus dem Teilprojekt A01

Neu eingeführte Technical Paper Series als wesentlicher Bestandteil der Dokumentation der Datenerhebung

Die Dokumentation der Datenerhebung ist ein wesentlicher Bestandteil des Aufbaus von WeSIS - dem Informationssystem zu Wohlfahrtstaatlichkeit. Forscher haben jedoch öfters Probleme, einen angemessenen Detaillierungsgrad zu finden, der von einfachen Auflistungen von Indikatoren bis zu seitenlangen Beschreibungen der Entstehung eines Indikators reicht. Sowohl WeSISpedia als auch die neu eingeführte Technical Paper Series sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Dokumentation. Ersteres dient als Codebuch mit grundlegenden Informationen zu Variablen und Indikatoren, die in WeSIS gesammelt und gespeichert werden. Als solches "beschreibt" es die Daten. Die Technical Paper Series ermöglicht demgegenüber eine strukturierte Dokumentation vor allem des Datengenerierungsprozesses, die detaillierte Ausformulierung länderspezifischer Definitionen oder die Beschreibung komplexer Codierungsregeln. Kurz gesagt, die Technical Paper Series ergänzt und vereinfacht die Verwendung von WeSIS und seiner Daten, bietet eine über ein Codebuch hinausgehende detailliertere Beschreibung und praktische Vorschläge für einen adäquaten Umgang mit den Daten.

Im ersten Paper beschreiben Lara Eiser, Michael Lischka und Tobias Tkaczick das Verfahren zur Erzeugung metrischer geografischer Entfernungsdaten. Sie zeigen auf welcher Datenbasis (CShapes Dataset), mit welcher Software (ArcGIS) und mit welchen Methoden der WeSIS-Indikator 'Capital Distance' erstellt wurde und dokumentieren damit die Datengenerierung auf transparente, verständliche und reproduzierbare Weise. Darüber hinaus bietet das Papier Screenshots zur Übernahme der Berechnungen für weitere Anwendungen.

Die Technical Paper Series wird von Nils Düpont koordiniert.


Kontakt:
Dr. Nils Düpont
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57060
E-Mail: duepont@uni-bremen.de

Dr. Nils Düpont
Dr. Nils Düpont
Nils Düpont war für Teilprojekt A01 mehrere Wochen in Göteborg, um die Zusammenarbeit mit dem schwedischen Demokratieforschungsinstitut voranzubringen. Was er sich davon verspricht, erzählt er im Interview.

Du warst im Sommer für einige Zeit als Gastwissenschaftler am V-Dem Institute in Göteborg, das sich die Aufgabe stellt, Demokratie weltweit zu vermessen. Aus deinem Aufenthalt ist nun eine Kooperation zwischen unserem SFB und dem V-Dem Institut entstanden. Wie kam es dazu?

Meine Aufgabe im SFB ist unter anderem, Informationen zu sammeln über nationalstaatliche und insbesondere politische Variablen. Mein persönliches Interesse gilt da vor allen Dingen den Parteien und ihrer Ideologie bzw. Verortung und die Frage, welchen Einfluss das auf die Einführung und Ausbreitung von Sozialpolitik hat. Bislang gibt es dazu wenig Daten, die weit zurückreichen oder einen globalen Scope haben. Aus diesem Grund hatte ich angefangen, mit Holger Döring, einem Kollegen am Lehrstuhl von Philip Manow, zusammenzuarbeiten und Daten zu erheben, im ersten Schritt über Wahlergebnisse und Parteien in allen Ländern, die wir im SFB untersuchen – von 1880 bis heute. Holger hatte schon länger Kontakt zu Anna Lührmann vom V-Dem-Team. Sie ist dort Deputy Director und hatte ein neues Projekt angestoßen, wo sie bei ihrer Untersuchung bis auf Parteiebene gehen wollten. Es war schnell klar, dass die Daten, die wir am SFB erheben und zum Großteil schon validiert hatten, eigentlich die Basis darstellen für das, was V-Dem vorhatte. Und über diese Verbindung kam dann die Kooperation zustande.

Was trägt der SFB also in der Kooperation bei?

