Aktuelles

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik": Zusammenfassungen aktueller Forschungsergebnisse, Hinweise auf Veröffentlichungen, Ergebnisse von Veranstaltungen und weiteres aus den Teilprojekten.

Der SFB 1342 sucht zwei studentische Hilfskräfte mit 30 Std./Monat für das Teilprojekt A05 "Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen".

Am DFG-geförderten Sonderforschungsbereich 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik (Global Dynamics of Social Policy)" werden im Teilprojekt A05 "Die globale Entwicklung, Diffusion und Transformation von Bildungssystemen" (Profs. K. Martens, M. Windzio)

Studierende für die Tätigkeit einer studentischen Hilfskraft (30 Stunden/Monat)

gesucht.

Insgesamt sind 2 Stellen zu besetzen. Die Einstellung erfolgt voraussichtlich zum 01.11.2018 für einen Zeitraum von drei Monaten, ggf. länger.

Das Aufgabengebiet umfasst vor allem die Unterstützung bei der Datenerfassung innerhalb des quantitativen Projektteils. Anhand von Dokumenten und Länderberichten werden historische und aktuelle Informationen über Bildungssysteme von über 160 Ländern erfasst.

Interesse am oder sogar Vorkenntnisse im Bereich der Bildungssoziologie oder -politik sowie der Globalisierung sind erwünscht, aber keine Bedingung. Wünschenswert sind darüber hinaus Kenntnisse in Sprachen wie Französisch, Spanisch oder Arabisch.

Wir bieten einen Einblick in ein interessantes Arbeitsfeld sowie -thema und ein freundliches Team. Die Vergütung erfolgt nach den für studentische Hilfskräfte üblichen Sätzen an der Universität Bremen.

Ihre Bewerbung sollte einen kurzen Lebenslauf und Ihre Studienschwerpunkte bzw. -interessen umfassen. Es sollte zudem ein aktueller Auszug des transcripts of records beigelegt werden. Einsendeschluss ist der 01.10.2018.

Die Bewerbung soll per E-Mail erfolgen, zu senden an:
Fabian Besche, fbesche@uni-bremen.de
Helen Seitzer, seitzer@uni-bremen.de

Sigrid Lupieri
Sigrid Lupieri
Lupieri ist Doktorandin an der University of Cambridge und wird drei Monate in Bremen bleiben und mit dem Teilprojekt A04 zusammenarbeiten.

Dank eines Stipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung arbeitet Sigrid Lupieri vom 1. September bis 30. November 2018 als Gastwissenschaftlerin am SFB 1342. Als Doktorandin an der University of Cambridge analysiert sie die Faktoren, die die Teilhabe älterer syrischer Flüchtlinge an Gesundheitsdienstleistungen in Jordanien bestimmen.

Sigrid Lupieri war zuvor für die UNESCO und das UNDP in Neu-Delhi und New York tätig, außerdem hat sie mehrere Jahre als Journalistin in Armenien, Georgien, Deutschland und den USA gearbeitet. Sie hat einen Master-Abschluss in Journalismus (Northwestern University) und Moderner europäischer Geschichte (University of Cambridge) sowie einen BA in Fremdsprachen und Literatur der Universität Udine. Während ihres Aufenthaltes in Bremen wird Sigrid Lupieri eng mit dem Teilprojekt A04 des SFB 1342 zusammenarbeiten.


Kontakt:
Dr. Lorraine Frisina Doetter
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 3
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58561
E-Mail: frisina@uni-bremen.de

Dr. Johanna Kuhlmann
Dr. Johanna Kuhlmann
Im Interview erzählt Johanna Kuhlmann, die von der TU Braunschweig zum SFB 1342 wechselte, warum Sozialpolitik das Kleinteilige mit dem großen Ganzen verbindet und warum es sie reizt, Neues im Bekannten zu entdecken.

Du bist Politikwissenschaftlerin. Wann wusstest du, dass das der passende Beruf für dich ist?

