Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.


Der SFB 1342 sucht 6 studentische Hilfskräfte für das Teilprojekt "Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen".

Der DFG-geförderte Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" sucht im Projekt A05 "Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen" Studierende für die Tätigkeit einer

studentischen Hilfskraft (30h im Monat).

Insgesamt sind 6 Stellen zu besetzen. Die Einstellung erfolgt voraussichtlich zum 15.06.2018 für einen Zeitraum von drei Monaten, ggfls. länger.

Das Aufgabengebiet umfasst vor allem die Unterstützung bei der Datenerfassung innerhalb des quantitativen Projektteils. Anhand von Dokumenten und Länderberichten werden historische und aktuelle Informationen über Bildungssysteme von über 160 Ländern erfasst. Interesse am oder sogar Vorkenntnisse im Bereich der Bildungssoziologie oder -politik sowie der Globalisierung sind erwünscht, aber keine Bedingung. Dasselbe gilt für Kenntnisse in quantitativen Methoden und Netzwerkforschung. Wünschenswert sind darüber hinaus Kenntnisse in Sprachen wie Französisch oder Spanisch.

Wir bieten einen Einblick in ein interessantes Arbeitsfeld sowie -thema und ein freundliches Team.

Die Vergütung erfolgt nach den für studentische Hilfskräfte üblichen Sätzen an der Universität Bremen.

Die Bewerbung sollte einen kurzen Lebenslauf und die Studienschwerpunkte bzw. -interessen der Bewerberin bzw. des Bewerbers umfassen. Es sollte zudem ein aktueller Auszug des transcripts of records beigelegt werden.

Einsendeschluss ist der 01.06.2018. Die Bewerbung soll per E-Mail erfolgen, zu senden an
Fabian Besche (fbesche@uni-bremen.de)
und Helen Seitzer (seitzer@uni-bremen.de).

Oleksandra Betliy, externe Länderexpertin des SFB 1342, hat ihre Analyse der ukrainischen Rentenreform in den Ukraine-Analysen veröffentlicht. Betliy kommt zu dem Schluss, dass weitere Reformen des Justiz- und Finanzsystems nötig sind.

Die Durchschnittsrente in der Ukraine zählt zu den niedrigsten in Europa, gleichzeitig sind die staatlichen Rentenverpflichtungen im Vergleich zum BIP sehr hoch. In den vergangenen 15 Jahren gab es mehrere Reformen des defizitären ukrainischen Rentensystems, die jüngste im Oktober 2017.

Oleksandra Betliy arbeitet als externe Länderexpertin für den SFB "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" und hat die Rentenreformen in der Ukraine analysiert. Ihre Ergebnisse hat sie in der aktuellen Ausgabe der Ukraine-Analysen veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Reformansätze vielversprechend sind, der langfristige Erfolg aber von Wirtschaftswachstum und Reformen des Justiz- und Finanzmarktsystems abhängen wird.

Oleksandra Betliy ist seit 2002 Leading Research Fellow am Institute for Economic Research and Policy Consulting in Kiew. Ihre Forschungsinteressen sind Finanzpolitik und Steuerprognosen sowie soziale Fragen, einschließlich der Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik. Als Länderexpertin beim SFB 1342 kooperiert sie vor allem mit dem Teilprojekt B06 "Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region".

Die Ukraine-Analysen werden gemeinsam herausgegeben von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung.

Kressen ThyenKressen Thyen
Kressen Thyen ging von der Uni zunächst in die Praxis und wechselte dann zurück in die Wissenschaft. Über die Gründe für ihren Karriereweg und über ihre Rolle im Projekt B09 spricht sie im Interview.

 

Wann wusstest du, dass du Wissenschaftlerin werden möchtest?

Das war bei mir eher ein Prozess. Ich habe mich immer für Forschung interessiert und bin gleich zu Beginn meines Studiums der Sozialwissenschaften in Berlin sowohl in Theorie- als auch Seminare zu empirischer Sozialforschung eingetaucht. Gleichzeitig hatte ich ein starkes Bedürfnis, Dinge zu bewegen und zu verändern: Ich war schon zu Schulzeiten politisch aktiv. Als ich dann meinen Master an der Sciences Po in Paris gemacht hatte, habe ich das Angebot zu promovieren ausgeschlagen und bin zunächst in die Praxis gegangen. Ich hatte schon parallel zum Master-Studium angefangen, als Consultant für die UNESCO zu arbeiten …

… worum ging es da?

Um Bildungsinitiativen in West- und Ostafrika. Mit einem Stipendium des Carlo-Schmid-Programms bin ich dann zum UNHCR nach Marokko gegangen und habe im Anschluss daran in Rabat an einem Projekt mitgearbeitet, bei dem es darum ging, eine private Hochschule für Politikwissenschaft aufzubauen: die heutige Ecole de Gouvernance et d’Economie. Das habe ich zweieinhalb Jahre gemacht. In der Zeit hatte ich viel Kontakt mit Professoren aus verschiedensten Ländern und habe irgendwann gedacht: Wenn ich in die Wissenschaft gehen möchte, dann jetzt oder nie. Das war der Zeitpunkt, an dem ich endgültig beschlossen habe, zu promovieren.

