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Alex Nadège Ouedraogo, Doktorandin in Teilprojekt B09, war vier Wochen im Senegal. In Dakar und Casamance recherchierte sie zum Thema ihrer Doktorarbeit: Sozialpolitik in Bezug auf Ernährungssicherheit.

Nadège, du bist kürzlich von einer Forschungsreise zurückgekehrt. Wo warst du genau?

Ich war in Dakar und Ziguinchor, einer Stadt im Süden Senegals, in der einige Jahre lang Konflikte herrschten. Aber jetzt scheint alles ruhig zu sein.

Was war der Zweck deiner Reise?

In der ersten Woche war ich an einer Summer School in Dakar, die vom Council for the Development of Social Science Research in Africa (CODESRIA) und dem Centre for African Studies Basel (CASB) organisiert wurde. Das Thema war: "African Studies and Africanists: Whence the Gaze?". Da meine Eltern aus Burkina Faso stammen, interessiere ich mich sehr für die Zusammenarbeit mit afrikanischen Wissenschaftlern in Afrika. Es war großartig, mit Doktoranden vom afrikanischen Kontinent umgeben zu sein. Ich habe viel über die Arbeit an der Promotion und über Forschung in Afrika gelernt. Danach blieb ich eine weitere Woche in Dakar, um Informationen zu Archiven zu sammeln und persönliche Netzwerke aufzubauen. In der dritten Woche bin ich in den Süden gereist, um die Region zu erkunden und kennenzulernen, und kam für die letzte Woche nach Dakar zurück. Die letzten drei Wochen meiner Reise standen in direktem Zusammenhang mit meiner Doktorarbeit und der Forschung in unserem B09-Projekt, während es in der ersten Woche eher darum ging, Forscherin im afrikanischen Kontext zu sein.

Worum geht es in deiner Forschung?

In unserem Projekt B09 arbeiten wir zur Sozialpolitik in Afrika, und in meinem Fall geht es um die Sozialpolitik mit Bezug zu Ernährungssicherheit. Die Reise in den Senegal hat mir sehr geholfen, einen spezielleren und originelleren Blickwinkel zu finden, aus dem ich meine Forschung angehen kann.

Inwiefern hat dir die Reise da geholfen?

Ich habe vor Beginn meiner Recherchereise keine Termine für Interviews vereinbart. Ich wollte mir einen ersten Eindruck davon verschaffen, was auf lokaler Ebene vor sich geht. Ich wollte nicht sofort an die Regierung oder NGOs herantreten, sondern mich Menschen aus der der lokalen Bevölkerung treffen und mit ihnen sprechen. Das habe ich auch gemacht.

Konntest du bereits Informationen oder Daten sammeln, die du für deine Forschung verwenden kannst?

Keine konkreten Daten. Aber ich weiß jetzt, in welche Richtung ich meine Forschung gehen soll. Es hat mir sehr geholfen, mit vielen Leuten vor Ort zu sprechen, mit ihnen auf dem Markt zu sitzen. Ich habe auch einige Haushalte von Leuten besucht, die ich kennengelernt habe. Ich habe mit den Menschen darüber gesprochen, was sie über Sozialpolitik denken und was sie für sie bedeutet. Dabei habe ich festgestellt, dass die meisten von ihnen diese Begriffe gar nicht verwenden. Es ergibt für sie keinen Sinn. Die meisten von ihnen verwenden den Begriff Public Policy. Diese erste Erkundungsreise hat mir geholfen, eine bestimmte Position einzunehmen und mir und ein bestimmtes Vokabular anzueignen. Mir wurde auch klar, dass Ernährungssicherheit für die Einheimischen vom Zugang zu Nahrung abhängt: Zugang nicht im finanziellen Sinn, sondern eher in Bezug auf den Transport und lokale Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Die meisten Leute sagten mir, dass sie gerne bestimmte Lebensmittel kaufen würden, sie aber vor Ort nicht bekommen können. Oder dass diese Lebensmittel ausschließlich für den Export produziert werden. Es war interessant festzustellen, dass die Ernährungssicherheit eng mit der Verkehrsinfrastruktur und der Raumplanung verbunden ist.