Wir liefern Informationen über Wahlen, Parteien und Wahlergebnisse aus aller Welt seit 1880. Diese Daten bilden die Grundlage für das V-Party-Projekt. Und auf Grundlage dieser Daten wird auch gesteuert, für welche Parteien und welches Jahr die Experten anschließend Fragen zu den Parteien, ihrer Ideologie und ihren organisationalen Merkmalen bekommen.

Und was bekommt der SFB?

Das Entscheidende ist, dass wir damit für Parteien teilweise erstmalig überhaupt Informationen über ihre Ideologie oder einige organisationelle Merkmale bekommen, die bislang so noch gar nicht im Fokus der Parteienforschung stehen. Auch in der Parteienforschung haben wir nämlich - analog zur Sozialpolitikforschung im SFB - einen relativ starken OECD-Bias. Lateinamerika ist noch relativ gut erfasst. Sobald man dann aber nach Afrika oder Asien schaut, wird es spärlicher mit Expertise, Informationen und Analysen. Und das Schöne an V-Dem ist ja, dass sie dieses globale Netzwerk an Experten haben, der Survey jetzt schon ein paar Jahre läuft und wir damit auch an Experten kommen, die uns solche Parteien einschätzen, für die wir bislang noch wenig bis gar keine Informationen haben. Diese Informationen helfen uns, die Parteien überhaupt ideologisch einzuschätzen. Und zusammen mit den von uns erhobenen Informationen über beispielsweise die Stärke im Parlament lassen sich dann unabhängige Variablen kreieren für die Sozialpolitikforschung und die Frage: Welchen Einfluss haben Parteien auf die Einführung oder Ausbreitung von Sozialpolitik? In der Summe kriegen wir also für den SFB Informationen zurück, die wir als Variablen im Stile der sogenannten Partisan Politics testen können.

Was hast du konkret gemacht in Göteborg bei V-Dem?

Im Wesentlichen haben wir konzeptuell ein paar Dinge besprochen und die Daten, die wir bislang erhoben hatten, noch einmal harmonisiert. Diese vorläufigen Daten haben wir anschließend zum Validierungscheck an Länder- und Regionsexperten geschickt. Insgesamt konnten wir also während meines Aufenthalts den ersten Grundstein legen, auf dem wir jetzt weiter aufbauen.

Mit wem hast du in Göteborg zusammengearbeitet?

Im Wesentlichen mit Anna Lührmann, die auch das V-Party-Projekt leitet. V-Party ist angelehnt an V-Dem, an die Methodologie und das ganze Setup. Das Besondere dabei ist, dass V-Dem bislang immer auf einer makro-quantitativen Land-Jahr-Logik basierte und es mit V-Party das erste Mal ein Projekt gibt, das in die Länder hineingeht, also eine Ebene tiefer. Das bringt natürlich ganz eigene Schwierigkeiten in der Datenerhebung mit sich. Aber die Zeit war reif, diesen Versuch zu wagen. Anna Lührmann ist als Projektleiterin die zentrale Figur, die auch das Expertennetzwerk zusammenhält.

Was kann man von dem Survey erwarten?

Die Vorbereitung für den Survey geht jetzt in die heiße Phase. Nachdem die Plausibilitätsprüfung und Validierung durch die Regionsexperten durch ist, haben wir das Feedback eingearbeitet und damit die Datenerhebung praktisch abgeschlossen. Parallel wird gerade der Technische Stack aufgesetzt, dass der Survey dann im Januar ausrollen kann. Dazu werden gerade noch die letzten Experten rekrutiert. Die können sich dann auf einer Web-Plattform einloggen und bekommen die entsprechenden Informationen angezeigt. Dafür ist es ganz wichtig, dass die Rohdaten korrekt sind, damit die Coder dann auch das Richtige sehen und damit was anfangen können. Wenn alles gut läuft, sollte der Survey im Januar abgeschlossen sein. Dann beginnt bei den V-Dem-Leuten der übliche Prozess: Datenbereinigung und Aufbereitung. Wir hoffen, dass im Frühjahr nächsten Jahres die Daten soweit fertig sind, dass man erste Analysen machen kann. Und dass wir dann ein bisschen mehr erfahren über Parteien in der Welt, über die wir bislang wenig bis gar nichts wissen.