Aber was hat dich so gepackt, das du deine bisherige Laufbahn, in der du spannende Sachen gemacht hast, verlassen und an die Uni zu gehen wolltest?

Ich hatte immer das Gefühl, ich habe einen Fuß hier und einen Fuß dort. Und hatte zwischendurch schon mehrfach überlegt, wieder in die Forschung zu wechseln. Aber meine Ideen mussten etwas reifen. Als mir dann klar war, wozu ich genau arbeiten wollte, habe ich bei meiner Arbeit in Marokko gekündigt und mein Proposal geschrieben …

Du hast gekündigt, bevor du die Promotionsstelle sicher hattest?

Ja, ich brauchte ja Zeit, um das Proposal zu schreiben und mich zu bewerben. So etwas macht man nicht einfach mal so nebenbei auf einer vollen Stelle. Ich habe dann mit dem Entwurf Kontakt zu einem Professor in Tübingen aufgenommen und daraus mit ihm einen Projektantrag für die Volkswagenstiftung entwickelt, der auch durchgegangen ist, und so meine Stelle geschaffen. Dann ging es 2012 los mit Projekt und Promotion. Promoviert habe ich zum Thema „Legitimacy in Contention: Arab Autocracies, Youth Protest and the European Union“, genauer zu Fragen der politischen Legitimität aus dem Blickwinkel drei zentraler Akteure während der 2011er-Proteste in der Region.

Du sagtest vorhin, das du schon als Schülerin politisch engagiert warst. Was waren deine Themen?

Das übliche Ende der Neunziger: Demos gegen rechts, Fragen von Flucht und Asyl. Ich habe Kirchenasyl unterstützt und war auch mal kurz bei der Linken Jugend Lübeck (lacht).

Bist du noch politisch engagiert?

Derzeit nicht regelmäßig, aber ich habe immer mal wieder Aktivitäten im Bereich der politischen Bildung angeboten oder auch öffentliche Vorträge gehalten. Ich bin in den letzten Jahren einfach zu viel unterwegs gewesen und zu viel umgezogen, als dass ich mich an einem Ort hätte fest einbringen können. In Berlin habe ich, wie viele andere auch, zu Beginn der großen Flüchtlingswelle in den Erstaufnahmeeinrichtungen in der Küche geholfen. Aber das war nur begrenzt.

Nun bist du in Bremen gelandet. Was ist deine Rolle im Projekt?

Das Projekt, das von Klaus Schlichte und Alex Veit geleitet wird, beschäftigt sich mit Aufstieg, Zerfall und Renaissance von Sozialpolitik in Afrika. Es werden sechs Fälle verglichen, darunter zwei nordafrikanische. Meine Aufgabe wird sein, die Entwicklungen und Mechanismen, die wir identifiziert haben, am Beispiel Tunesien zu untersuchen. Das ganze Projekt ist sehr empirisch angelegt, wir werden also viel Zeit in den Ländern verbringen.

Wie geht ihr vor Ort vor, wie erhebt ihr eure Daten?

Wir werden mit verschiedenen Akteursgruppen sprechen. In Tunesien sind das Experten, Vertreter aus Ministerien, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft. Wir wollen bei dem Projekt auch einen historischen Blick entwickeln, deshalb gehört auch Archivarbeit dazu. Wir werden untersuchen, was von den ersten Grundzügen von Sozialpolitik, die schon in der Kolonialherrschaft eingeführt worden sind, übernommen wurde und was sich im Zuge der Staatenbildung und in Auseinandersetzung mit verschiedenen sozialen Gruppen verändert hat. Und welche Folgen externe Einflüsse, z.B. Strukturanpassungsmaßnahmen hatten. Im Fall Tunesien wird auch interessant sein zu sehen, ob die Transition von einer Autokratie zur Demokratie zur Folge hatte, dass soziale Forderungen jetzt stärker geltend gemacht werden können.

Du bist viel in Nordafrika unterwegs. Warum dieser Forschungsschwerpunkt?

Mein Fokus auf Nordafrika kam erst im Anschluss an mein Studium. Abgesehen davon, dass ich gerne und viel reise, interessiere ich mich schon lange dafür, welche Konsequenzen die internationale und insbesondere europäische Einmischung in andere Räume hat. Daneben haben mich, wie gesagt, die Themen Migration, Flucht und Asyl früh beschäftigt und in dem Zusammenhang auch Fragen zu autoritärer Herrschaft. Letzteres speist sich bestimmt auch aus meinem Interesse für die deutsche Geschichte. Ich hatte zwar während des Studiums Arabisch gelernt, aber die Spezialisierung auf Nordafrika entwickelte sich tatsächlich erst, als ich lange in Marokko gelebt und gearbeitet habe.

Ali Hamandi von der Harvard University sprach in einer gemeinsamen Veranstaltung des SFB 1342 und des SOCIUM über die politischen Bestrebungen in den USA, Langzeitpflege vermehrt ambulant in den Privathaushalten der Bedürftigen zu erbringen.