Welche Sprache hast du mit den Menschen vor Ort gesprochen?

Französisch. Aber die meisten Menschen im Senegal sprechen Wolof, das ich nicht spreche. Das machte es etwas schwieriger, dass die Leute mich verstehen und umgekehrt. Aber meistens wurde ich von jemandem begleitet, der beim Übersetzen half, wenn die Leute nicht viel Französisch sprachen. Aber ich werde mein Bestes tun, um bald selbst etwas Wolof zu sprechen.

Was sind deine nächsten Schritte?

Jetzt muss ich das Exposé für meine Doktorarbeit schreiben. Dank der Recherchereise und der Literatur, die ich bislang gelesen habe, sollte das gut zu schaffen sein. Jetzt habe ich Ideen, wie ich meine Forschung durchführen möchte, und das Ganze ist fundierter, weil ich vor Ort im Senegal war.

Hast du bereits weitere Reisen geplant?

Wenn mein Exposé akzeptiert wird, möchte ich für eine längere Zeit in den Senegal zurückkehren. Zeit ist ein limitierender Faktor. Ich kann nicht all meine Arbeit hier in Bremen liegenlassen, aber es ist wirklich wichtig, dass ich bei meinem ethnographischen Forschungsansatz vor Ort im Land unterwegs bin und dort so lange wie möglich bleiben kann.


Kontakt:
Alex Nadège Ouedraogo
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 176 73 96 96 90
E-Mail: ouedraogo@uni-bremen.de

Das Team von Teilprojekt B05 in Dalian
Das Team von Teilprojekt B05 in Dalian
Das Team von Teilprojekt B05 war von der Chinese Association of Social Security zum 14. Internationalen Forum für Soziale Sicherheit "Social Security and State Governance" eingeladen worden.

Mitte September war das Team von Teilprojekt B05 von der CAOSS (Chinese Association of Social Security) zum 14. Internationalen Forum für Soziale Sicherheit "Social Security and State Governance" eingeladen, der größten Konferenz in der ostasiatischen Region über soziale Sicherheit und Sozialpolitik. Die Konferenz wurde von der ILO (Internationale Arbeitsorganisation), der FES (Friedrich Ebert Stiftung), dem KASP East Asia Research Committee, der JASP-Abteilung für Japan-Ostasien-Sozialpolitik und dem CAOSS organisiert.

Tobias ten Brink präsentierte die Agenda des CRC-Projekts als einen der Hauptvorträge, der sich mit der Forschung des CRC und dem Interesse des Projekts B05 an China beschäftigte. Das SFB-Projekt stieß sowohl bei chinesischen Wissenschaftlern als auch beim internationalen Publikum auf großes Interesse. Tao Liu vom Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Duisburg-Essen nahm als einer der Referenten an den Diskussionsrunden zur Zukunft des Sozialschutzes teil. Während der zweitägigen Konferenz traf sich das Teamprojekt B05 mit dem Präsidenten von CAOSS, Prof. Zheng Gongcheng an der Renmin University, über die zukünftige Zusammenarbeit in der Zusammenarbeit und Forschung. Teammitglied Armin Müller, Forschungsmitarbeiter Tong Tian und Yuxin Li von der Universität Duisburg-Essen nahmen ebenfalls teil. Die Konferenz in Dalian hat die Beziehungen von CRC zu Forschern aus der Region Ostasien intensiviert.


Kontakt:
Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Clara Fontdevila
Clara Fontdevila
Clara Fontdevila von der Autonomen Universität Barcelona ist derzeit als Gastforscherin am SFB 1342. In ihrer Dissertation untersucht sie, wie die globale Bildungsagenda der Vereinten Nationen gestaltet wurde.

Clara, du bist Soziologin und arbeitest derzeit an deiner Doktorarbeit. Worum geht es dabei genau?

