Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.

Alex Nadège Ouedraogo, Doktorandin in Teilprojekt B09, war vier Wochen im Senegal. In Dakar und Casamance recherchierte sie zum Thema ihrer Doktorarbeit: Sozialpolitik in Bezug auf Ernährungssicherheit.

Nadège, du bist kürzlich von einer Forschungsreise zurückgekehrt. Wo warst du genau?

Ich war in Dakar und Ziguinchor, einer Stadt im Süden Senegals, in der einige Jahre lang Konflikte herrschten. Aber jetzt scheint alles ruhig zu sein.

Was war der Zweck deiner Reise?

In der ersten Woche war ich an einer Summer School in Dakar, die vom Council for the Development of Social Science Research in Africa (CODESRIA) und dem Centre for African Studies Basel (CASB) organisiert wurde. Das Thema war: "African Studies and Africanists: Whence the Gaze?". Da meine Eltern aus Burkina Faso stammen, interessiere ich mich sehr für die Zusammenarbeit mit afrikanischen Wissenschaftlern in Afrika. Es war großartig, mit Doktoranden vom afrikanischen Kontinent umgeben zu sein. Ich habe viel über die Arbeit an der Promotion und über Forschung in Afrika gelernt. Danach blieb ich eine weitere Woche in Dakar, um Informationen zu Archiven zu sammeln und persönliche Netzwerke aufzubauen. In der dritten Woche bin ich in den Süden gereist, um die Region zu erkunden und kennenzulernen, und kam für die letzte Woche nach Dakar zurück. Die letzten drei Wochen meiner Reise standen in direktem Zusammenhang mit meiner Doktorarbeit und der Forschung in unserem B09-Projekt, während es in der ersten Woche eher darum ging, Forscherin im afrikanischen Kontext zu sein.

Worum geht es in deiner Forschung?

In unserem Projekt B09 arbeiten wir zur Sozialpolitik in Afrika, und in meinem Fall geht es um die Sozialpolitik mit Bezug zu Ernährungssicherheit. Die Reise in den Senegal hat mir sehr geholfen, einen spezielleren und originelleren Blickwinkel zu finden, aus dem ich meine Forschung angehen kann.

Inwiefern hat dir die Reise da geholfen?

Ich habe vor Beginn meiner Recherchereise keine Termine für Interviews vereinbart. Ich wollte mir einen ersten Eindruck davon verschaffen, was auf lokaler Ebene vor sich geht. Ich wollte nicht sofort an die Regierung oder NGOs herantreten, sondern mich Menschen aus der der lokalen Bevölkerung treffen und mit ihnen sprechen. Das habe ich auch gemacht.

Konntest du bereits Informationen oder Daten sammeln, die du für deine Forschung verwenden kannst?

Keine konkreten Daten. Aber ich weiß jetzt, in welche Richtung ich meine Forschung gehen soll. Es hat mir sehr geholfen, mit vielen Leuten vor Ort zu sprechen, mit ihnen auf dem Markt zu sitzen. Ich habe auch einige Haushalte von Leuten besucht, die ich kennengelernt habe. Ich habe mit den Menschen darüber gesprochen, was sie über Sozialpolitik denken und was sie für sie bedeutet. Dabei habe ich festgestellt, dass die meisten von ihnen diese Begriffe gar nicht verwenden. Es ergibt für sie keinen Sinn. Die meisten von ihnen verwenden den Begriff Public Policy. Diese erste Erkundungsreise hat mir geholfen, eine bestimmte Position einzunehmen und mir und ein bestimmtes Vokabular anzueignen. Mir wurde auch klar, dass Ernährungssicherheit für die Einheimischen vom Zugang zu Nahrung abhängt: Zugang nicht im finanziellen Sinn, sondern eher in Bezug auf den Transport und lokale Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Die meisten Leute sagten mir, dass sie gerne bestimmte Lebensmittel kaufen würden, sie aber vor Ort nicht bekommen können. Oder dass diese Lebensmittel ausschließlich für den Export produziert werden. Es war interessant festzustellen, dass die Ernährungssicherheit eng mit der Verkehrsinfrastruktur und der Raumplanung verbunden ist.

Welche Sprache hast du mit den Menschen vor Ort gesprochen?