Am 23. April 2018 war Ali Hamandi, Stipendiat der Trudeau Foundation und Doktorand an der Harvard University, zu Gast am SFB 1342 und am SOCIUM. Vor einem guten Dutzend Bremer Kolleginnen und Kollegen sprach Hamandi über "Long-Term Care in the US: Lessons to be learned". Er gab dabei zunächst einen umfassenden Überblick über das stark fragmentierte und komplexe System von Dienstleistungen, Programmen und Finanzierungsmodellen von Langzeitpflege in den 50 US-Bundesstaaten.

In den letzten Jahren sei in den USA ein wachsendes Interesse an der "Neugewichtung" („rebalancing“) der Alten- und Behindertenpflege zu beobachten: Pflegeleistungen sollen demnach, wenn möglich, vermehrt im Privathaushalt der Bedürftigen erbracht werden (Home Care Based Services, HCBS). Angesichts der eingeschränkten Autonomie und der hohen Kosten, die mit institutioneller Pflege in Heimen verbunden sind, würden ambulante Pflegedienste (HCBS) von den Pflegebedürftigen im Allgemeinen bevorzugt und zunehmend auch als eine Frage der Bürgerrechte älterer und behinderter Menschen angesehen.

Bislang, sagte Hamandi, sei die Finanzierung und Bereitstellung von HCBS hauptsächlich auf die Medicaid-Programme der Bundesstaaten beschränkt, wodurch nur solche ältere und/oder behinderte Menschen diese Art der Pflege in Anspruch nehmen können, deren (finanzielle) Bedürftigkeit geprüft und bestätigt wurde. Daher bleibe die Frage des ungedeckten Bedarfs trotz der Bemühungen um eine Pflege-Neugewichtung eine anhaltende Herausforderung in den USA.

In seinem Vortrag stellte Ali Hamandi eine Reihe von Fragen zur mangelnden Evidenz der These, dass ambulante Pflegemaßnahmen im Privathaushaushalt volkswirtschaftlich kostengünstiger seien als stationäre Alternativen. Hamandi wies zudem hin auf die Herausforderungen für Staaten mit einem überproportionalen Anteil älterer und kranker Bevölkerungsgruppen, für die eine institutionelle Pflege unvermeidbar und sogar zu bevorzugen sei. Hamandi betonte auch die potenzielle Rolle so genannter "Tipping Points", an denen der Pflegebedarf so groß wird, dass die Pflegebedürftigen selbst die Aufnahme in ein Pflegeheim gegenüber der Pflege im eigenen Haushalt bevorzugen.

Bei dem Versuch, Lehren aus dem Beispiel der USA zu ziehen, argumentierte Hamandi, dass die unterschiedliche Höhe der finanziellen Mittel und Pflegeleistungen in den einzelnen Staaten zwar Gerechtigkeitsfragen aufwerfe, die Dezentralisierung jedoch innovative Praktiken und die Befriedigung lokaler Bedürfnisse ermöglichen könne.

Nach seiner Dissertation im Sommer wird Ali Hamandi als Referent für Sozialpolitik zur Weltbank in Washington D.C. wechseln.

Der SFB 1342 sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine wissenschaftliche Mitarbeiterin/einen wissenschaftlichen Mitarbeiter im Bereich Informatik/Human Computer Interaction für das Teilprojekt A01.

Post-Doctoral Researcher in Informatics / Human Computer Interaction
Salary Scale TV-L 13 (100%), start date: as soon as possible.
The position is a fixed term position until December 31, 2021.
Reference number: A11/18

The position is part of the Collaborative Research Center “Global Dynamics of Social Policy” (Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik) funded by the German Research Foundation and will be located within the project A01: Measuring the global dynamics of social policy and cross-national interdependencies—Co-Creating the Global Welfare State Information System (WeSIS).

Responsibilities
As human-computer interaction researchers, our research question will focus on co-creation and the empowerment of social scientists. Our collaboration with world-class social scientists gives you the chance to work on exciting real-world problems. We position ourselves in the emerging field of computational social science, which is an umbrella term for the adoption of computational methods by social scientists. Together with a large group of social scientists, we will build the information system that gives a holistic picture of the global welfare state.

Your role is defined as building a bridge between technology and the user by improving the user experience of visualizations. For this, we are looking for a computer scientist interested in data science, i.e. machine learning and visualization. Your focus will be on the user-centered design and development of novel data visualization tools. Together with your project partners, you will be part of the development of the information system, which will be made available as a web platform. You will support creating the database management system and the basis system infrastructure.

As a postdoctoral researcher, you will be responsible for the system’s architecture, the co-creation processes and the support of doctoral and student researchers. Additionally, you will be able to pursue your own research activities to qualify for a future academic career.

Project Description
The CRC comprises 15 projects and is divided into two sections. Projects in section A mainly rely on macro quantitative techniques to analyse and explain social policy dynamics in a global perspective. In the projects of section B, the mechanisms that link international interdependencies and national determinants to the spread, inclusiveness, and generosity of social policy dynamics are analysed by applying qualitative case study analyses.

