Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.

Dr. Johanna Kuhlmann
Dr. Johanna Kuhlmann
Im Interview erzählt Johanna Kuhlmann, die von der TU Braunschweig zum SFB 1342 wechselte, warum Sozialpolitik das Kleinteilige mit dem großen Ganzen verbindet und warum es sie reizt, Neues im Bekannten zu entdecken.

Du bist Politikwissenschaftlerin. Wann wusstest du, dass das der passende Beruf für dich ist?

Zumindest nicht, als ich angefangen habe zu studieren. Ich habe Politikwissenschaft und Germanistik studiert und hatte am Anfang noch keine konkrete Vorstellung davon, was ich werden will. Journalismus war eine Idee, aber das war sehr vage. Ich habe dann mehrere Praktika gemacht im politikwissenschaftlichen Bereich und im Bereich Germanistik.

Was genau?

Ich habe in einem Ministerium und bei einem Bundestagsabgeordneten gearbeitet, aber auch in einem literaturwissenschaftlichen Forschungsinstitut. Ich habe mich damals noch etwas breiter aufgestellt. Ich wusste, dass ich politikwissenschaftlich arbeiten will, als ich meine erste Stelle als studentische Hilfskraft an der Uni hatte.

Das war noch in Münster, richtig?


Ja. Das hat mir total gut gefallen, weil mein damaliger Chef die studentischen Hilfskräfte direkt inhaltlich in die Forschung eingebunden hat. Ich war an vielen Diskussionen beteiligt und konnte richtig mitforschen. So habe ich schnell einen umfassenden Einblick bekommen. Da hab ich gedacht: Das kann ich mir vorstellen.

Was interessiert dich an Sozialpolitik?

Als ich im Studium angefangen habe, mich mit Sozialpolitik zu beschäftigen, habe ich mich vor allem für strategische Aspekte interessiert, konkret: Warum kürzen politische Akteure sozialpolitische Leistungen, die für viele ihrer Wählerinnen und Wähler essentiell sind? Das war wenige Jahre nach den Agenda 2010-Reformen. In meiner Dissertation stand dann mehr die inhaltliche Dimension von Sozialpolitik im Vordergrund, also wie genau verändert sich eigentlich sozialpolitische Leistungserbringung? Und wie kann man das – über strategische Aspekte hinaus – erklären? Auch, wenn Sozialpolitik unheimlich kleinteilig ist und man sich lange mit Paragraphen einzelner Sozialgesetzbücher beschäftigen kann: Veränderungen von Sozialpolitik machen immer auch Aussagen über Grundprinzipien gesellschaftlichen Zusammenlebens und über die Frage, welche Rolle der Staat im Zusammenhang mit der Erbringung von Wohlfahrt für Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen bereit ist.

Warum bist du zum SFB gewechselt?

Weil mich die inhaltliche Konzeption des SFB insgesamt und des Teilprojektes, in dem ich jetzt mitarbeite, sehr interessiert hat. In dem Teilprojekt geht es darum, die Ergebnisse der anderen fallstudienzentrierten Teilprojekte zu bündeln und zu erklären, durch welche kausalen Mechanismen es zu einer Verbreitung von Sozialpolitik kommt. So soll ein eigenständiger theoretischer Beitrag entstehen. Das hat mich gereizt. Ich bin keine reine Theoretikerin und habe auch in meiner Dissertation empirisch gearbeitet. Aber ich habe schon ein Faible für theoretische Fragestellungen. Ich habe mich außerdem bisher vor allem mit europäischen Wohlfahrtsstaaten beschäftigt. Ein Ausgangspunkt des SFB ist: Wir wissen sehr viel über OECD-Wohlfahrtssysteme, aber längst nicht so viel über andere Wohlfahrtssysteme. Das ist bei mir ähnlich.

Und das empfandst du nicht als abschreckend, sondern als reizvoll?