Kontakt:
Dr. Nils Düpont
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
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Dr. Stefan Giljum
Dr. Stefan Giljum
Stefan Giljum von der Wirtschaftuniversität Wien präsentierte sein Datenbank- und Analyseprojekt zu Rohstoffströmen und ihren ökologischen sowie sozialen Folgen.

Stefan Giljum von der Wirtschaftsuniversität Wien war beim SFB 1342 zu Gast, um sein Datenbank- und Analyseprojekt FINEPRINT zu präsentieren. Das Ziel von FINEPRINT ist Wissen zu generieren, das den Zusammenhang zwischen Produktions- und Konsumverhalten (Fokus: "Globaler Norden") und den ökologischen und sozialen Folgen der Ressourcenextraktion vor Ort (Fokus: „Globaler Süden“) analysierbar macht. Grundsätzlich werden globale Wertschöpfungsketten in ihrer materiellen Zusammensetzung aufgeschlüsselt. Das Resultat ist eine wachsende Datenbank mit disaggregierten und georeferenzierten Daten.

Vor einem größeren Publikum zeichnete Giljum die Wege ausgewählter Materialflüsse nach vom Ort der Ressourcenentnahme, über die Produktion bis zum Wertschöpfungssegment in den Konsumregionen und analysierte sie hinsichtlich ihrer ökologischen Folgen am Ort der Rohstoffschöpfung (z.B. Wasserknappheit, Entwaldung, Flächenverbrauch). In der anschließenden Diskussion ging es auch darum, wie diese Daten Analysen hinsichtlich sozioökonomischer Effekte ermöglichen. Für die SFB-Mitglieder war ein sehr interessanter Diskussionspunkt, wie subnationale Daten die (inter-)nationale Perspektive des SFBs ergänzen können.

Am Vormittag hatte das A01-Teilprojekt ein internes Treffen mit Stefan Giljum. Dort stellte er das mit einem ERC-Consolidator-Grant ausgestattete Datenbank- und Analyseprojekt FINEPRINT im Detail vor. Es folgte ein intensiver Erfahrungsaustausch über Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten beim Aufbau großer Informationssysteme wie WeSIS oder der FINEPRINT-Datenbank. Insbesondere die folgenden Punkte wurden diskutiert:

  • Umgang mit Copyrights bei Nutzung bestehender Datensätze
  • Dokumentation und Pflege der eigenen Datenbestände
  • Umsetzung der Open Source Prinzipien
  • Datenqualität (z.B. Validierung, Harmonisierung)


Es hat sich gezeigt, dass FINEPRINT ein gutes Beispiel für den Aufbau einer Datenbank mit gelungenen Visualisierungen und Analysemöglichkeiten ist, an denen sich WeSIS in einigen Punkten orientieren kann. In dem Gespräch haben sich einige Schnittstellen zwischen den Projekten ergeben, die Ideen für zukünftige Kooperationen hervorgebracht haben.


Kontakt:
Prof. Dr. Ivo Mossig
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 / 421 / 218 67410
E-Mail: mossig@uni-bremen.de

Prof. Dr. Ivo Mossig
Prof. Dr. Ivo Mossig
Ivo Mossig erklärt, worum es beim Aufbau des Global Welfare State Information Systems (WeSIS) geht und warum die Bremer Sozialwissenschaften etwas ganz besonderes sind.


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Prof. Dr. Ivo Mossig
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Prof. Dr. Ivo Mossig (links)
Prof. Dr. Ivo Mossig (links)
Der Verband für Geographie an deutschsprachigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen hat ihn für sein Modul "Einführungsprojekt" an der Uni Bremen ausgezeichnet.