Französisch. Aber die meisten Menschen im Senegal sprechen Wolof, das ich nicht spreche. Das machte es etwas schwieriger, dass die Leute mich verstehen und umgekehrt. Aber meistens wurde ich von jemandem begleitet, der beim Übersetzen half, wenn die Leute nicht viel Französisch sprachen. Aber ich werde mein Bestes tun, um bald selbst etwas Wolof zu sprechen.

Was sind deine nächsten Schritte?

Jetzt muss ich das Exposé für meine Doktorarbeit schreiben. Dank der Recherchereise und der Literatur, die ich bislang gelesen habe, sollte das gut zu schaffen sein. Jetzt habe ich Ideen, wie ich meine Forschung durchführen möchte, und das Ganze ist fundierter, weil ich vor Ort im Senegal war.

Hast du bereits weitere Reisen geplant?

Wenn mein Exposé akzeptiert wird, möchte ich für eine längere Zeit in den Senegal zurückkehren. Zeit ist ein limitierender Faktor. Ich kann nicht all meine Arbeit hier in Bremen liegenlassen, aber es ist wirklich wichtig, dass ich bei meinem ethnographischen Forschungsansatz vor Ort im Land unterwegs bin und dort so lange wie möglich bleiben kann.


Kontakt:
Alex Nadège Ouedraogo
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 176 73 96 96 90
E-Mail: ouedraogo@uni-bremen.de

Das Team von Teilprojekt B05 in Dalian
Das Team von Teilprojekt B05 in Dalian
Das Team von Teilprojekt B05 war von der Chinese Association of Social Security zum 14. Internationalen Forum für Soziale Sicherheit "Social Security and State Governance" eingeladen worden.

Mitte September war das Team von Teilprojekt B05 von der CAOSS (Chinese Association of Social Security) zum 14. Internationalen Forum für Soziale Sicherheit "Social Security and State Governance" eingeladen, der größten Konferenz in der ostasiatischen Region über soziale Sicherheit und Sozialpolitik. Die Konferenz wurde von der ILO (Internationale Arbeitsorganisation), der FES (Friedrich Ebert Stiftung), dem KASP East Asia Research Committee, der JASP-Abteilung für Japan-Ostasien-Sozialpolitik und dem CAOSS organisiert.

Tobias ten Brink präsentierte die Agenda des CRC-Projekts als einen der Hauptvorträge, der sich mit der Forschung des CRC und dem Interesse des Projekts B05 an China beschäftigte. Das SFB-Projekt stieß sowohl bei chinesischen Wissenschaftlern als auch beim internationalen Publikum auf großes Interesse. Tao Liu vom Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Duisburg-Essen nahm als einer der Referenten an den Diskussionsrunden zur Zukunft des Sozialschutzes teil. Während der zweitägigen Konferenz traf sich das Teamprojekt B05 mit dem Präsidenten von CAOSS, Prof. Zheng Gongcheng an der Renmin University, über die zukünftige Zusammenarbeit in der Zusammenarbeit und Forschung. Teammitglied Armin Müller, Forschungsmitarbeiter Tong Tian und Yuxin Li von der Universität Duisburg-Essen nahmen ebenfalls teil. Die Konferenz in Dalian hat die Beziehungen von CRC zu Forschern aus der Region Ostasien intensiviert.


Kontakt:
Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Der SFB 1342 sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Doktorandin/einen Doktoranden in Informatik/Human-Computer Interaction (HCI).

The Collaborative Research Centre 1342 "Global Dynamics of Social Policy" at the University of Bremen invites applications for the following academic position – under the condition of job release -

PhD Researcher in Computer Science / Human-Computer Interaction

Salary Scale TV-L 13 (100%) starting as soon as possible. The position is a fixed term position until December 31, 2021.

Reference number: A189/18

The position is part of the Collaborative Research Centre "Global Dynamics of Social Policy" (Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik) funded by the German Research Foundation and will be located within the project A01 "Measuring the global dynamics of social policy and cross-national interdependencies—Co-Creating the Global Welfare State Information System (WeSIS)".

Project Description

The project aims to quantify the dynamics of socio-political interdependencies between countries on a global scale. For this, a web-based information system will be developed, which allows a comprehensive analysis of such interdependencies and which will empower social scientists to leverage state-of-the-art machine learning and visualisation tools. This system will be co-created by an interdisciplinary team of 12 experts from the fields of political science, geography, and computer science. Together, we will envision, implement and evaluate novel software tools and techniques. The web-based information system will be the first to enable the dynamic measurement of social policy and horizontal and vertical interdependencies between countries on a global scale. WeSIS will also aggregate the findings of the collaborative research centre in a central space. Eventually, WeSIS will contain data on social policy, country-specific characteristics, and political, economic, and social interdependencies across states as well as the countries’ integration into international organisations.