Auf jeden Fall. Das ist ja auch etwas, was wissenschaftliches Arbeiten ausmacht, nämlich blinde Flecken aufzudecken. Mit den grundsätzlichen Debatten und theoretischen Bezugspunkten des SFB, die in meiner Arbeit im Teilprojekt zunächst im Vordergrund stehen werden, sind mir vertraut. Aber die Sozialpolitik vieler Nicht-OECD-Länder, vor allem im Detail, ist Neuland für mich. Weil wir in unserem Teilprojekt, das keinen eigenen empirischen Gegenstand hat, viel in die anderen Teilprojekte reingucken werden, verspreche ich mir einiges davon.


Kontakt:
Dr. Johanna Kuhlmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58574
E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de

Der SFB 1342 sucht im Teilprojekt B04 "Offene Wohlfahrtsstaaten? Die soziale Absicherung von Arbeitsmigration und ihre Rückwirkung auf nationale Politik" zum 1. Oktober 2018 zwei studentische Hilfskräfte mit mindestens 15 Wochenstunden.

Der SFB 1342 sucht im Teilprojekt B04 „Offene Wohlfahrtsstaaten? Die soziale Absicherung von Arbeitsmigration und ihre Rückwirkung auf nationale Politik“ (Leitung: Professorin Susanne Schmidt) zum 1. Oktober 2018

zwei studentische Hilfskräfte mit mindestens 15, wünschenswert sind 18 Wochenstunden.

Die Stellen sind zunächst bis Ende des Jahres befristet. Eine Verlängerung mit verringerter Wochenstundenanzahl wird angestrebt.

Das Projekt ist ein Teilprojekt des von der DFG geförderten Sonderforschungsbereichs 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik". Wie verändert sich der Wohlfahrtsstaat, wenn durch Migration transnationale soziale Räume entstehen? Das Teilprojekt untersucht, ob und wie in Freizügigkeitsregimen verschiedener regionaler Organisationen in Europa (EU), Asien (ASEAN) und den Amerikas (Mercosur/UNASUR, CARICOM) die Arbeitsmigration zur Entwicklung eines transnationalen sozialen Raums beiträgt, der auf nationale Sozialpolitik zurückwirkt.


Aufgaben:

  • Literaturrecherche und -verwaltung
  • Mithilfe bei der Datenerfassung, -aufbereitung und -analyse
  • Unterstützung bei der Planung der Feldarbeit
  • Allgemeine Hilfskraftarbeiten

 

Voraussetzungen:

  • Studium im Fach Politikwissenschaft, Soziologie oder einem anderen thematisch und methodisch einschlägigen Fach (3. Fachsemester oder höher)
  • Interesse an theoretischen und empirischen Fragestellungen in min. einem der folgenden Bereiche: vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung, internationale Beziehungen, internationale Organisationen und internationale NGOs
  • Grundkenntnisse in qualitativer oder quantitativer Datenanalyse (vorzugsweise mit R oder STATA)
  • Neben sehr guten Englischkenntnissen sind sehr gute oder gute Kenntnisse einer der folgenden Sprachen wünschenswert, aber nicht unbedingt notwendig: Spanisch, Portugiesisch oder eine der Sprachen in der ASEAN (insbesondere Filipino, Indonesisch, Malaysisch oder Thai, aber auch Birmanisch, Khmer, Lao, Mandarin, Tamil oder Vietnamesisch)
  • Kenntnisse von EndNote und/oder Citavi
  • fortgeschrittene MS-Office-Kenntnisse (insbesondere Word und Power Point)
  • einschlägige Programmierkenntnisse sind willkommen, aber nicht unbedingt notwendig (z.B. Web scraping, quantitative Textanalyse)

 

Wir bieten:

  • Einblicke in ein interessantes Arbeits- und Forschungsfeld
  • Mitarbeit in einem freundlichen, interdisziplinären Team
  • Vergütung nach den für studentische Hilfskräfte üblichen Sätzen an der Universität Bremen
  • Möglichkeit das Thema der Abschlussarbeit projektnah zu wählen

 

Ihre Bewerbung mit kurzem Lebenslauf, einem Motivationsschreiben sowie einem aktuellen Transcript of Records senden Sie bitte als PDF-Dokument bis zum 24.08.2018 an:

Britta Plote, E-Mail: britta.plote@uni-bremen.de

Die Auswahlgespräche sind vorgesehen für Ende August.