Forschendes Lernen, auf das die Universität Bremen großen Wert legt, beginnt am Institut für Geographie gleich zu Beginn des ersten Semesters: Studierende wählen ein Thema und bearbeiten es wissenschaftlich. Ihre eigene Fragestellung untersuchen sie dann empirisch und erproben passende Methoden. Dabei werden sie in kleinen Gruppen von bis zu fünf Personen eng von ihren Dozentinnen und Dozenten begleitet. Zum Schluss präsentieren sie universitätsöffentlich ihre Poster, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeit verdeutlichen. "Wir holen unsere Studierenden bei ihrem Vorwissen ab und stärken gleichzeitig die Motivation für das Fach", sagt Mossig.

Parallel erwerben die Studierenden das methodische Handwerkszeug: richtiges Zitieren, erste Laboranalysen, Durchführung und Auswertung von Befragungen, Experteninterviews, Anwendung einfacher statistischer Verfahren oder eigene Kartierungen zur Ergebnisdarstellung. "Wir verzahnen Inhalt und Methoden und stellen diese Herausforderung gleich an den Studienbeginn", sagt Mossig.

Zum Modul "Einführungsprojekt" gehören auch die Informationen der Woche. In wöchentlichen Häppchem von je zehn Minuten erhalten die Studierenden organisatorische und außerfachliche Information rund um das Studium: die Themen reichen von der Prüfungsanmeldung über Auslandssemseter bis zu "Studieren mit Kind".

Seit dem Wintersemester 2017/18 arbeiten Mossig und seine Kolleginnen und Kollegen am Institut mit dem Einführungsprojekt. Es hat sich bewährt: "Die Studierfreudigkeit und das Interesse an eigener Forschung wird stimuliert", sagt Mossig.


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Prof. Dr. Ivo Mossig
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Michael Lischka
Michael Lischka
Michael Lischka im Gespräch über geographische Brillen und seine Aufgaben im Teilprojekt A01.

Was wärest du geworden, wenn du nicht Wissenschaftler/Geograph geworden wärest?

Ich habe ursprünglich angefangen, Soziale Arbeit zu studieren. Das Studium war aber sehr stark auf Deutschland fixiert, und ich bin unglaublich gern gereist – das passte nicht so gut zusammen mit meiner Neugierde. Da sagte ein befreundeter Student zu mir, als wir uns darüber unterhalten hatten: „Ich studiere Geographie, das müsste auch zu dir passen.“ Daraufhin habe ich angefangen, parallel zu Soziale Arbeit auch Geographie zu studieren, um zu schauen, ob das etwas für mich ist. Kurzum: Wäre ich nicht in die Wissenschaft gegangen, wäre ich heute wohl Sozialarbeiter. Aber die Geographie hat mich einfach gepackt, da bin ich nicht mehr rausgekommen. Wenn man die Welt verstehen will und Perspektivenwechsel mag, gibt es eigentlich auch nichts Besseres.

Was reizt dich so sehr an der Geographie?

Die Geographie eröffnet sehr viele Blickwinkel auf unterschiedlichen Maßstabsebenen, auf unterschiedliche vielschichtige Themen. Das Fach hat ja eine riesige Bandbreite: Kulturgeographie, Wirtschaftsgeographie, Sozialgeographie, Physische Geographie usw. Das hängt alles miteinander zusammen. Als Geograph kann ich verschiedene Brillen aufsetzen, je nachdem in welchem Thema und auf welcher Maßstabsebene ich denken möchte, das hilft auch im privaten Bereich. Natürlich ist die Wahl von Gestell und Linse nicht beliebig, sondern wohl durchdacht. Die wirtschaftsgeographische passt mir am besten und hat meine Sehstärke, würde ich sagen. Während meines Masters habe ich zu ländlichen Räumen im Globalisierungskontext studiert: Da ging es z.B. um kleinbäuerliche Strukturen in Entwicklungsländern und wie diese durch den globalen Markt beeinflusst werden und umgekehrt, welche Gefahren und Chancen dadurch entstehen bis hin zu Treibenden der Globalisierung, Machtverteilung in ökonomischen Verflechtungsmustern und vieles mehr. Generell gesprochen: Wissen auf vielen Ebenen zu generieren, das auch Folgen und Wirkungen aufzeigt – das ist für mich Inbegriff der Geographie.

Und welche Aufgaben übernimmst du im SFB?