Project A01 aims to quantify the dynamics of socio-political interdependencies between countries on a global scale. For this, a web-based information system will be developed, which allows a comprehensive analysis of such interdependencies and which will empower social scientists to leverage state-of-the-art machine learning and visualization tools. This system will be co-created by an interdisciplinary team of political scientists, geographers, and computer scientists. Together, we will envision, implement and evaluate novel software tools and techniques. The web-based information system will be the first to enable the dynamic measurement of social policy and horizontal and vertical interdependencies between countries on a global scale. WeSIS will also aggregate the findings of the collaborative research center in a central space. Eventually, WeSIS will contain data on social policy, country-specific characteristics, and political, economic, and social interdependencies across states as well as the countries’ integration into International Organisations.

Requirements

  • Ph.D. degree or equivalent in Computer Science, Human-Computer Interaction, Digital Media, Media Informatics, or a related field
  • experience with user-centered and participatory design
  • experience with computational social science
  • experience in database design and development
  • interest in advancing social science by envisioning novel visualization tools
  • programming skills in Python, Ruby, Java, or equivalent object-oriented programming language
  • Level C1 in English
  • Level B2 in German and interest in extending to C1


Desirable

  • proven experience with web development
  • proven experience with co-creation


The University of Bremen has received a number of awards for its diversity policies and offers a family-friendly working environment as well as an international atmosphere.
The University is committed to a policy of providing equal employment opportunities for both men and women alike, and therefore strongly encourages women to apply for the positions offered. Applicants with disabilities will be considered preferentially in case of equal qualifications and aptitudes. The University of Bremen explicitly invites individuals with migration backgrounds to apply.

If you have any questions regarding the position, please contact Prof. Dr. Andreas Breiter (abreiter@uni-bremen.de).


Applications including a cover letter, a short letter of intent (up to three pages) explaining your own motivations and possible research questions, CV, as well as copies of degree certificates, should be submitted by May 18th, 2018, to

Information Management Research Group
Prof. Dr. Andreas Breiter
Am Fallturm 1 (Entrance F)
D-28359 Bremen

or by Email: Miss Ewa Zoschke (e.zoschke@uni-bremen.de)

The costs of application and presentation cannot be reimbursed.

Svenja GödeckeSvenja Gödecke
Svenja Gödecke erzählt, wie sie sich auf ihre Doktorarbeit vorbereitet, warum Europa sie so fesselt und welche Aufgaben sie im Teilprojekt B04 übernimmt.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Wissenschaftlerin geworden wärest?

Gute Frage - ich habe ja erst im vergangenen Sommer meinen Masterabschluss gemacht. In den letzten Semestern meines Studiums hatte sich herauskristallisiert, dass ich auf jeden Fall in der Wissenschaft arbeiten möchte, zumal mich auch die Lehre sehr interessiert. Daher gab es für mich eigentlich keine Alternative. Mit einer kleinen Ausnahme vielleicht: In Brüssel habe ich ein Praktikum im Bereich Lobbying bei einem deutschen Wirtschaftsverband gemacht. Während des Praktikums konnte ich die EU "live" vor Ort erleben, statt über Verfahren und Akteure nur zu lesen. Das war sehr interessant, aber auch eine völlig andere Welt als die Arbeit an der Universität. In diesem Bereich zu arbeiten, hätte ich mir für eine gewisse Zeit auch vorstellen können. Währenddessen hätte ich aber trotzdem gern promoviert. Den Bezug zur Wissenschaft hätte ich auf keinen Fall verlieren wollen.

Du hast Europäische Studien und später Europäisches Regieren studiert. Warum diese räumliche Spezialisierung?

Den Bachelor Europäische Studien fand ich interessant, weil er interdisziplinärer ist. Ich konnte mein Interesse für Politik und Politikwissenschaft befriedigen und gleichzeitig unterschiedliche Sprachen lernen und juristische und wirtschaftliche Einblicke gewinnen. Hinzu kommt, dass ich die Entwicklung der Europäischen Integration und die Wirkungen der EU auf ihre Mitgliedstaaten besonders interessant finde. Es ist spannend zu sehen, wie aus dem Zusammenschluss von anfangs lediglich sechs Staaten ein international einzigartiges Gebilde wie die EU werden konnte - mit Kompetenzen in mittlerweile nahezu allen Politikbereichen. Dieses Interesse hat sich immer weiter gefestigt, sodass ich dann auch den Master Europäisches Regieren gemacht habe.

Was wird eine deine Aufgabe sein im SFB?

Ich bin eine von zwei Doktorandinnen bei Prof. Schmidt und ich werde mich mit der EU und dem Mercosur in Lateinamerika auseinandersetzen. Ich beschäftige mich mit der Arbeitsmigration und schaue, welche Festlegungen und Vereinbarungen es jeweils innerhalb der EU und dem Mercosur gibt, um später beispielsweise zu erklären, welche Rückwirkungen diese auf die Nationalstaaten haben.

Wie wirst du bei deiner Forschungsarbeit vorgehen?

Erst einmal muss ich mich sehr intensiv einlesen, denn mit dem Mercosur habe ich mich bislang noch nicht beschäftigt. Auch Arbeitsmigration ist ein relativ neues Feld für mich. Daher werde ich in der nächsten Zeit vor allem lesen, lesen, lesen. Dann kann ich entscheiden, wie es weitergehen wird. Wobei meine Arbeit höchstwahrscheinlich qualitativ sein wird: Ich werde Interviews mit Experten machen, vermutlich auch vor Ort in Lateinamerika und in Brüssel. Aber die Details sind noch offen.