The goal of our computer science team in this project is to do groundbreaking research in the interdisciplinary field of computational social science by developing innovative tools and methods to empower the social scientists, making use of the special opportunity to collaborate with experts from multiple fields within the Collaborative Research Centre.

Responsibilities

Our research questions will focus on the empowerment of social scientists through computational methods, especially in the areas of machine learning and data visualisation i.e., data science. Therefore, we are looking for a computer scientist interested in these areas.
Together with a large group of social scientists, we will co-create an information system that gives a holistic picture of the global welfare state, made available as a web platform. With this in mind, our role includes to lead the design of the system within the co-creation process and to apply human-computer interaction principles throughout the design, development, and evaluation.

Your focus will be the development of machine learning and natural language processing applications. You will support creating the database management system and the system infrastructure.

Requirements

  • Master’s degree in Computer Science, Human-Computer Interaction, Digital Media, Media Informatics, or a related field
  • programming experience in one or more object-oriented programming languages such as Python, Ruby, Java, or equivalent
  • experience with web development
  • experience with database design and development
  • fluency in English


Desirable

  • experience with machine learning
  • interest in advancing social science by envisioning and implementing computational social science tools
  • experience with computational social science
  • experience with user-centered and participatory design
  • experience with co-creation


The University of Bremen has received a number of awards for its diversity policies and offers a family-friendly working environment as well as an international atmosphere.
The University is committed to a policy of providing equal employment opportunities for both men and women alike, and therefore encourages particularly women to apply for the position offered. Persons with disabilities will be considered preferentially in case of equal qualifications and aptitudes.

The University of Bremen explicitly invites persons with a migration background to apply.
If you have any questions regarding the position, please contact Prof. Dr. Andreas Breiter (abreiter@uni-bremen.de).

Applications including a cover letter, CV, as well as copies of degree certificates, should be submitted until October 22, 2018 to

Information Management Research Group
Prof. Dr. Andreas Breiter
Am Fallturm 1 (Entrance F)
D-28359 Bremen

or by Email to:

Miss Ewa Zoschke (e.zoschkeuni-bremen.de)

The cost of application and presentation cannot be reimbursed.

Clara Fontdevila
Clara Fontdevila
Clara Fontdevila von der Autonomen Universität Barcelona ist derzeit als Gastforscherin am SFB 1342. In ihrer Dissertation untersucht sie, wie die globale Bildungsagenda der Vereinten Nationen gestaltet wurde.

Clara, du bist Soziologin und arbeitest derzeit an deiner Doktorarbeit. Worum geht es dabei genau?

Meine Arbeit beschäftigt sich mit der globalen Bildungsagenda nach 2015, die in die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung integriert ist. Diese Agenda wird auch als Education 2030 bezeichnet und gilt als Meilenstein in der Geschichte globaler Bildungsziele. Ich versuche, die Community of Practice zu verstehen, die mit der Entwicklung der Ziele und Indikatoren verbunden ist. Ich betrachte dies aus politisch-soziologischer Sicht. Ich schaue mir an, wer an dem Prozess beteiligt war und ist. Welchen unterschiedlichen Einfluss hatten diese kollektiven und individuellen Akteure? Welche Netzwerke sind entstanden? Und welche sind die Schlüsselmechanismen der Konsensbildung, oder inwieweit gibt es einen Interessenkonflikt?

Welche Akteure siehst du besonders an?

Ich betrachte kollektive Akteure wie internationale Organisationen, NGOs und nationale Bürokratien. Aber ich interessiere mich auch für die Rolle der einzelnen Akteure innerhalb dieser kollektiven Akteure. Um mögliche Makler oder Politikentrepreneure zu verstehen und wo sie sich in diesen Netzwerken befinden.

In welchem Stadium deiner Promotion befindest du dich?

Ich bin jetzt im dritten Jahr.

Hast du die meisten deiner Daten inzwischen gesammelt?