Meine Arbeit beschäftigt sich mit der globalen Bildungsagenda nach 2015, die in die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung integriert ist. Diese Agenda wird auch als Education 2030 bezeichnet und gilt als Meilenstein in der Geschichte globaler Bildungsziele. Ich versuche, die Community of Practice zu verstehen, die mit der Entwicklung der Ziele und Indikatoren verbunden ist. Ich betrachte dies aus politisch-soziologischer Sicht. Ich schaue mir an, wer an dem Prozess beteiligt war und ist. Welchen unterschiedlichen Einfluss hatten diese kollektiven und individuellen Akteure? Welche Netzwerke sind entstanden? Und welche sind die Schlüsselmechanismen der Konsensbildung, oder inwieweit gibt es einen Interessenkonflikt?

Welche Akteure siehst du besonders an?

Ich betrachte kollektive Akteure wie internationale Organisationen, NGOs und nationale Bürokratien. Aber ich interessiere mich auch für die Rolle der einzelnen Akteure innerhalb dieser kollektiven Akteure. Um mögliche Makler oder Politikentrepreneure zu verstehen und wo sie sich in diesen Netzwerken befinden.

In welchem Stadium deiner Promotion befindest du dich?

Ich bin jetzt im dritten Jahr.

Hast du die meisten deiner Daten inzwischen gesammelt?

Noch nicht. Die Datenerhebung hat sich als der schwierigste Aspekt erwiesen. Ich führe halbstrukturierte Interviews, und die Terminvereinbarung mit den Akteuren ist sehr zeitaufwendig. Und ich habe auch versucht, ethnographische Beobachtungen von wichtigen Treffen durchzuführen, um zu verstehen, was vor sich geht, was die Konventionen und Kommunikationsmuster sind und welche Auswirkungen sie auf die Machtverteilung haben. 

Und wann willst du fertig werden?

Ich möchte meine Arbeit bis Ende nächsten Jahres abschließen. Der ganze Prozess hat länger gedauert, als ich erwartet hatte. Und ich arbeite nicht in Vollzeit an meiner Doktorarbeit, ich bin auch an anderen Forschungsprojekten beteiligt und lehre auch.

Was hat dich nach Bremen gebracht?

Ich habe viel von Kerstin Martens' Arbeiten und von Dennis Niemann gelesen. Ich verfolge ihre Arbeit schon seit langem. Auch durch den kürzlich genehmigten Sonderforschungsbereich schien Bremen ein wirklich interessanter Ort zu sein.

Bist du an Kerstins SFB-Projekt beteiligt?

Nein, ich genieße den Austausch mit Kerstin und ihren Kollegen, aber ich bin an keiner ihrer Arbeiten beteiligt. Ich bin hier nur Gastforscherin und versuche, die Chance zu nutzen, mich ganz auf meine Arbeit zu konzentrieren.

 

Clara Fontdevilas Profil auf academia.edu.

Treffen an der Jacobs University Bremen
Treffen an der Jacobs University Bremen
Vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Centre for International Social Security Studies trafen sich mit Mitgliedern des SFB 1342, um sich über Rentenreformen in China und Deutschland auszutauschen.

Anfang Juli besuchte eine Delegation des Centre for International Social Security Studies (CISS) an der Chinese Academy of Social Sciences (CASS) das China Global Center an der Jacobs University Bremen und wurde vom Dekan der Jacobs University, Prof. Arvid Kappas, herzlich begrüßt. Es war das erste Mal, dass Direktor Prof. Bingwen Zheng, Generalsekretär Prof. Lianquan Fang, Professor Chuanjun Qi und Professor Peng Guo Bremen besuchten.

Während des Treffens hielt Professor Tobias ten Brink einen Vortrag über das SFB-Projekt B05 "Dynamics of Chinese social policy. Interplay of national and international influences", das er gemeinsam mit Professor Tao Liu von der Universität Duisburg-Essen leitet. Tao Liu erläuterte den Gästen anschließend ausführlich die Riester-Rentenreform in Deutschland. Peng Guo präsentierte ein Update über die Dynamik und Reformen der chinesischen Altersvorsorge. An der Sitzung nahmen auch Dr. Armin Müller, Dr. Fei Wang, Research Fellow Tong Tian und Yuxin Li von der Universität Duisburg-Essen teil.


Kontakt:
Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Sigrid Lupieri
Sigrid Lupieri
Lupieri ist Doktorandin an der University of Cambridge und wird drei Monate in Bremen bleiben und mit dem Teilprojekt A04 zusammenarbeiten.