Der SFB 1342 sucht zum 01. Oktober 2018 eine studentische Hilfskraft mit 10 Std./Woche für das Teilprojekt A04 "Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko".

Am DFG geförderten Sonderforschungsbereich "Global Dynamics of Social Policy" ist im Projekt A04 "Globale Entwicklungen in Gesundheitssystemen und in der Langzeitpflege als neues soziales Risiko" folgende Stelle zu besetzen:

Studentische Hilfskraft mit 10 Std./Woche

Die Einstellung erfolgt voraussichtlich zum 01.10.2018 für einen Zeitraum von drei Monaten (eine Verlängerung ab dem 01.01.2019 wird angestrebt).

Ziel des Teilprojektes A04 ist es, die Herausbildung unterschiedlicher Typen von Gesundheitssystemen und Systemen der Langzeitpflege global nachzuzeichnen und zu erklären, inwieweit Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen diesen nationalen Systemen durch:
a) horizontale soziale, ökonomische und politische Austauschbeziehungen zwischen Ländern sowie
b) vertikale Austauschbeziehungen zwischen Ländern und internationalen Organisationen
strukturiert werden.

Aufgaben:

  • Mithilfe bei der Datenerfassung, -aufbereitung und -analyse
  • Literaturrecherche und -verwaltung
  • Mithilfe bei der Organisation und Durchführung von Workshops und Tagungen
  • Unterstützung bei der Planung der Feldarbeit


Voraussetzungen:

  • Grundkenntnisse in qualitativer und quantitativer Datenanalyse (vorzugsweise mit R)
  • sozialwissenschaftliches oder informationstechnisches Studium mit sehr guten Leistungen (BA/MA)
  • Interesse an theoretischen und empirischen Fragestellungen in min. einem der folgenden Bereiche: vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung, internationaler Beziehungen, internationale Organisationen und internationale NGO´s
  • Sehr gute Englischkenntnisse
  • einschlägige Programmierkenntnisse sind willkommen (z.B. Web scraping, quantitative Textanalyse)


Wir bieten:

  • Einblicke in ein interessantes Arbeits- und Forschungsfeld
  • Mitarbeit in einem freundlichen, interdisziplinären Team
  • Vergütung nach den für Studentische Hilfskräfte üblichen Sätzen an der Universität Bremen
  • längerfristige Beschäftigungsperspektive und Möglichkeit das Thema der Abschlussarbeit projektnah zu wählen


Ihre Bewerbung mit kurzem Lebenslauf, einem Motivationsschreiben sowie einem aktuellen Transcript of Records senden Sie bitte als PDF-Dokument bis zum 01.09.2018 an:
Alexander Polte, E-Mail: alexander.polte@uni-bremen.de

Dr. Dennis Niemann
Dr. Dennis Niemann
Als kleiner Junge wollte Dennis Niemann Paläontologe werden. Heute sucht er als Politikwissenschaftler lieber nach gesellschaftlichen Mechanismen und Mustern als nach versteinerten Knochen.

Was war dein erster Berufswunsch als Kind oder Jugendlicher?

Wahrscheinlich der obligatorische Astronaut, Feuerwehrmann, Polizist. Ein Beruf, in dem man "so richtig was macht". Auf die damaligen Rollenvorbilder bin ich voll eingestiegen. Als ich in den 1980ern aufgewachsen bin, da gab es auch eine große Dinosaurier-Phase. Also war mein Plan, später auch Dinosaurier ausbuddeln.

Und warum tust du das heute nicht?