Auf wie lange ist deine Doktorarbeit angelegt?

Mein Vertrag läuft drei Jahre. Die Doktorarbeit wird vermutlich in der zweiten Hälfte dieses Jahres offiziell beginnen. So lange bereite ich mich durch Literaturrecherche bestmöglich vor.

Zur Person:
Nach ihrem Abitur im Jahr 2011 hat Svenja Gödecke an der Universität Osnabrück zunächst Europäische Studien mit dem Nebenfach Rechtswissenschaften studiert. Nach ihrem Bachelorabschluss machte sie den Master Europäisches Regieren. Ihre Masterarbeit, die sich mit der Europäisierung der Sportpolitik auseinandersetzt, wurde im März 2018 mit dem Alumni-Förderpreis Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück ausgezeichnet.


Kontakt:
Svenja Gödecke
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67465
E-Mail: svgo@uni-bremen.de

Prof. Dr. Tobias ten BrinkProf. Dr. Tobias ten Brink
Auf einer Konferenz an der Columbia University hat Tobias ten Brink die Pläne des SFB-Projekts zu Chinas Sozialpolitik vorgestellt und mit international führenden Experten diskutiert.

Am China Center for Social Policy der Columbia University hat Tobias ten Brink an der Konferenz „Expanding Social Policy in China“ teilgenommen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion hat ten Brink dabei das SFB-Teilprojekt „Entwicklungsdynamiken chinesischer Sozialpolitik: Das Zusammenspiel nationaler und internationaler Einflüsse“ vorgestellt.

„In den vergangenen fünfzehn Jahren hat die chinesische Regierung massiv in den Ausbau des Sozialsystems investiert, viele Bürger haben erstmals Zugang zu Sozialleistungen erhalten“, sagt Tobias ten Brink, der an der Jacobs University Bremen stellvertretend das Center for the Study of China & Globalization leitet. Zwar sei das Niveau der chinesischen Sozialleistungen gering im Vergleich zum Westen, aber doch höher als in anderen Schwellenländern wie etwa Indien.

Das Teilprojekt B05 leitet ten Brink gemeinsam mit Tao Liu vom Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Neben nationalen Faktoren wie Wirtschaftswachstum, Demographie oder Binnenmigration wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie sich internationale Einflüsse auf die Gestaltung nationaler Politik auswirken. „Die chinesische Regierung und Fachleute beobachten seit Jahrzehnten genau, was in anderen Ländern passiert, auch in Europa, und sie verbinden seitdem internationale Vorbilder mit eigenen sozialpolitischen Traditionen zu einem eigentümlichen System sozialer Sicherung“, sagt ten Brink.

"Mit der Präsentation in New York konnten wir Teile der US-amerikanischen Social Policy Community, hier insbesondere China/Ostasien-Interessierte, für unser Chinateilprojekt und den SFB insgesamt interessieren", sagt ten Brink. "Der SFB wurde mit großem Interesse aufgenommen, zumal in den USA zurzeit eine derart umfangreiche Förderung für die Untersuchung von Sozialpolitik laut den Teilnehmern kaum vorstellbar sei." Die Konferenz diente zudem dazu, Kooperationsbeziehungen mit Forscherinnen und Forschern aus dem angelsächsischen Raum zu vertiefen.


Kontakt:
Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Michael LischkaMichael Lischka
Michael Lischka im Gespräch über geographische Brillen und seine Aufgaben im Teilprojekt A01.

Was wärest du geworden, wenn du nicht Wissenschaftler/Geograph geworden wärest?

Ich habe ursprünglich angefangen, Soziale Arbeit zu studieren. Das Studium war aber sehr stark auf Deutschland fixiert, und ich bin unglaublich gern gereist – das passte nicht so gut zusammen mit meiner Neugierde. Da sagte ein befreundeter Student zu mir, als wir uns darüber unterhalten hatten: „Ich studiere Geographie, das müsste auch zu dir passen.“ Daraufhin habe ich angefangen, parallel zu Soziale Arbeit auch Geographie zu studieren, um zu schauen, ob das etwas für mich ist. Kurzum: Wäre ich nicht in die Wissenschaft gegangen, wäre ich heute wohl Sozialarbeiter. Aber die Geographie hat mich einfach gepackt, da bin ich nicht mehr rausgekommen. Wenn man die Welt verstehen will und Perspektivenwechsel mag, gibt es eigentlich auch nichts Besseres.

Was reizt dich so sehr an der Geographie?