Dank eines Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung arbeitet Sigrid Lupieri vom 1. September bis 30. November 2018 als Gastwissenschaftlerin am SFB 1342. Als Doktorandin an der University of Cambridge analysiert sie die Faktoren, die die Teilhabe älterer syrischer Flüchtlinge an Gesundheitsdienstleistungen in Jordanien bestimmen.

Sigrid Lupieri war zuvor für die UNESCO und das UNDP in Neu-Delhi und New York tätig, außerdem hat sie mehrere Jahre als Journalistin in Armenien, Georgien, Deutschland und den USA gearbeitet. Sie hat einen Master-Abschluss in Journalismus (Northwestern University) und Moderner europäischer Geschichte (University of Cambridge) sowie einen BA in Fremdsprachen und Literatur der Universität Udine. Während ihres Aufenthaltes in Bremen wird Sigrid Lupieri eng mit dem Teilprojekt A04 des SFB 1342 zusammenarbeiten.


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Dr. Johanna Kuhlmann
Dr. Johanna Kuhlmann
Im Interview erzählt Johanna Kuhlmann, die von der TU Braunschweig zum SFB 1342 wechselte, warum Sozialpolitik das Kleinteilige mit dem großen Ganzen verbindet und warum es sie reizt, Neues im Bekannten zu entdecken.

Du bist Politikwissenschaftlerin. Wann wusstest du, dass das der passende Beruf für dich ist?

Zumindest nicht, als ich angefangen habe zu studieren. Ich habe Politikwissenschaft und Germanistik studiert und hatte am Anfang noch keine konkrete Vorstellung davon, was ich werden will. Journalismus war eine Idee, aber das war sehr vage. Ich habe dann mehrere Praktika gemacht im politikwissenschaftlichen Bereich und im Bereich Germanistik.

Was genau?

Ich habe in einem Ministerium und bei einem Bundestagsabgeordneten gearbeitet, aber auch in einem literaturwissenschaftlichen Forschungsinstitut. Ich habe mich damals noch etwas breiter aufgestellt. Ich wusste, dass ich politikwissenschaftlich arbeiten will, als ich meine erste Stelle als studentische Hilfskraft an der Uni hatte.

Das war noch in Münster, richtig?

Ja. Das hat mir total gut gefallen, weil mein damaliger Chef die studentischen Hilfskräfte direkt inhaltlich in die Forschung eingebunden hat. Ich war an vielen Diskussionen beteiligt und konnte richtig mitforschen. So habe ich schnell einen umfassenden Einblick bekommen. Da hab ich gedacht: Das kann ich mir vorstellen.

Was interessiert dich an Sozialpolitik?

Als ich im Studium angefangen habe, mich mit Sozialpolitik zu beschäftigen, habe ich mich vor allem für strategische Aspekte interessiert, konkret: Warum kürzen politische Akteure sozialpolitische Leistungen, die für viele ihrer Wählerinnen und Wähler essentiell sind? Das war wenige Jahre nach den Agenda 2010-Reformen. In meiner Dissertation stand dann mehr die inhaltliche Dimension von Sozialpolitik im Vordergrund, also wie genau verändert sich eigentlich sozialpolitische Leistungserbringung? Und wie kann man das – über strategische Aspekte hinaus – erklären? Auch, wenn Sozialpolitik unheimlich kleinteilig ist und man sich lange mit Paragraphen einzelner Sozialgesetzbücher beschäftigen kann: Veränderungen von Sozialpolitik machen immer auch Aussagen über Grundprinzipien gesellschaftlichen Zusammenlebens und über die Frage, welche Rolle der Staat im Zusammenhang mit der Erbringung von Wohlfahrt für Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen bereit ist.

Warum bist du zum SFB gewechselt?