Noch nicht. Die Datenerhebung hat sich als der schwierigste Aspekt erwiesen. Ich führe halbstrukturierte Interviews, und die Terminvereinbarung mit den Akteuren ist sehr zeitaufwendig. Und ich habe auch versucht, ethnographische Beobachtungen von wichtigen Treffen durchzuführen, um zu verstehen, was vor sich geht, was die Konventionen und Kommunikationsmuster sind und welche Auswirkungen sie auf die Machtverteilung haben. 

Und wann willst du fertig werden?

Ich möchte meine Arbeit bis Ende nächsten Jahres abschließen. Der ganze Prozess hat länger gedauert, als ich erwartet hatte. Und ich arbeite nicht in Vollzeit an meiner Doktorarbeit, ich bin auch an anderen Forschungsprojekten beteiligt und lehre auch.

Was hat dich nach Bremen gebracht?

Ich habe viel von Kerstin Martens' Arbeiten und von Dennis Niemann gelesen. Ich verfolge ihre Arbeit schon seit langem. Auch durch den kürzlich genehmigten Sonderforschungsbereich schien Bremen ein wirklich interessanter Ort zu sein.

Bist du an Kerstins SFB-Projekt beteiligt?

Nein, ich genieße den Austausch mit Kerstin und ihren Kollegen, aber ich bin an keiner ihrer Arbeiten beteiligt. Ich bin hier nur Gastforscherin und versuche, die Chance zu nutzen, mich ganz auf meine Arbeit zu konzentrieren.

 

Clara Fontdevilas Profil auf academia.edu.

Treffen an der Jacobs University Bremen
Treffen an der Jacobs University Bremen
Vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Centre for International Social Security Studies trafen sich mit Mitgliedern des SFB 1342, um sich über Rentenreformen in China und Deutschland auszutauschen.

Anfang Juli besuchte eine Delegation des Centre for International Social Security Studies (CISS) an der Chinese Academy of Social Sciences (CASS) das China Global Center an der Jacobs University Bremen und wurde vom Dekan der Jacobs University, Prof. Arvid Kappas, herzlich begrüßt. Es war das erste Mal, dass Direktor Prof. Bingwen Zheng, Generalsekretär Prof. Lianquan Fang, Professor Chuanjun Qi und Professor Peng Guo Bremen besuchten.

Während des Treffens hielt Professor Tobias ten Brink einen Vortrag über das SFB-Projekt B05 "Dynamics of Chinese social policy. Interplay of national and international influences", das er gemeinsam mit Professor Tao Liu von der Universität Duisburg-Essen leitet. Tao Liu erläuterte den Gästen anschließend ausführlich die Riester-Rentenreform in Deutschland. Peng Guo präsentierte ein Update über die Dynamik und Reformen der chinesischen Altersvorsorge. An der Sitzung nahmen auch Dr. Armin Müller, Dr. Fei Wang, Research Fellow Tong Tian und Yuxin Li von der Universität Duisburg-Essen teil.


Kontakt:
Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Sigrid Lupieri
Sigrid Lupieri
Lupieri ist Doktorandin an der University of Cambridge und wird drei Monate in Bremen bleiben und mit dem Teilprojekt A04 zusammenarbeiten.

Dank eines Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung arbeitet Sigrid Lupieri vom 1. September bis 30. November 2018 als Gastwissenschaftlerin am SFB 1342. Als Doktorandin an der University of Cambridge analysiert sie die Faktoren, die die Teilhabe älterer syrischer Flüchtlinge an Gesundheitsdienstleistungen in Jordanien bestimmen.

Sigrid Lupieri war zuvor für die UNESCO und das UNDP in Neu-Delhi und New York tätig, außerdem hat sie mehrere Jahre als Journalistin in Armenien, Georgien, Deutschland und den USA gearbeitet. Sie hat einen Master-Abschluss in Journalismus (Northwestern University) und Moderner europäischer Geschichte (University of Cambridge) sowie einen BA in Fremdsprachen und Literatur der Universität Udine. Während ihres Aufenthaltes in Bremen wird Sigrid Lupieri eng mit dem Teilprojekt A04 des SFB 1342 zusammenarbeiten.


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Dr. Johanna Kuhlmann
Dr. Johanna Kuhlmann
Im Interview erzählt Johanna Kuhlmann, die von der TU Braunschweig zum SFB 1342 wechselte, warum Sozialpolitik das Kleinteilige mit dem großen Ganzen verbindet und warum es sie reizt, Neues im Bekannten zu entdecken.