Ich arbeite im A01-Projekt sehr eng mit Ivo Mossig zusammen. Wir untersuchen zwischenstaatliche Verflechtungen auf unterschiedlichen Ebenen. Wir konzentrieren uns zunächst auf die ökonomischen Verflechtungen: Wer ist in welcher supranationalen Organisation miteinander verbunden? Welche Freihandelsabkommen gibt es? Diese makroökonomischen Strukturen und einige andere ökonomische Parameter wollen wir bestmöglich vermessen und bestmöglich darstellen. Gleichzeitig erarbeiten wir Analysemethoden mit der Informatik zusammen, um einen Gehalt daraus ziehen zu können. Die momentane wirtschaftsgeographische Globalisierungsforschung ist sehr stark auf Prozesse und weniger auf Outcomes konzentriert.

Wie sieht das konkret aus?

Derzeit mache ich eine Netzwerkanalyse mit allen Staaten der Welt und schaue, wie sie miteinander über Handel verbunden sind. Dann hat man ein tolles Netzwerk: Einige Staaten sind in der Mitte, andere in der Peripherie. Aber was bedeutet es, dass China, die USA und Deutschland relativ in der Mitte sind und Russland vor ein paar Jahren aus dem Zentrum abgewandert ist? Oder dass die BRIC(S)-Staaten näher an den Kern drängen, während etablierte Staaten ihre Stellung verändern? Die Dynamiken dieser und anderer wirtschaftlicher Verflechtungen zu verstehen und deren Bedeutung in verschiedenen Kontexten herauszuarbeiten, ist unsere Kernaufgabe. Damit liefern wir Input für die anderen Teilprojekte, die die Entwicklung von Sozialpolitik untersuchen. Denn für viele andere Projekte ist die wirtschaftliche Verflechtung die x-Variable - und wir im Projekt A01 untersuchen quasi die x-Variable dieser x-Variable.


Zur Person:
Michael Lischka ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt A01 und promoviert in der Arbeitsgruppe Wirtschafts- und Sozialgeographie am Institut für Geographie der Universität Bremen. Im Teilprojekt A01, das von Andreas Breiter, Ivo Mossig und Carina Schmitt geleitet wird, ist Lischka am Aufbau des „Global Welfare State Information Systems (WeSIS)“ beteiligt.

Lischka hat an der Universität Vechta Geographie studiert und seinen Master in „Geographien ländlicher Räume – Wandel durch Globalisierung“ gemacht. Seine Dissertation erarbeitet er themennah im Rahmen des SFBs.


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Michael Lischka
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Dr. Nils Düpont
Dr. Nils Düpont
Nils Düpont im Gespräch über die Faszination Politikwissenschaft, Präferenzen von Autokraten und seine Aufgabe im Teilprojekt A01.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Politikwissenschaftler geworden wärest?

Ich weiß gar nicht, ob ich etwas Anderes hätte werden wollen. Ich habe schon in der Oberstufe - befeuert durch zwei gute Lehrer - Interesse an Politik entwickelt und dann konsequenterweise auch Politikwissenschaft studiert. Da war schnell klar, dass es nach dem Magisterabschluss weitergehen soll. Wenn ich aus heutiger Perspektive zurückblicke, denke ich manchmal: Vielleicht hätte man auch etwas ganz Anderes machen können; etwas Handwerkliches, Instrumentenbauer vielleicht. Ich finde es schön, dass mich mein Beruf vom Kopf her fordert. Aber an manchen Tagen besteht mein ganzes Tagwerk darin, dass ich fünf Zeilen programmiert habe. Das hat dann meine Arbeit zwar riesig nach vorne gebracht, aber wenn ich das anderen Leute erzähle … So gesehen wäre ein Handwerk, bei dem man etwas Greifbares produziert, etwas für mich gewesen. Aber die Frage hat sich nie gestellt.

Nach der Schule Politikwissenschaft zu studieren, ist das eine; was hat dich an dem Fach so fasziniert, dass du es zu deinem Beruf gemacht hast?