Weil mich die inhaltliche Konzeption des SFB insgesamt und des Teilprojektes, in dem ich jetzt mitarbeite, sehr interessiert hat. In dem Teilprojekt geht es darum, die Ergebnisse der anderen fallstudienzentrierten Teilprojekte zu bündeln und zu erklären, durch welche kausalen Mechanismen es zu einer Verbreitung von Sozialpolitik kommt. So soll ein eigenständiger theoretischer Beitrag entstehen. Das hat mich gereizt. Ich bin keine reine Theoretikerin und habe auch in meiner Dissertation empirisch gearbeitet. Aber ich habe schon ein Faible für theoretische Fragestellungen. Ich habe mich außerdem bisher vor allem mit europäischen Wohlfahrtsstaaten beschäftigt. Ein Ausgangspunkt des SFB ist: Wir wissen sehr viel über OECD-Wohlfahrtssysteme, aber längst nicht so viel über andere Wohlfahrtssysteme. Das ist bei mir ähnlich.

Und das empfandst du nicht als abschreckend, sondern als reizvoll?

Auf jeden Fall. Das ist ja auch etwas, was wissenschaftliches Arbeiten ausmacht, nämlich blinde Flecken aufzudecken. Mit den grundsätzlichen Debatten und theoretischen Bezugspunkten des SFB, die in meiner Arbeit im Teilprojekt zunächst im Vordergrund stehen werden, sind mir vertraut. Aber die Sozialpolitik vieler Nicht-OECD-Länder, vor allem im Detail, ist Neuland für mich. Weil wir in unserem Teilprojekt, das keinen eigenen empirischen Gegenstand hat, viel in die anderen Teilprojekte reingucken werden, verspreche ich mir einiges davon.


Kontakt:
Dr. Johanna Kuhlmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58574
E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de

Dr. Dennis Niemann
Dr. Dennis Niemann
Als kleiner Junge wollte Dennis Niemann Paläontologe werden. Heute sucht er als Politikwissenschaftler lieber nach gesellschaftlichen Mechanismen und Mustern als nach versteinerten Knochen.

Was war dein erster Berufswunsch als Kind oder Jugendlicher?

Wahrscheinlich der obligatorische Astronaut, Feuerwehrmann, Polizist. Ein Beruf, in dem man "so richtig was macht". Auf die damaligen Rollenvorbilder bin ich voll eingestiegen. Als ich in den 1980ern aufgewachsen bin, da gab es auch eine große Dinosaurier-Phase. Also war mein Plan, später auch Dinosaurier ausbuddeln.

Und warum tust du das heute nicht?

Weil es wahrscheinlich ganz schön langweilig ist, in der Erde zu buddeln und alle Jubeljahre so einen versteinerten Knochen zu finden. Mein erster realistischer Berufswunsch zu Beginn meines Studiums war Journalismus. Wie bei so vielen in den Sozialwissenschaften. Ich dachte, das wäre etwas, denn ich habe schon immer gern geschrieben. Ich hatte im Bereich Journalismus aber weder Connections noch besonderes Talent.

Warum hast du angefangen, Sozialwissenschaften zu studieren?

Das wurde mir tatsächlich während der Schulzeit bei einer Studienberatung empfohlen. Ich habe dann Politik und Jura studiert. Und schon zu Beginn des Studiums hat sich herausgestellt, dass das gut passte, auch als Berufsfeld.

Inwiefern?

In erster Linie kam das durch meine Arbeit als studentische Hilfskraft. Im dritten Semester wurde ich vom Professor angesprochen, ob ich Lust hätte, als Hilfskraft zu arbeiten. Da war ich irgendwie geschmeichelt. Aber die Arbeit hat mir auch echt Spaß gemacht.

Du musstest als nicht nur kopieren?

Nein, anders als einige Kommilitonen wurde ich nicht als Kopiersklave eingesetzt. Ich hatte das Glück, bei Michael Zürn zu arbeiten, der in den Internationalen Beziehungen forscht. Zürn hatte damals ein Projekt zu Internationaler Umweltpolitik.

Wann war das?

Das war 2003/2004. Da gab es eine riesige Datenbank zu Umweltregimen, und ich hatte die Aufgabe, diese auszuwerten. Das war für mich als Student komplett neu und total interessant, weil dabei Dinge herauskamen, die keiner wusste.

Hast du ein Beispiel?

Dass es zum Beispiel sinnvoller ist, quasi-juristische Schlichtungsstellen einzusetzen, die die Einhaltung von Regeln bewerten, anstatt sofort irgendwelche Sanktionen anzudrohen. Und dabei bin ich mit dem Fieber infiziert worden, Wissen zu schaffen.