Weil es wahrscheinlich ganz schön langweilig ist, in der Erde zu buddeln und alle Jubeljahre so einen versteinerten Knochen zu finden. Mein erster realistischer Berufswunsch zu Beginn meines Studiums war Journalismus. Wie bei so vielen in den Sozialwissenschaften. Ich dachte, das wäre etwas, denn ich habe schon immer gern geschrieben. Ich hatte im Bereich Journalismus aber weder Connections noch besonderes Talent.

Warum hast du angefangen, Sozialwissenschaften zu studieren?

Das wurde mir tatsächlich während der Schulzeit bei einer Studienberatung empfohlen. Ich habe dann Politik und Jura studiert. Und schon zu Beginn des Studiums hat sich herausgestellt, dass das gut passte, auch als Berufsfeld.

Inwiefern?

In erster Linie kam das durch meine Arbeit als studentische Hilfskraft. Im dritten Semester wurde ich vom Professor angesprochen, ob ich Lust hätte, als Hilfskraft zu arbeiten. Da war ich irgendwie geschmeichelt. Aber die Arbeit hat mir auch echt Spaß gemacht.

Du musstest als nicht nur kopieren?

Nein, anders als einige Kommilitonen wurde ich nicht als Kopiersklave eingesetzt. Ich hatte das Glück, bei Michael Zürn zu arbeiten, der in den Internationalen Beziehungen forscht. Zürn hatte damals ein Projekt zu Internationaler Umweltpolitik.

Wann war das?

Das war 2003/2004. Da gab es eine riesige Datenbank zu Umweltregimen, und ich hatte die Aufgabe, diese auszuwerten. Das war für mich als Student komplett neu und total interessant, weil dabei Dinge herauskamen, die keiner wusste.

Hast du ein Beispiel?

Dass es zum Beispiel sinnvoller ist, quasi-juristische Schlichtungsstellen einzusetzen, die die Einhaltung von Regeln bewerten, anstatt sofort irgendwelche Sanktionen anzudrohen. Und dabei bin ich mit dem Fieber infiziert worden, Wissen zu schaffen.

Deine Abschlussarbeit hat dann ja auch auf deiner Hilfskrafttätigkeit aufgebaut.

Genau, das Thema war "Compliance in internationalen Umweltregimen". Seit ich die Hilfskraftstelle hatte, habe ich kontinuierlich daraufhin gearbeitet, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Und das hat relativ problemlos geklappt durch den mittleren Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel". Da bin ich dann in der Mitte der zweiten Projektphase eingestiegen. Ich war damals auch Hilfskraft bei dem Co-Projektleiter Ansgar Weymann. Da hatte ein Mitarbeiter von ihm erfahren, dass ich promovieren wollte, und sagte: Komm mal vorbei, wir sprechen miteinander und dann ist das schon so ein Vorstellungsgespräch ausgeartet. Ich glaube, ich hab damals so was gesagt wie: "Ich würde gern etwas zu internationalen Organisationen machen, das Politikfeld ist mir egal." Und so ist es dann das Politikfeld Bildung geworden. Und das ist auch total spannend.

Stell dir vor, du hättest alles, was du brauchst: genügend finanzielle Mittel, gute Kolleginnen und Kollegen, das notwendige Wissen, die beste technische Ausstattung und auch genug Zeit - welche Forschungsfrage würdest du versuchen zu klären?

Puh! Das sind so Fragen, mit denen man sich überhaupt nicht beschäftigt! Weil das komplett illusorisch ist! Aber zum Beispiel hatte ich mit einem Kollegen ein leider abgelehntes Drittmittelprojekt - dabei ging es um Schulautonomie im europäischen Vergleich. Das ist ein echt spannendes Thema.

Kannst du ganz kurz erklären, was du damit meinst?