Zumindest nicht, als ich angefangen habe zu studieren. Ich habe Politikwissenschaft und Germanistik studiert und hatte am Anfang noch keine konkrete Vorstellung davon, was ich werden will. Journalismus war eine Idee, aber das war sehr vage. Ich habe dann mehrere Praktika gemacht im politikwissenschaftlichen Bereich und im Bereich Germanistik.

Was genau?

Ich habe in einem Ministerium und bei einem Bundestagsabgeordneten gearbeitet, aber auch in einem literaturwissenschaftlichen Forschungsinstitut. Ich habe mich damals noch etwas breiter aufgestellt. Ich wusste, dass ich politikwissenschaftlich arbeiten will, als ich meine erste Stelle als studentische Hilfskraft an der Uni hatte.

Das war noch in Münster, richtig?

Ja. Das hat mir total gut gefallen, weil mein damaliger Chef die studentischen Hilfskräfte direkt inhaltlich in die Forschung eingebunden hat. Ich war an vielen Diskussionen beteiligt und konnte richtig mitforschen. So habe ich schnell einen umfassenden Einblick bekommen. Da hab ich gedacht: Das kann ich mir vorstellen.

Was interessiert dich an Sozialpolitik?

Als ich im Studium angefangen habe, mich mit Sozialpolitik zu beschäftigen, habe ich mich vor allem für strategische Aspekte interessiert, konkret: Warum kürzen politische Akteure sozialpolitische Leistungen, die für viele ihrer Wählerinnen und Wähler essentiell sind? Das war wenige Jahre nach den Agenda 2010-Reformen. In meiner Dissertation stand dann mehr die inhaltliche Dimension von Sozialpolitik im Vordergrund, also wie genau verändert sich eigentlich sozialpolitische Leistungserbringung? Und wie kann man das – über strategische Aspekte hinaus – erklären? Auch, wenn Sozialpolitik unheimlich kleinteilig ist und man sich lange mit Paragraphen einzelner Sozialgesetzbücher beschäftigen kann: Veränderungen von Sozialpolitik machen immer auch Aussagen über Grundprinzipien gesellschaftlichen Zusammenlebens und über die Frage, welche Rolle der Staat im Zusammenhang mit der Erbringung von Wohlfahrt für Bürgerinnen und Bürger zu übernehmen bereit ist.

Warum bist du zum SFB gewechselt?

Weil mich die inhaltliche Konzeption des SFB insgesamt und des Teilprojektes, in dem ich jetzt mitarbeite, sehr interessiert hat. In dem Teilprojekt geht es darum, die Ergebnisse der anderen fallstudienzentrierten Teilprojekte zu bündeln und zu erklären, durch welche kausalen Mechanismen es zu einer Verbreitung von Sozialpolitik kommt. So soll ein eigenständiger theoretischer Beitrag entstehen. Das hat mich gereizt. Ich bin keine reine Theoretikerin und habe auch in meiner Dissertation empirisch gearbeitet. Aber ich habe schon ein Faible für theoretische Fragestellungen. Ich habe mich außerdem bisher vor allem mit europäischen Wohlfahrtsstaaten beschäftigt. Ein Ausgangspunkt des SFB ist: Wir wissen sehr viel über OECD-Wohlfahrtssysteme, aber längst nicht so viel über andere Wohlfahrtssysteme. Das ist bei mir ähnlich.

Und das empfandst du nicht als abschreckend, sondern als reizvoll?

Auf jeden Fall. Das ist ja auch etwas, was wissenschaftliches Arbeiten ausmacht, nämlich blinde Flecken aufzudecken. Mit den grundsätzlichen Debatten und theoretischen Bezugspunkten des SFB, die in meiner Arbeit im Teilprojekt zunächst im Vordergrund stehen werden, sind mir vertraut. Aber die Sozialpolitik vieler Nicht-OECD-Länder, vor allem im Detail, ist Neuland für mich. Weil wir in unserem Teilprojekt, das keinen eigenen empirischen Gegenstand hat, viel in die anderen Teilprojekte reingucken werden, verspreche ich mir einiges davon.


