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Wissenschaftsenatorin Eva Quante-Brandt
Wissenschaftsenatorin Eva Quante-Brandt
Der Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" präsentierte sein Forschungsprogramm der Bremer Fachöffentlichkeit. Senatorin Quante-Brandt hob die Bedeutung für den Wissenschaftsstandort hervor.

Der Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" (SFB 1342) hat am 1. Juni sein Forschungsprogramm der Fachöffentlichkeit präsentiert. Rund 100 geladene Gäste aus Universität, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft waren dazu ins Bremer Haus der Wissenschaft gekommen, um die Präsentation zu verfolgen und anschließend mit dem Team des SFB 1342 ins Gespräch zu kommen.

Zum Auftakt der Veranstaltung gratulierte Bremens Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt dem Team des SFB 1342 zum Erfolg des Antrags und der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Sie hob die Bedeutung der Sozialwissenschaften für den Wissenschaftststandort Bremen hervor und bezeichnete den SFB 1342 als "sozialwissenschaftliches Leuchtturmprojekt, das über die Grenzen Europas hinausstrahlt". Exzellente Forschung und Lehre, hohe internationale Sichtbarkeit und unmittelbarer gesellschaftlicher Nutzen der Forschung – in diesen Feldern werde der SFB einen Meilenstein setzen.

Anschließend gab SFB-Sprecher Herbert Obinger einen Überblick die Struktur und das Forschungsprogramm des SFB. In einem weltweiten Vergleich zeigt Obinger, dass die Einführung sozialpolitischer Programme zeitlich und räumlich stark variierte. "Warum gibt es diese großen Unterschiede in der Sozialpolitik? Das interessiert uns, das wollen wir erklären", sagte Obinger. Dafür untersuchen die am SFB beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur Einflussfaktoren innerhalb von Nationalstaaten, sondern auch internationale Verflechtungen wie Wirtschaftsbeziehungen, Migration, den Austausch von Ideen, den Einfluss internationaler Organisationen und zwischenstaatliche Gewaltbeziehungen.

Frank Nullmeier wies darauf hin, dass Gesellschaften bei sozialen Herausforderungen vor der grundsätzlichen Entscheidung stehen, ob sie auf diese ausgrenzend oder solidarisch, d.h. durch sozialpolitische Maßnahmen reagieren. In vielen Teilen der Welt habe es schon sehr früh Formen des Sozialschutzes gegeben, u.a. in Europa, Südamerika und Südostasien.

Der SFB 1342 konzentriert sich in der Analyse auf den Zeitraum 1880 bis 2020 und verfolgt dabei zum einen einen makro-quantitativen Ansatz, um die verscheidenen Bereiche von Sozialpolitik auf globaler Maßstabsebene zu erfasen und zu analysieren. Zentrales Element dieses Bereiches ist der Aufbau einer webbasierten, interaktiven Datenbank zur Sozialpolitik: das Global Welfare Information System (WeSIS). Zum anderen finden im Rahmen des SFB detaillierte Fallstudien auf Länderebene statt, um die Wirkungsweisen vielfältigster Einflussfaktoren auf die Ausgestaltung von Sozialpolitik tiefenscharf zu untersuchen. Ziel dieses Projektbereichs ist die Entwicklung einer Theorie sozialpolitischer Entwicklungsdynamiken, die rein nationalstaatliche Narrative überwindet. Es werden die kausalen Mechanismen dingfest gemacht, die staatlich verantwortete Sozialpolitik aus der Interaktion zwischen nationalen Faktoren und inter- und transnationalen Verflechtungen entstehen lassen.


Kontakt:
Philipp Jarke
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58573
E-Mail: pjarke@uni-bremen.de

Dr. Armin Müller
Dr. Armin Müller
Als Schüler wusste Armin Müller nichts über China, heute spricht er Mandarin und ist Experte für das chinesische Sozialsystem. Im Interview erzählt er, wie sich Staatszensur auf seine Arbeit auswirkt und was es mit Geldrecyclingmaschinen auf sich hat.

Was wärst du geworden, wenn du nicht Wissenschaftler geworden wärest?