Die Geographie eröffnet sehr viele Blickwinkel auf unterschiedlichen Maßstabsebenen, auf unterschiedliche vielschichtige Themen. Das Fach hat ja eine riesige Bandbreite: Kulturgeographie, Wirtschaftsgeographie, Sozialgeographie, Physische Geographie usw. Das hängt alles miteinander zusammen. Als Geograph kann ich verschiedene Brillen aufsetzen, je nachdem in welchem Thema und auf welcher Maßstabsebene ich denken möchte, das hilft auch im privaten Bereich. Natürlich ist die Wahl von Gestell und Linse nicht beliebig, sondern wohl durchdacht. Die wirtschaftsgeographische passt mir am besten und hat meine Sehstärke, würde ich sagen. Während meines Masters habe ich zu ländlichen Räumen im Globalisierungskontext studiert: Da ging es z.B. um kleinbäuerliche Strukturen in Entwicklungsländern und wie diese durch den globalen Markt beeinflusst werden und umgekehrt, welche Gefahren und Chancen dadurch entstehen bis hin zu Treibenden der Globalisierung, Machtverteilung in ökonomischen Verflechtungsmustern und vieles mehr. Generell gesprochen: Wissen auf vielen Ebenen zu generieren, das auch Folgen und Wirkungen aufzeigt – das ist für mich Inbegriff der Geographie.

Und welche Aufgaben übernimmst du im SFB?

Ich arbeite im A01-Projekt sehr eng mit Ivo Mossig zusammen. Wir untersuchen zwischenstaatliche Verflechtungen auf unterschiedlichen Ebenen. Wir konzentrieren uns zunächst auf die ökonomischen Verflechtungen: Wer ist in welcher supranationalen Organisation miteinander verbunden? Welche Freihandelsabkommen gibt es? Diese makroökonomischen Strukturen und einige andere ökonomische Parameter wollen wir bestmöglich vermessen und bestmöglich darstellen. Gleichzeitig erarbeiten wir Analysemethoden mit der Informatik zusammen, um einen Gehalt daraus ziehen zu können. Die momentane wirtschaftsgeographische Globalisierungsforschung ist sehr stark auf Prozesse und weniger auf Outcomes konzentriert.

Wie sieht das konkret aus?

Derzeit mache ich eine Netzwerkanalyse mit allen Staaten der Welt und schaue, wie sie miteinander über Handel verbunden sind. Dann hat man ein tolles Netzwerk: Einige Staaten sind in der Mitte, andere in der Peripherie. Aber was bedeutet es, dass China, die USA und Deutschland relativ in der Mitte sind und Russland vor ein paar Jahren aus dem Zentrum abgewandert ist? Oder dass die BRIC(S)-Staaten näher an den Kern drängen, während etablierte Staaten ihre Stellung verändern? Die Dynamiken dieser und anderer wirtschaftlicher Verflechtungen zu verstehen und deren Bedeutung in verschiedenen Kontexten herauszuarbeiten, ist unsere Kernaufgabe. Damit liefern wir Input für die anderen Teilprojekte, die die Entwicklung von Sozialpolitik untersuchen. Denn für viele andere Projekte ist die wirtschaftliche Verflechtung die x-Variable - und wir im Projekt A01 untersuchen quasi die x-Variable dieser x-Variable.


Zur Person:
Michael Lischka ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt A01 und promoviert in der Arbeitsgruppe Wirtschafts- und Sozialgeographie am Institut für Geographie der Universität Bremen. Im Teilprojekt A01, das von Andreas Breiter, Ivo Mossig und Carina Schmitt geleitet wird, ist Lischka am Aufbau des „Global Welfare State Information Systems (WeSIS)“ beteiligt.

Lischka hat an der Universität Vechta Geographie studiert und seinen Master in „Geographien ländlicher Räume – Wandel durch Globalisierung“ gemacht. Seine Dissertation erarbeitet er themennah im Rahmen des SFBs.


Kontakt:
Michael Lischka
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
E-Mail: lischka@uni-bremen.de

Dr. Teresa HuhleDr. Teresa Huhle
Teresa Huhle über ihre Spurensuche in Archiven, spannende Gespräche, die dort entstehen, und ihre Aufgaben im Teilprojekt B02.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Wissenschaftlerin geworden wärest?

Als ich anfing, Regionalwissenschaften Lateinamerika in Köln zu studieren, hatte ich zwei Dinge vor Augen: entweder Journalismus oder Arbeit für internationalen Organisationen im Bereich Menschenrechte bzw. Entwicklungszusammenarbeit. Das waren aber keine konkreten Pläne, sondern nur vage Vorstellungen.

Warum bist du dann Historikerin geworden?

Von der ersten Hausarbeit an hat mir mein Studium großen Spaß gemacht, besonders das Fach Geschichte - ich hatte noch Politik und Spanisch als gleichwertige Fächer. Es waren dann vor allem zwei Phasen, in denen ich gemerkt habe, dass ich gerne geschichtswissenschaftlich arbeiten möchte: ein Praktikum in Nordspanien und später meine Diplomarbeit. Im Praktikum ging es um die Opfer des spanischen Bürgerkriegs. Einerseits habe ich Archivrecherche gemacht und dabei vor allem Sterberegister durchgeschaut; auf der anderen Seite habe ich Interviews mit Menschen geführt, die sich daran erinnern konnten, wo es anonyme Massengräber gibt. In diesem Praktikum konnte ich also historische Arbeitsweisen vor Ort kennenlernen. Später habe ich meine Diplomarbeit über die US-amerikanische Beteiligung am spanischen Bürgerkrieg geschrieben. Dafür war ich längere Zeit in San Francisco und New York, wo ich in einem Archiv zu Gewerkschaften und anderen linken Bewegungen in den USA gearbeitet habe. Das war eine tolle Erfahrung! Ab da war klar, dass ich diese Arbeit weitermachen möchte.