Deine Abschlussarbeit hat dann ja auch auf deiner Hilfskrafttätigkeit aufgebaut.

Genau, das Thema war "Compliance in internationalen Umweltregimen". Seit ich die Hilfskraftstelle hatte, habe ich kontinuierlich daraufhin gearbeitet, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Und das hat relativ problemlos geklappt durch den mittleren Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel". Da bin ich dann in der Mitte der zweiten Projektphase eingestiegen. Ich war damals auch Hilfskraft bei dem Co-Projektleiter Ansgar Weymann. Da hatte ein Mitarbeiter von ihm erfahren, dass ich promovieren wollte, und sagte: Komm mal vorbei, wir sprechen miteinander und dann ist das schon so ein Vorstellungsgespräch ausgeartet. Ich glaube, ich hab damals so was gesagt wie: "Ich würde gern etwas zu internationalen Organisationen machen, das Politikfeld ist mir egal." Und so ist es dann das Politikfeld Bildung geworden. Und das ist auch total spannend.

Stell dir vor, du hättest alles, was du brauchst: genügend finanzielle Mittel, gute Kolleginnen und Kollegen, das notwendige Wissen, die beste technische Ausstattung und auch genug Zeit - welche Forschungsfrage würdest du versuchen zu klären?

Puh! Das sind so Fragen, mit denen man sich überhaupt nicht beschäftigt! Weil das komplett illusorisch ist! Aber zum Beispiel hatte ich mit einem Kollegen ein leider abgelehntes Drittmittelprojekt - dabei ging es um Schulautonomie im europäischen Vergleich. Das ist ein echt spannendes Thema.

Kannst du ganz kurz erklären, was du damit meinst?

Schulautonomie meint, dass Schulen nicht mehr so stark vom Staat reglementiert werden, sondern ihr eigenes Profil entwickeln und in einem möglichst weit gesteckten Rahmen Unterricht gestalten und Leute ausbilden können. Das würde ich gern im europäischen Vergleich untersuchen. Wenn wir dafür unbegrenzte Mittel zur Verfügung hätten, würde ich für jedes europäische Land diese Entwicklungspfade nachzeichnen und hinterher eine Datensammlung haben mit allen möglichen Erklärungsfaktoren, warum Staaten sich für oder gegen mehr Schulautonomie entschieden haben. Um zu erkennen, was die entscheidenden Erklärungsfaktoren für die Entwicklung waren. Das ist etwas, das mich generell besonders interessiert: Warum kam es zu etwas? Zu entdecken, was nicht auf der Hand liegt, sondern ein bisschen gegen die Erwartungen läuft.

Im Grunde ist der SFB auch so angelegt: Man schaut auf die Entwicklung von Sozialpolitik in der Vergangenheit, sucht nach Mustern, um darauf basierend in die Zukunft zu schauen.

Das ist genau, worin ich mich selbst perfekt wiederfinde. Man muss zunächst ein bisschen rückwärtsgewandt schauen, was passiert ist. Kann aber darauf aufbauend Mechanismen und Muster identifizieren.

Du bist jetzt Postdoc. Was ist dein Plan für die nächsten zehn, zwanzig Jahre?

In der ersten Förderphase ist mein Ziel, ernsthaft die Habil anzugehen. Und dann würde ich mich natürlich auch gern auf Professuren bewerben.

Hast du für deine Habil schon ein Thema im Kopf?

Etwas Grobes ja. Das ist an unser SFB-Bildungsprojekt angelehnt. Dabei schauen wir uns an, welche Ideen internationale Organisationen zum Thema Bildung haben. Wir untersuchen dabei auch Organisationen, die vorher gar nichts mit Bildung zu tun hatten, z.B. die Weltbank oder auch die OECD, die vorher einen klaren Wirtschaftsschwerpunkt hatten. Mich interessiert, warum etwa die OECD jetzt so einen großen Wert auf Bildung legt. Was war der Anreiz, sich in dem Feld so stark zu engagieren? Hört man OECD, denkt man gleich an die PISA-Studie. Aber das gibt es auch bei anderen internationalen Organisationen, die sehr stark auf Sozialpolitik setzen. Mich würde interessieren: Was bringt Organisationen dazu, sich auf einmal auszudehnen? Und wie reagieren die Organisationen darauf, die schon da waren? Werden die verdrängt, suchen sie andere Nischen? Das ist das Projekt, das im nächsten halben Jahr vorangetrieben wird.