Früher wollte ich mal Musiker werden. Ich hatte in der Schule schon Musik-Leistungskurs und habe klassische und elektrische Gitarre gespielt. Das hat mir Spaß gemacht, aber Wunsch und Realität passen nicht immer zusammen.

Das hast du ja offenbar rechtzeitig gemerkt und bist in die Wissenschaft gegangen. Wie kam es dazu?

Schon als Teenager habe ich mich sehr für Politik, Wirtschaft und die Zusammenhänge zwischen beiden interessiert, gerade auch was die Entwicklung außereuropäischer Gesellschaften angeht. Nach der Schule habe ich mich nach etwas umgesehen, das sowohl praxisorientiert ist als auch für mich persönlich spannend. Da hat sich Politikwissenschaft angeboten.

Du interessierst dich sehr für China. Wie kam es dazu?

Als ich 16 oder 17 war, habe ich angefangen, orientalische Philosophie zu lesen, wobei ich insbesondere Taoismus ziemlich spannend fand. Außerdem habe ich relativ früh mitbekommen, dass China bis 2020 eine starke politische und wirtschaftliche Stellung in der Welt haben wird. Ich musste aber feststellen, dass ich eigentlich gar nichts über das Land weiß abgesehen davon, dass dort eine kommunistische Partei regiert. Also dachte ich mir: Es wäre doch eine interessante Sache, sich das genauer anzuschauen.

China ist für die meisten Leute ein eher unzugänglicher Raum. Außerhalb der Hauptstädte spricht kaum jemand Englisch, auf den Straßenschildern stehen nur chinesische Schriftzeichen ... Wann bist du zum ersten Mal nach China gereist und wie war das?

Ich war 2003 zum ersten Mal in China. Da hatte ich allerdings bereits seit eineinhalb Jahren Chinesisch gelernt und konnte mich verständigen. Das machte das Land für mich wesentlich zugänglicher. Ich habe keine Vorstellung davon, wie es ist, ohne Chinesischkenntnisse in China herumzureisen. Insgesamt stelle ich es mir ziemlich schwierig vor, wobei die wichtigsten Schilder usw. mittlerweile auch ins Englische übersetzt werden. Manchmal schleichen sich allerdings Übersetzungsfehler ein, das kann ziemlich lustig sein, wenn ein Geldautomat z.B. die Aufschrift „Money Recycling Machine“ trägt.

Du sprichst mittlerweile fließend Chinesisch.

Ja. Wobei ich die Sprache ständig auffrischen muss. Ich lese zwar täglich chinesische Texte, vor allem wissenschaftliche. Aber das ist schon ein recht spezielles Vokabular. Daher nutze ich die Zeit, in der ich morgens auf dem Weg zur Jacobs University in der Bahn sitze, zum Vokabeln lernen.

China hat sich seit der Jahrtausendwende stark verändert, die staatliche Kontrolle und Zensur wächst. Wie wirkt sich das auf deine Arbeit als Wissenschaftler aus?

Zu Beginn des Jahrhunderts gab es eine Phase der Öffnung: Für einige Jahre war es vergleichsweise einfach, Forschung und Recherchen vor Ort durchzuführen. In den letzten Jahren ist es tendenziell wieder schwieriger geworden. Das gesellschaftliche Klima hat sich geändert, und viele Menschen sind heute vorsichtiger als vor zehn Jahren. Es kommt allerdings auch sehr darauf an, womit man sich beschäftigt. Sozialpolitik ist im Allgemeinen kein besonders heikles Thema.

Warum hast du dich auf Sozialpolitik spezialisiert?

Als es auf meine Magisterarbeit zuging, sind die neuen sozialpolitischen Initiativen Chinas, die wir in unserem Teilprojekt teilweise untersuchen, gerade angelaufen. Meinen Professor hat das auch interessiert und so habe ich angefangen, mich mit dem ländlichen Gesundheitssystem und der Krankenversorgung zu beschäftigen. Die sozialen Sicherungssysteme und die politischen und administrativen Prozesse in China sind ziemlich komplex, in diesem Bereich gibt es sehr viel zu tun.

Kannst du deine Rolle im Teilprojekt kurz umreißen?