Was gefällt dir am Studium von Akten und anderen Dokumenten?

Ich mag die einsame Seite der Archivarbeit, das konzentrierte Lesen und Entdecken von Dokumenten. Gleichzeitig sind Archive auch Orte, an denen sich sehr viele Menschen aus unterschiedlichen Gegenden begegnen und an denen spannende Gespräche entstehen.

Dein Schwerpunkt als Historikerin ist Lateinamerika. Warum ausgerechnet diese Region?

Ich hatte schon vor dem Studium großes Interesse an Lateinamerika und versprach mir von dem Studium viele Gelegenheiten, dorthin zu reisen. Nach den Ausflügen in die spanische und US-amerikanische Geschichte wollte ich für die Doktorarbeit dann gerne zu Lateinamerika arbeiten. In Bremen hatte ich die Chance zur Geschichte Kolumbiens zu promovieren und dabei auch Verbindungen in die USA zu betrachten. Bei meinen Forschungsreisen nach Kolumbien fand ich vor allem den Austausch mit den dortigen Kolleginnen und Kollegen sehr inspirierend. Die Wissenschaftskultur ist eine andere, die Universitäten sind politisierter, als ich es aus Deutschland kannte.

Was ist nun deine Aufgabe im SFB?

Ich arbeite in einem Teilprojekt, in dem wir die Genese staatlicher Sozialpolitik in den Ländern Uruguay, Argentinien und Chile untersuchen. Das Projekt hat vier Arbeitspakete, von denen ich eines übernehme: das zu Uruguay. Ich schaue mir die frühe staatliche Sozialpolitik von Uruguay an, vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1930er-Jahre. Ich frage vor allem danach, wie, warum und mit welchen Effekten der Staat sich in den Bereichen Gesundheit und Arbeit eingesetzt hat - und welchen anderen Organisationen er diese Aufgaben abgenommen hat: konkret der Kirche und der Philanthropie.
Außerdem arbeite ich an einem zweiten Arbeitspaket mit, in dem untersucht wird, welche Rolle die Internationale Arbeitsorganisation ILO in der Ausbildung der Sozialpolitik der drei Länder gespielt hat.

Wie wirst du bei deiner Forschungsarbeit vorgehen?

Bei dieser Epoche kann ich keine Zeitzeugen mehr befragen, daher steht für mich als Historikerin die Archivarbeit im Vordergrund. Wir untersuchen die transnationalen Faktoren, gehen also z. B. der Frage nach: Mit wem standen uruguayische Medizinerinnen und Mediziner in Kontakt in anderen Ländern und internationalen Organisationen? Das bedeutet für mich eine sehr internationale Archivarbeit. Ich werde nach Uruguay fahren, aber auch in europäische Archive, das ILO-Archiv in Genf und auch in die USA. Am Anfang geht es darum zu identifizieren, wer die zentralen Akteurinnen und Akteure waren, mit wem sie in Kontakt standen und wie der Wissensaustausch stattfand. Teilweise gibt es dazu Anhaltspunkte, teilweise ist das aber vollständig offen. Ich muss mich von meinen Archivreisen überraschen lassen.

Wann rechnest du mit ersten Ergebnissen?

Ich werde dieses Jahr ausgiebige Forschungsreisen machen. Publizierbare Ergebnisse werde ich daher wahrscheinlich erst im kommenden Jahr haben. Aber von jeder Reise hoffe ich, Ergebnisse auf Vortragsebene mitbringen zu können.

Zur Person:
Teresa Huhle ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen. Im Teilprojekt B02, das von Delia González de Reufels geleitet wird, untersucht Huhle die Entwicklung der frühen staatlichen Sozialpolitik in Uruguay. 2015 promivierte Teresa Huhle an der Universität Bremen zu Thema "Bevölkerung, Fertilität und Familienplanung in Kolumbien zur Zeit des Kalten Krieges: Eine transnationale Wissensgeschichte". Zuvor hatte Huhle hat an der Universität Köln Regionalwissenschaften Lateinamerika studiert mit den Fächern Iberische- und Lateinamerikanische Geschichte, Anglo-Amerikanische Geschichte, Politikwissenschaft und Spanisch.


Kontakt:
Dr. Teresa Huhle
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57062
E-Mail: teresa.huhle@uni-bremen.de

Dr. Nils DüpontDr. Nils Düpont
Nils Düpont im Gespräch über die Faszination Politikwissenschaft, Präferenzen von Autokraten und seine Aufgabe im Teilprojekt A01.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Politikwissenschaftler geworden wärest?