Politikwissenschaft erfordert eine ganz eigene Art zu denken, die mir gut liegt. Hinzu kam ein günstiges Umfeld. Ich habe eine Hausarbeit geschrieben und wurde gefragt, ob ich studentische Hilfskraft werden will. Damit kam das Interesse für Zahlen und die empirisch-analytische Politikwissenschaft hinzu. Ich habe mich in diesen Bereich eingelesen, und im Laufe der Zeit formt das, was man liest, ja auch die eigene Art zu denken. Durch diese Brille ist der Berufswunsch dann entstanden. Daher würde ich heute sagen: Ich interessiere mich für Politik, meine Denkweise dabei ist aber politikwissenschaftlich.
Was mich an Politik- und Sozialwissenschaften generell fasziniert: Trotz der immensen Unterschiede zwischen den Menschen kann man Ähnlichkeiten und Muster im Verhalten feststellen. Dadurch sind sich die Menschen doch viel ähnlicher, als sie selbst glauben wollen. Diese Muster aufzudecken, hat mich immer fasziniert: menschliches Verhalten zu erklären durch eine Handvoll Handlungsanweisungen oder Variablen. Natürlich ist menschliches Verhalten dadurch nicht determiniert, aber doch ein Stück weit prägt. Damit kann man eine Menge erklären.

Welche Aufgaben übernimmst du im SFB?

Ich bin aktuell dabei, meine genaue Rolle ein Stück weit selbst zu definieren. Aber es geht um den Themenkomplex der nationalstaatlichen Akteure in der Sozialpolitik. Sozialpolitik ist natürlich in internationale Verflechtungen eingebettet, aber am Ende sind es immer noch nationale Akteure, die entscheiden. In parlamentarischen Regierungssystemen sind es von Parteien gebildete Regierungen, in Autokratien oder Diktaturen sind es eben Autokraten oder Diktatoren. Die Frage ist: Wie stark wird das Handeln der Akteure von globalen Zusammenhängen beeinflusst? Ich sehe meine Rolle im SFB darin, die ideologische Vermessung der Welt anzugehen. Bislang lag bei solchen Fragen der Fokus auf hochentwickelten Industriestaaten. Die politischen Präferenzen der Regierungen ließen sich relativ leicht via Parteien bestimmen. Ich möchte nun Verfahren entwickeln, mit denen man die politischen Präferenzen der Akteure in anderen Systemen, wie Autokratien und Diktaturen, bestimmen kann. Dafür hoffe ich von den Informatikern im Teilprojekt Input zu bekommen: damit ich via Machine Learning Texte auswerten kann nach bestimmten Kategorien, die wir schon von den Industriestaaten kennen. Ich möchte dann überprüfen, ob wir die Kategorien auf Autokratien und Diktaturen übertragen können, oder ob wir da in komplett neuen Kategorien denken müssen.

Kannst du ein Beispiel geben?

Die politischen Akteure der westlichen Welt lassen sich auf einer großen Links-Rechts-Dimension verorten - mal die Debatte außer Acht gelassen, wie substanziell das noch ist. Aber funktioniert das auch für andere Weltregionen? Vielleicht klappt das noch mäßig für Südamerika, aber im asiatischen Raum ist die Frage, ob man ideologische Konfliktthemen nicht komplett neu denken muss. Meine Rolle wird sein, das aufzuarbeiten und damit wiederum innerhalb des A-Projektbereiches Input in die anderen Projekte zu liefern. Die Kolleginnen und Kollegen wollen ja sozialpolitische Entscheidungen erklären, und dabei spielen die nationalstaatlichen Akteure eine entscheidende Rolle.

Zur Person:
Dr. Nils Düpont ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik". Im Teilprojekt A01, das von Andreas Breiter, Ivo Mossig und Carina Schmitt geleitet wird, ist Nils Düpont am Aufbau des "Global Welfare State Information Systems (WeSIS)" beteiligt. Nils Düpont hat an der Universität Greifswald Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Skandinavistik studiert und mit dem Magister Artium abgeschlossen. Anschließend promovierte er im Fach Politikwissenschaft zum Thema "(Ir)Rational Choices? The Impact of Learning on Party Policy Moves". Vor seinem Wechsel zum SFB 1342 hat Nils Düpont am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen den Aufbau eines Masterzentrums vorangetrieben.


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