Derzeit bin ich damit beschäftigt, eine interne Datenbank aufzusetzen um zu analysieren, wie sich die verschiedenen sozialen Sicherungsformen in den letzten Jahren ausgebreitet haben – insbesondere seit 2000, aber auch davor. Die Koordination unter den verschiedenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ist auch eine wichtige Aufgabe, weil wir über zwei Universitäten verteilt sind. Es kommen auch noch zwei Doktorandinnen dazu.

Lieber Armin, vielen Dank für das Gespräch - wir wünschen dir und eurem gesamten Team viel Erfolg für eurer Projekt!


Kontakt:
Dr. Armin Müller
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3473
E-Mail: arm.mueller@jacobs-university.de

Oleksandra Betliy, externe Länderexpertin des SFB 1342, hat ihre Analyse der ukrainischen Rentenreform in den Ukraine-Analysen veröffentlicht. Betliy kommt zu dem Schluss, dass weitere Reformen des Justiz- und Finanzsystems nötig sind.

Die Durchschnittsrente in der Ukraine zählt zu den niedrigsten in Europa, gleichzeitig sind die staatlichen Rentenverpflichtungen im Vergleich zum BIP sehr hoch. In den vergangenen 15 Jahren gab es mehrere Reformen des defizitären ukrainischen Rentensystems, die jüngste im Oktober 2017.

Oleksandra Betliy arbeitet als externe Länderexpertin für den SFB "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" und hat die Rentenreformen in der Ukraine analysiert. Ihre Ergebnisse hat sie in der aktuellen Ausgabe der Ukraine-Analysen veröffentlicht. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Reformansätze vielversprechend sind, der langfristige Erfolg aber von Wirtschaftswachstum und Reformen des Justiz- und Finanzmarktsystems abhängen wird.

Oleksandra Betliy ist seit 2002 Leading Research Fellow am Institute for Economic Research and Policy Consulting in Kiew. Ihre Forschungsinteressen sind Finanzpolitik und Steuerprognosen sowie soziale Fragen, einschließlich der Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitik. Als Länderexpertin beim SFB 1342 kooperiert sie vor allem mit dem Teilprojekt B06 "Externe Reformmodelle und interne Debatten bei der Neukonzipierung von Sozialpolitik in der post-sowjetischen Region".

Die Ukraine-Analysen werden gemeinsam herausgegeben von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung.


Kontakt:
Prof. Dr. Heiko Pleines
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Forschungsstelle Osteuropa
Klagenfurter Straße 8
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-69602
E-Mail: pleines@uni-bremen.de

Ali Hamandi
Ali Hamandi
Ali Hamandi von der Harvard University sprach in einer gemeinsamen Veranstaltung des SFB 1342 und des SOCIUM über die politischen Bestrebungen in den USA, Langzeitpflege vermehrt ambulant in den Privathaushalten der Bedürftigen zu erbringen.

Am 23. April 2018 war Ali Hamandi, Stipendiat der Trudeau Foundation und Doktorand an der Harvard University, zu Gast am SFB 1342 und am SOCIUM. Vor einem guten Dutzend Bremer Kolleginnen und Kollegen sprach Hamandi über "Long-Term Care in the US: Lessons to be learned". Er gab dabei zunächst einen umfassenden Überblick über das stark fragmentierte und komplexe System von Dienstleistungen, Programmen und Finanzierungsmodellen von Langzeitpflege in den 50 US-Bundesstaaten.

In den letzten Jahren sei in den USA ein wachsendes Interesse an der "Neugewichtung" („rebalancing“) der Alten- und Behindertenpflege zu beobachten: Pflegeleistungen sollen demnach, wenn möglich, vermehrt im Privathaushalt der Bedürftigen erbracht werden (Home Care Based Services, HCBS). Angesichts der eingeschränkten Autonomie und der hohen Kosten, die mit institutioneller Pflege in Heimen verbunden sind, würden ambulante Pflegedienste (HCBS) von den Pflegebedürftigen im Allgemeinen bevorzugt und zunehmend auch als eine Frage der Bürgerrechte älterer und behinderter Menschen angesehen.