Kontakt:
Dr. Johanna Kuhlmann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58574
E-Mail: johanna.kuhlmann@uni-bremen.de

Dr. Dennis Niemann
Dr. Dennis Niemann
Als kleiner Junge wollte Dennis Niemann Paläontologe werden. Heute sucht er als Politikwissenschaftler lieber nach gesellschaftlichen Mechanismen und Mustern als nach versteinerten Knochen.

Was war dein erster Berufswunsch als Kind oder Jugendlicher?

Wahrscheinlich der obligatorische Astronaut, Feuerwehrmann, Polizist. Ein Beruf, in dem man "so richtig was macht". Auf die damaligen Rollenvorbilder bin ich voll eingestiegen. Als ich in den 1980ern aufgewachsen bin, da gab es auch eine große Dinosaurier-Phase. Also war mein Plan, später auch Dinosaurier ausbuddeln.

Und warum tust du das heute nicht?

Weil es wahrscheinlich ganz schön langweilig ist, in der Erde zu buddeln und alle Jubeljahre so einen versteinerten Knochen zu finden. Mein erster realistischer Berufswunsch zu Beginn meines Studiums war Journalismus. Wie bei so vielen in den Sozialwissenschaften. Ich dachte, das wäre etwas, denn ich habe schon immer gern geschrieben. Ich hatte im Bereich Journalismus aber weder Connections noch besonderes Talent.

Warum hast du angefangen, Sozialwissenschaften zu studieren?

Das wurde mir tatsächlich während der Schulzeit bei einer Studienberatung empfohlen. Ich habe dann Politik und Jura studiert. Und schon zu Beginn des Studiums hat sich herausgestellt, dass das gut passte, auch als Berufsfeld.

Inwiefern?

In erster Linie kam das durch meine Arbeit als studentische Hilfskraft. Im dritten Semester wurde ich vom Professor angesprochen, ob ich Lust hätte, als Hilfskraft zu arbeiten. Da war ich irgendwie geschmeichelt. Aber die Arbeit hat mir auch echt Spaß gemacht.

Du musstest als nicht nur kopieren?

Nein, anders als einige Kommilitonen wurde ich nicht als Kopiersklave eingesetzt. Ich hatte das Glück, bei Michael Zürn zu arbeiten, der in den Internationalen Beziehungen forscht. Zürn hatte damals ein Projekt zu Internationaler Umweltpolitik.

Wann war das?

Das war 2003/2004. Da gab es eine riesige Datenbank zu Umweltregimen, und ich hatte die Aufgabe, diese auszuwerten. Das war für mich als Student komplett neu und total interessant, weil dabei Dinge herauskamen, die keiner wusste.

Hast du ein Beispiel?

Dass es zum Beispiel sinnvoller ist, quasi-juristische Schlichtungsstellen einzusetzen, die die Einhaltung von Regeln bewerten, anstatt sofort irgendwelche Sanktionen anzudrohen. Und dabei bin ich mit dem Fieber infiziert worden, Wissen zu schaffen.

Deine Abschlussarbeit hat dann ja auch auf deiner Hilfskrafttätigkeit aufgebaut.

Genau, das Thema war "Compliance in internationalen Umweltregimen". Seit ich die Hilfskraftstelle hatte, habe ich kontinuierlich daraufhin gearbeitet, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Und das hat relativ problemlos geklappt durch den mittleren Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel". Da bin ich dann in der Mitte der zweiten Projektphase eingestiegen. Ich war damals auch Hilfskraft bei dem Co-Projektleiter Ansgar Weymann. Da hatte ein Mitarbeiter von ihm erfahren, dass ich promovieren wollte, und sagte: Komm mal vorbei, wir sprechen miteinander und dann ist das schon so ein Vorstellungsgespräch ausgeartet. Ich glaube, ich hab damals so was gesagt wie: "Ich würde gern etwas zu internationalen Organisationen machen, das Politikfeld ist mir egal." Und so ist es dann das Politikfeld Bildung geworden. Und das ist auch total spannend.