Du bist Politikwissenschaftlerin. Wann wusstest du, dass das der passende Beruf für dich ist?

Zumindest nicht, als ich angefangen habe zu studieren. Ich habe Politikwissenschaft und Germanistik studiert und hatte am Anfang noch keine konkrete Vorstellung davon, was ich werden will. Journalismus war eine Idee, aber das war sehr vage. Ich habe dann mehrere Praktika gemacht im politikwissenschaftlichen Bereich und im Bereich Germanistik.

Was genau?

Ich habe in einem Ministerium und bei einem Bundestagsabgeordneten gearbeitet, aber auch in einem literaturwissenschaftlichen Forschungsinstitut. Ich habe mich damals noch etwas breiter aufgestellt. Ich wusste, dass ich politikwissenschaftlich arbeiten will, als ich meine erste Stelle als studentische Hilfskraft an der Uni hatte.

Das war noch in Münster, richtig?

Ja. Das hat mir total gut gefallen, weil mein damaliger Chef die studentischen Hilfskräfte direkt inhaltlich in die Forschung eingebunden hat. Ich war an vielen Diskussionen beteiligt und konnte richtig mitforschen. So habe ich schnell einen umfassenden Einblick bekommen. Da hab ich gedacht: Das kann ich mir vorstellen.

Was interessiert dich an Sozialpolitik?

Als ich im Studium angefangen habe, mich mit Sozialpolitik zu beschäftigen, habe ich mich vor allem für strategische Aspekte interessiert, konkret: Warum kürzen politische Akteure sozialpolitische Leistungen, die für viele ihrer Wählerinnen und Wähler essentiell sind? Das war wenige Jahre nach den Agenda 2010-Reformen. In meiner Dissertation stand dann mehr die inhaltliche Dimension von Sozialpolitik im Vordergrund, also wie genau verändert sich eigentlich sozialpolitische Leistungserbringung? Und wie kann man das – über strategische Aspekte hinaus – erklären? Auch, wenn Sozialpolitik unheimlich kleinteilig ist und man sich lange mit Paragraphen einzelner Sozialgesetzbücher beschäftigen kann: Veränderungen von Sozialpolitik machen immer auch Aussagen über Grundprinzipien gesellschaftlichen Zusammenlebens und über die Frage, welche Rolle der Staat im Zusammenhang mit der Erbringung von Wohlfahrt für Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen bereit ist.

Warum bist du zum SFB gewechselt?

Weil mich die inhaltliche Konzeption des SFB insgesamt und des Teilprojektes, in dem ich jetzt mitarbeite, sehr interessiert hat. In dem Teilprojekt geht es darum, die Ergebnisse der anderen fallstudienzentrierten Teilprojekte zu bündeln und zu erklären, durch welche kausalen Mechanismen es zu einer Verbreitung von Sozialpolitik kommt. So soll ein eigenständiger theoretischer Beitrag entstehen. Das hat mich gereizt. Ich bin keine reine Theoretikerin und habe auch in meiner Dissertation empirisch gearbeitet. Aber ich habe schon ein Faible für theoretische Fragestellungen. Ich habe mich außerdem bisher vor allem mit europäischen Wohlfahrtsstaaten beschäftigt. Ein Ausgangspunkt des SFB ist: Wir wissen sehr viel über OECD-Wohlfahrtssysteme, aber längst nicht so viel über andere Wohlfahrtssysteme. Das ist bei mir ähnlich.

Und das empfandst du nicht als abschreckend, sondern als reizvoll?

Auf jeden Fall. Das ist ja auch etwas, was wissenschaftliches Arbeiten ausmacht, nämlich blinde Flecken aufzudecken. Mit den grundsätzlichen Debatten und theoretischen Bezugspunkten des SFB, die in meiner Arbeit im Teilprojekt zunächst im Vordergrund stehen werden, sind mir vertraut. Aber die Sozialpolitik vieler Nicht-OECD-Länder, vor allem im Detail, ist Neuland für mich. Weil wir in unserem Teilprojekt, das keinen eigenen empirischen Gegenstand hat, viel in die anderen Teilprojekte reingucken werden, verspreche ich mir einiges davon.


Kontakt:
Dr. Johanna Kuhlmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58574
E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de