Kontakt:
Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de

Dr. Camilla Addey
Dr. Camilla Addey
Camilla Addey von der Columbia University stellt diese Frage in ihrem Forschungsprojekt "ILSA Inc.", das sie kürzlich am SFB 1342 präsentierte.

Die Ergebnisse internationaler Schulleistungsuntersuchungen wie PISA, IGLU oder TIMMS haben erheblichen Einfluss auf die Bildungspolitik der teilnehmenden Staaten. Laut OECD hat beispielsweise eine große Mehrheit der Teilnehmerländer angegeben, dass PISA die Gestaltung der Lehrpläne beeinflusst hat und dass ihre Politikfindung von den Strategien leistungsstarker Länder beeinflusst wird.

"Die Daten dieser internationalen Schulleistungsuntersuchungen (englisch: International Large Scale Assessments - ILSA) gelten gemeinhin als zutreffend und verlässlich", sagte Camilla Addey, Lecturer an der Columbia University, New York. Sämtliche Arbeitsschritte von der Entwicklung über die Durchführung bis zur Auswertung der Untersuchungen seien aber zu einem Großteil an private Unternehmen ausgelagert, sagte Addey vergangene Woche bei einer Präsentation ihres Forschungsprojektes „ILSA Inc.“ vor Mitgliedern des SFB 1342 an der Universität Bremen. "Welche Auswirkungen diese maßgebliche Beteiligung der Privatwirtschaft auf die Schulleistungsuntersuchungen und letztlich auf die Bildungspolitik hat, wissen wir nicht", sagte Adey. "Bislang gibt es dazu keine empirische Forschung."

Diese Lücke will Addey mit ihrem Projekt schließen. Ihre qualitativen und quantitativen Daten sammelt Addey mittels "Network Ethnography", einer Mischung aus Netzwerkanalyse, qualitativen Interviews, Beobachtungen und vielem mehr. Addeys Ziel ist es, das Netzwerk der globalen ILSA-Akteure offenzulegen und die Art ihrer Beziehungen transparent zu machen.

Addey steht noch am Anfang ihrer Datenerhebung. Sie sagte aber, dass das Netzwerk der an den internationalen Schulleistungsuntersuchungen beteiligten Firmen und Personen relativ klein und abgeschlossen sei. Details aus den ersten Interviews, die Addey bislang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern relevanter Internationaler Organisationen geführt hatte, wollte Addey während des Vortrags nicht preisgeben. Dafür sei es noch zu früh. Interessierte könnten sich aber persönlich an sie wenden.

Zur Person:
Camilla Addey arbeitet als Lecturer am Teachers College der Columbia University in New York. Sie gehört zudem zum Leitungsteam des Laboratory of International Assessment Studies, einem interdisziplinären Netzwerk zu internationalen Schulleistungsuntersuchungen.

Prof. Dr. Frank Nullmeier und Dr. Dieter Wolf
Prof. Dr. Frank Nullmeier und Dr. Dieter Wolf
Sven Beckerts Werk über die Geschichte des globalen Baumwollhandels inspiriert Frank Nullmeier dazu, über die zukünftige Sozialpolitikforschung nachzudenken.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Global Cotton. Eine Uni – ein Buch – eine Stadt" haben Frank Nullmeier und Dieter Wolf in der vergangenen Woche vorgestellt, was die Sozialpolitikforschung von Sven Beckerts Werk "King Cotton" lernen kann (Titel des englischen Originals: "Empire of Cotton").

Basierend auf jahrelanger Recherche erzählt der Historiker Beckert in seinem Buch die Geschichte des globalen Kapitalismus am Beispiel eines Produkts: der Baumwolle. Über die Produktion, die Verarbeitung und den Handel hat die Naturfaser verschiedenste Weltregionen nachhaltig miteinander verknüpft.