Ich weiß gar nicht, ob ich etwas Anderes hätte werden wollen. Ich habe schon in der Oberstufe - befeuert durch zwei gute Lehrer - Interesse an Politik entwickelt und dann konsequenterweise auch Politikwissenschaft studiert. Da war schnell klar, dass es nach dem Magisterabschluss weitergehen soll. Wenn ich aus heutiger Perspektive zurückblicke, denke ich manchmal: Vielleicht hätte man auch etwas ganz Anderes machen können; etwas Handwerkliches, Instrumentenbauer vielleicht. Ich finde es schön, dass mich mein Beruf vom Kopf her fordert. Aber an manchen Tagen besteht mein ganzes Tagwerk darin, dass ich fünf Zeilen programmiert habe. Das hat dann meine Arbeit zwar riesig nach vorne gebracht, aber wenn ich das anderen Leute erzähle … So gesehen wäre ein Handwerk, bei dem man etwas Greifbares produziert, etwas für mich gewesen. Aber die Frage hat sich nie gestellt.

Nach der Schule Politikwissenschaft zu studieren, ist das eine; was hat dich an dem Fach so fasziniert, dass du es zu deinem Beruf gemacht hast?

Politikwissenschaft erfordert eine ganz eigene Art zu denken, die mir gut liegt. Hinzu kam ein günstiges Umfeld. Ich habe eine Hausarbeit geschrieben und wurde gefragt, ob ich studentische Hilfskraft werden will. Damit kam das Interesse für Zahlen und die empirisch-analytische Politikwissenschaft hinzu. Ich habe mich in diesen Bereich eingelesen, und im Laufe der Zeit formt das, was man liest, ja auch die eigene Art zu denken. Durch diese Brille ist der Berufswunsch dann entstanden. Daher würde ich heute sagen: Ich interessiere mich für Politik, meine Denkweise dabei ist aber politikwissenschaftlich.
Was mich an Politik- und Sozialwissenschaften generell fasziniert: Trotz der immensen Unterschiede zwischen den Menschen kann man Ähnlichkeiten und Muster im Verhalten feststellen. Dadurch sind sich die Menschen doch viel ähnlicher, als sie selbst glauben wollen. Diese Muster aufzudecken, hat mich immer fasziniert: menschliches Verhalten zu erklären durch eine Handvoll Handlungsanweisungen oder Variablen. Natürlich ist menschliches Verhalten dadurch nicht determiniert, aber doch ein Stück weit prägt. Damit kann man eine Menge erklären.

Welche Aufgaben übernimmst du im SFB?

Ich bin aktuell dabei, meine genaue Rolle ein Stück weit selbst zu definieren. Aber es geht um den Themenkomplex der nationalstaatlichen Akteure in der Sozialpolitik. Sozialpolitik ist natürlich in internationale Verflechtungen eingebettet, aber am Ende sind es immer noch nationale Akteure, die entscheiden. In parlamentarischen Regierungssystemen sind es von Parteien gebildete Regierungen, in Autokratien oder Diktaturen sind es eben Autokraten oder Diktatoren. Die Frage ist: Wie stark wird das Handeln der Akteure von globalen Zusammenhängen beeinflusst? Ich sehe meine Rolle im SFB darin, die ideologische Vermessung der Welt anzugehen. Bislang lag bei solchen Fragen der Fokus auf hochentwickelten Industriestaaten. Die politischen Präferenzen der Regierungen ließen sich relativ leicht via Parteien bestimmen. Ich möchte nun Verfahren entwickeln, mit denen man die politischen Präferenzen der Akteure in anderen Systemen, wie Autokratien und Diktaturen, bestimmen kann. Dafür hoffe ich von den Informatikern im Teilprojekt Input zu bekommen: damit ich via Machine Learning Texte auswerten kann nach bestimmten Kategorien, die wir schon von den Industriestaaten kennen. Ich möchte dann überprüfen, ob wir die Kategorien auf Autokratien und Diktaturen übertragen können, oder ob wir da in komplett neuen Kategorien denken müssen.

Kannst du ein Beispiel geben?

Die politischen Akteure der westlichen Welt lassen sich auf einer großen Links-Rechts-Dimension verorten - mal die Debatte außer Acht gelassen, wie substanziell das noch ist. Aber funktioniert das auch für andere Weltregionen? Vielleicht klappt das noch mäßig für Südamerika, aber im asiatischen Raum ist die Frage, ob man ideologische Konfliktthemen nicht komplett neu denken muss. Meine Rolle wird sein, das aufzuarbeiten und damit wiederum innerhalb des A-Projektbereiches Input in die anderen Projekte zu liefern. Die Kolleginnen und Kollegen wollen ja sozialpolitische Entscheidungen erklären, und dabei spielen die nationalstaatlichen Akteure eine entscheidende Rolle.

Zur Person:
Dr. Nils Düpont ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik". Im Teilprojekt A01, das von Andreas Breiter, Ivo Mossig und Carina Schmitt geleitet wird, ist Nils Düpont am Aufbau des "Global Welfare State Information Systems (WeSIS)" beteiligt. Nils Düpont hat an der Universität Greifswald Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Skandinavistik studiert und mit dem Magister Artium abgeschlossen. Anschließend promovierte er im Fach Politikwissenschaft zum Thema "(Ir)Rational Choices? The Impact of Learning on Party Policy Moves". Vor seinem Wechsel zum SFB 1342 hat Nils Düpont am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen den Aufbau eines Masterzentrums vorangetrieben.


Kontakt:
Dr. Nils Düpont
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57060
E-Mail: duepont@uni-bremen.de