Schulautonomie meint, dass Schulen nicht mehr so stark vom Staat reglementiert werden, sondern ihr eigenes Profil entwickeln und in einem möglichst weit gesteckten Rahmen Unterricht gestalten und Leute ausbilden können. Das würde ich gern im europäischen Vergleich untersuchen. Wenn wir dafür unbegrenzte Mittel zur Verfügung hätten, würde ich für jedes europäische Land diese Entwicklungspfade nachzeichnen und hinterher eine Datensammlung haben mit allen möglichen Erklärungsfaktoren, warum Staaten sich für oder gegen mehr Schulautonomie entschieden haben. Um zu erkennen, was die entscheidenden Erklärungsfaktoren für die Entwicklung waren. Das ist etwas, das mich generell besonders interessiert: Warum kam es zu etwas? Zu entdecken, was nicht auf der Hand liegt, sondern ein bisschen gegen die Erwartungen läuft.

Im Grunde ist der SFB auch so angelegt: Man schaut auf die Entwicklung von Sozialpolitik in der Vergangenheit, sucht nach Mustern, um darauf basierend in die Zukunft zu schauen.

Das ist genau, worin ich mich selbst perfekt wiederfinde. Man muss zunächst ein bisschen rückwärtsgewandt schauen, was passiert ist. Kann aber darauf aufbauend Mechanismen und Muster identifizieren.

Du bist jetzt Postdoc. Was ist dein Plan für die nächsten zehn, zwanzig Jahre?

In der ersten Förderphase ist mein Ziel, ernsthaft die Habil anzugehen. Und dann würde ich mich natürlich auch gern auf Professuren bewerben.

Hast du für deine Habil schon ein Thema im Kopf?

Etwas Grobes ja. Das ist an unser SFB-Bildungsprojekt angelehnt. Dabei schauen wir uns an, welche Ideen internationale Organisationen zum Thema Bildung haben. Wir untersuchen dabei auch Organisationen, die vorher gar nichts mit Bildung zu tun hatten, z.B. die Weltbank oder auch die OECD, die vorher einen klaren Wirtschaftsschwerpunkt hatten. Mich interessiert, warum etwa die OECD jetzt so einen großen Wert auf Bildung legt. Was war der Anreiz, sich in dem Feld so stark zu engagieren? Hört man OECD, denkt man gleich an die PISA-Studie. Aber das gibt es auch bei anderen internationalen Organisationen, die sehr stark auf Sozialpolitik setzen. Mich würde interessieren: Was bringt Organisationen dazu, sich auf einmal auszudehnen? Und wie reagieren die Organisationen darauf, die schon da waren? Werden die verdrängt, suchen sie andere Nischen? Das ist das Projekt, das im nächsten halben Jahr vorangetrieben wird.


Kontakt:
Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de

Dr. Camilla Addey
Dr. Camilla Addey
Camilla Addey von der Columbia University stellt diese Frage in ihrem Forschungsprojekt "ILSA Inc.", das sie kürzlich am SFB 1342 präsentierte.

Die Ergebnisse internationaler Schulleistungsuntersuchungen wie PISA, IGLU oder TIMMS haben erheblichen Einfluss auf die Bildungspolitik der teilnehmenden Staaten. Laut OECD hat beispielsweise eine große Mehrheit der Teilnehmerländer angegeben, dass PISA die Gestaltung der Lehrpläne beeinflusst hat und dass ihre Politikfindung von den Strategien leistungsstarker Länder beeinflusst wird.

"Die Daten dieser internationalen Schulleistungsuntersuchungen (englisch: International Large Scale Assessments - ILSA) gelten gemeinhin als zutreffend und verlässlich", sagte Camilla Addey, Lecturer an der Columbia University, New York. Sämtliche Arbeitsschritte von der Entwicklung über die Durchführung bis zur Auswertung der Untersuchungen seien aber zu einem Großteil an private Unternehmen ausgelagert, sagte Addey vergangene Woche bei einer Präsentation ihres Forschungsprojektes „ILSA Inc.“ vor Mitgliedern des SFB 1342 an der Universität Bremen. "Welche Auswirkungen diese maßgebliche Beteiligung der Privatwirtschaft auf die Schulleistungsuntersuchungen und letztlich auf die Bildungspolitik hat, wissen wir nicht", sagte Adey. "Bislang gibt es dazu keine empirische Forschung."