Stell dir vor, du hättest alles, was du brauchst: genügend finanzielle Mittel, gute Kolleginnen und Kollegen, das notwendige Wissen, die beste technische Ausstattung und auch genug Zeit - welche Forschungsfrage würdest du versuchen zu klären?

Puh! Das sind so Fragen, mit denen man sich überhaupt nicht beschäftigt! Weil das komplett illusorisch ist! Aber zum Beispiel hatte ich mit einem Kollegen ein leider abgelehntes Drittmittelprojekt - dabei ging es um Schulautonomie im europäischen Vergleich. Das ist ein echt spannendes Thema.

Kannst du ganz kurz erklären, was du damit meinst?

Schulautonomie meint, dass Schulen nicht mehr so stark vom Staat reglementiert werden, sondern ihr eigenes Profil entwickeln und in einem möglichst weit gesteckten Rahmen Unterricht gestalten und Leute ausbilden können. Das würde ich gern im europäischen Vergleich untersuchen. Wenn wir dafür unbegrenzte Mittel zur Verfügung hätten, würde ich für jedes europäische Land diese Entwicklungspfade nachzeichnen und hinterher eine Datensammlung haben mit allen möglichen Erklärungsfaktoren, warum Staaten sich für oder gegen mehr Schulautonomie entschieden haben. Um zu erkennen, was die entscheidenden Erklärungsfaktoren für die Entwicklung waren. Das ist etwas, das mich generell besonders interessiert: Warum kam es zu etwas? Zu entdecken, was nicht auf der Hand liegt, sondern ein bisschen gegen die Erwartungen läuft.

Im Grunde ist der SFB auch so angelegt: Man schaut auf die Entwicklung von Sozialpolitik in der Vergangenheit, sucht nach Mustern, um darauf basierend in die Zukunft zu schauen.

Das ist genau, worin ich mich selbst perfekt wiederfinde. Man muss zunächst ein bisschen rückwärtsgewandt schauen, was passiert ist. Kann aber darauf aufbauend Mechanismen und Muster identifizieren.

Du bist jetzt Postdoc. Was ist dein Plan für die nächsten zehn, zwanzig Jahre?

In der ersten Förderphase ist mein Ziel, ernsthaft die Habil anzugehen. Und dann würde ich mich natürlich auch gern auf Professuren bewerben.

Hast du für deine Habil schon ein Thema im Kopf?

Etwas Grobes ja. Das ist an unser SFB-Bildungsprojekt angelehnt. Dabei schauen wir uns an, welche Ideen internationale Organisationen zum Thema Bildung haben. Wir untersuchen dabei auch Organisationen, die vorher gar nichts mit Bildung zu tun hatten, z.B. die Weltbank oder auch die OECD, die vorher einen klaren Wirtschaftsschwerpunkt hatten. Mich interessiert, warum etwa die OECD jetzt so einen großen Wert auf Bildung legt. Was war der Anreiz, sich in dem Feld so stark zu engagieren? Hört man OECD, denkt man gleich an die PISA-Studie. Aber das gibt es auch bei anderen internationalen Organisationen, die sehr stark auf Sozialpolitik setzen. Mich würde interessieren: Was bringt Organisationen dazu, sich auf einmal auszudehnen? Und wie reagieren die Organisationen darauf, die schon da waren? Werden die verdrängt, suchen sie andere Nischen? Das ist das Projekt, das im nächsten halben Jahr vorangetrieben wird.


Kontakt:
Dr. Dennis Niemann
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67473
E-Mail: dniemann@uni-bremen.de