Nachdem Dieter Wolf zwei Kernpunkte Beckerts diskutierte ("Der transatlantische Dreickshandel zwischen Europa, Afrika und Lateinamerika war ein gewaltsamer Handel und eine Form des Kriegskapitalismus."  - "Die Briten verboten die Sklaverei, als die industrielle Produktion, basierend auf Lohnarbeit, einträglicher wurde als das alte Model."), warf Frank Nullmeier die Frage auf, was die moderne Sozialpolitikforschung von Sven Beckerts Arbeitsweise und Methodik lernen kann. Nullmeier nannte drei Hauptpunkte:

1. Transnationalität: Die Nationalgeschichtsschreibung reicht nicht mehr aus, um die Dynamiken sozialpolitischer Entscheidungen zu erklären. Durch die Einbettung in das globale Wirtschafts- und Finanzsystem, die Auswirkungen von Migration und weltumspannende Kommunikationssystemen resultieren sozialpolitische Entscheidungen schon lange nicht mehr nur aus nationalen Faktoren. Die Sozialpolitikforschung muss daher zu einer kontinentübergreifenden Geschichte transnationaler Verknüpfungen erweitert werden, analog zu Beckerts Geschichte des Baumwollanbaus und -handels und deren Auswirkungen.

2. Politische Ökonomie: Beckert interpretierte den globalen Baumwollhandel nicht als reines Ergebnis des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage. Er resultiert (bis heute) zu einem erheblichen Teil aus den Macht- und Gewaltverhältnissen zwischen den beteiligten Ländern bzw. Reichen. Analog gilt dies auch für die Sozialpolitik: Die Ökonomie als eine zentrale Einflussgröße ist ohne die politik- und staatsbezogenen Gewalt- und Rechtsverhältnisse nicht ausreichend erklärbar.

3. Analytik der Kausalketten: Beckert zeigt in seinem Buch an vielen Beispielen, wie eine ganze Kaskade von Ereignissen und Reaktionen darauf vielfältige Auswirkungen an verschiedensten Orten der Welt hatte. Auch die Sozialpolitikforschung sollte lange kausale Ketten verfolgen und komplexe kausale Netze rekonstruieren, um die so die Entstehung und Veränderung von Sozialpolitiken zu verstehen.

Die Veranstaltungsreihe "Global Cotton. Eine Uni – ein Buch – eine Stadt" läuft noch bis Ende des Jahres.


Kontakt:
Prof. Dr. Frank Nullmeier
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58576
E-Mail: frank.nullmeier@uni-bremen.de

Die Regierung Russlands beschloss kürzlich, das Renteneintrittsalter und die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Ob diese Entscheidungen nötig waren und welche soziale Sprengkraft sie entfalten könnten, analysiert SFB-Mitarbeiter Martin Brand.

Die Mehrwertsteuer in Russland soll von 18 auf 20 Prozent steigen. Doch vor allem die Rentenreform bewegt die Menschen in Russland, schreibt Brand: Das reguläre Renteneintrittsalter soll für Frauen von derzeit 55 auf 63 Jahre stiegen, für Männer von 60 auf 65 Jahre. Wenn man die Lebenserwartung vor allem der russischen Männer betrachtet (67,5 Jahre), liegt auf der Hand, dass diese Reform äußerst unpopulär ist: Einer Umfrage zufolge sind 92 Prozent der Bevölkerung dagegen. Proteste formieren sich bereits auf Online-Plattformen und auf der Straße.

Andererseits erscheint die Reform unausweichlich: Der Rentenfonds ist chronisch defizitär, 2018 werden umgerechnet 17,7 Mrd. Euro fehlen, 40 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Staatshaushalt. "In diesem Spannungsfeld ökonomischer und sozialer Faktoren", schreibt Brand, "wird sich die Debatte um die Reform des Rentensystems in Russland bewegen – spätestens nach der Fußball-WM." 

Weitere Informationen:
Der ausführliche Beitrag für die Bundeszentrale für Politische Bildung 


Kontakt:
Martin Brand
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
E-Mail: martin.brand@uni-bremen.de

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