Diese Lücke will Addey mit ihrem Projekt schließen. Ihre qualitativen und quantitativen Daten sammelt Addey mittels "Network Ethnography", einer Mischung aus Netzwerkanalyse, qualitativen Interviews, Beobachtungen und vielem mehr. Addeys Ziel ist es, das Netzwerk der globalen ILSA-Akteure offenzulegen und die Art ihrer Beziehungen transparent zu machen.

Addey steht noch am Anfang ihrer Datenerhebung. Sie sagte aber, dass das Netzwerk der an den internationalen Schulleistungsuntersuchungen beteiligten Firmen und Personen relativ klein und abgeschlossen sei. Details aus den ersten Interviews, die Addey bislang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern relevanter Internationaler Organisationen geführt hatte, wollte Addey während des Vortrags nicht preisgeben. Dafür sei es noch zu früh. Interessierte könnten sich aber persönlich an sie wenden.

Zur Person:
Camilla Addey arbeitet als Lecturer am Teachers College der Columbia University in New York. Sie gehört zudem zum Leitungsteam des Laboratory of International Assessment Studies, einem interdisziplinären Netzwerk zu internationalen Schulleistungsuntersuchungen.

Der SFB 1342 sucht zum 01. September 2018 zwei studentische Hilfskräfte mit 10 Std./Woche für das Teilprojekt "Transnationale Dienstleistungserbringung in der Langzeitpflege zwischen West- und Osteuropa". 

Am DFG geförderten Sonderforschungsbereich "Global Dynamics of Social Policy" (Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik)“ (SFB 1342) sind im Projekt "B07: Transnationale Dienstleistungserbringung in der Langzeitpflege zwischen West- und Osteuropa (Prof. Dr. Karin Gottschall, Prof. Dr. Heinz Rothgang) folgende Stellen zu besetzen:

Studentische Hilfskraft mit 10 Std./Woche

Die Einstellung erfolgt voraussichtlich zum 01.09.2018 für einen Zeitraum von vier Monaten (eine Verlängerung wird angestrebt).

Ziel des Projekts ist es, die Einführung und Expansion von Sicherungssystemen bei Langzeitpflege in Bezug auf die Dienstleistungserbringung und die Rolle von Arbeitsmigration zu beschreiben und zu erklären. Untersuchungsländer sind ausgewählte Zielländer von Migration (Deutschland, Schweden, Italien und Polen) wie auch Herkunftsländer von Migrant*innen (Polen, Rumänien und Ukraine).

Aufgaben:

  • Mithilfe bei der Datenerfassung, -aufbereitung und -analyse
  • Literaturrecherche und -verwaltung
  • Mithilfe bei der Organisation und Durchführung von Workshops und Tagungen
  • Unterstützung bei der Planung der Feldarbeit


Voraussetzungen:

  • Grundkenntnisse in qualitativer und quantitativer Datenanalyse und entsprechenden Programmen
  • sozialwissenschaftliches Studium mit sehr guten Leistungen (BA/MA)
  • Interesse an theoretischen und empirischen Fragestellungen im Bereich der vergleichenden Wohlfahrtsstaats- und Arbeitsmarktforschung
  • Sehr gute Englischkenntnisse
  • Kenntnisse einer weiteren für das Projekt relevanten Sprache (rumänisch, italienisch, schwedisch, polnisch, ukrainisch) sind willkommen


Wir bieten:

  • Einblicke in ein interessantes Arbeits- und Forschungsfeld
  • Mitarbeit in einem freundlichen, interdisziplinären Team
  • Vergütung nach den für Studentische Hilfskräfte üblichen Sätzen an der Universität Bremen
  • Ggf. längerfristige Beschäftigungsperspektive und Möglichkeit das Thema der Abschlussarbeit projektnah zu wählen


Ihre Bewerbung mit kurzem Lebenslauf, einem Motivationsschreiben sowie einem aktuellen Transcript of Records senden Sie bitte als PDF-Dokument bis zum 15.08.2018 an Karin Gottschall, E-Mail: karin.gottschall@uni-bremen.de