Bislang, sagte Hamandi, sei die Finanzierung und Bereitstellung von HCBS hauptsächlich auf die Medicaid-Programme der Bundesstaaten beschränkt, wodurch nur solche ältere und/oder behinderte Menschen diese Art der Pflege in Anspruch nehmen können, deren (finanzielle) Bedürftigkeit geprüft und bestätigt wurde. Daher bleibe die Frage des ungedeckten Bedarfs trotz der Bemühungen um eine Pflege-Neugewichtung eine anhaltende Herausforderung in den USA.

In seinem Vortrag stellte Ali Hamandi eine Reihe von Fragen zur mangelnden Evidenz der These, dass ambulante Pflegemaßnahmen im Privathaushaushalt volkswirtschaftlich kostengünstiger seien als stationäre Alternativen. Hamandi wies zudem hin auf die Herausforderungen für Staaten mit einem überproportionalen Anteil älterer und kranker Bevölkerungsgruppen, für die eine institutionelle Pflege unvermeidbar und sogar zu bevorzugen sei. Hamandi betonte auch die potenzielle Rolle so genannter "Tipping Points", an denen der Pflegebedarf so groß wird, dass die Pflegebedürftigen selbst die Aufnahme in ein Pflegeheim gegenüber der Pflege im eigenen Haushalt bevorzugen.

Bei dem Versuch, Lehren aus dem Beispiel der USA zu ziehen, argumentierte Hamandi, dass die unterschiedliche Höhe der finanziellen Mittel und Pflegeleistungen in den einzelnen Staaten zwar Gerechtigkeitsfragen aufwerfe, die Dezentralisierung jedoch innovative Praktiken und die Befriedigung lokaler Bedürfnisse ermöglichen könne.

Nach seiner Dissertation im Sommer wird Ali Hamandi als Referent für Sozialpolitik zur Weltbank in Washington D.C. wechseln.


Kontakt:
Philipp Jarke
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-58573
E-Mail: pjarke@uni-bremen.de

Svenja Gödecke
Svenja Gödecke
Svenja Gödecke erzählt, wie sie sich auf ihre Doktorarbeit vorbereitet, warum Europa sie so fesselt und welche Aufgaben sie im Teilprojekt B04 übernimmt.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Wissenschaftlerin geworden wärest?

Gute Frage - ich habe ja erst im vergangenen Sommer meinen Masterabschluss gemacht. In den letzten Semestern meines Studiums hatte sich herauskristallisiert, dass ich auf jeden Fall in der Wissenschaft arbeiten möchte, zumal mich auch die Lehre sehr interessiert. Daher gab es für mich eigentlich keine Alternative. Mit einer kleinen Ausnahme vielleicht: In Brüssel habe ich ein Praktikum im Bereich Lobbying bei einem deutschen Wirtschaftsverband gemacht. Während des Praktikums konnte ich die EU "live" vor Ort erleben, statt über Verfahren und Akteure nur zu lesen. Das war sehr interessant, aber auch eine völlig andere Welt als die Arbeit an der Universität. In diesem Bereich zu arbeiten, hätte ich mir für eine gewisse Zeit auch vorstellen können. Währenddessen hätte ich aber trotzdem gern promoviert. Den Bezug zur Wissenschaft hätte ich auf keinen Fall verlieren wollen.

Du hast Europäische Studien und später Europäisches Regieren studiert. Warum diese räumliche Spezialisierung?

Den Bachelor Europäische Studien fand ich interessant, weil er interdisziplinärer ist. Ich konnte mein Interesse für Politik und Politikwissenschaft befriedigen und gleichzeitig unterschiedliche Sprachen lernen und juristische und wirtschaftliche Einblicke gewinnen. Hinzu kommt, dass ich die Entwicklung der Europäischen Integration und die Wirkungen der EU auf ihre Mitgliedstaaten besonders interessant finde. Es ist spannend zu sehen, wie aus dem Zusammenschluss von anfangs lediglich sechs Staaten ein international einzigartiges Gebilde wie die EU werden konnte - mit Kompetenzen in mittlerweile nahezu allen Politikbereichen. Dieses Interesse hat sich immer weiter gefestigt, sodass ich dann auch den Master Europäisches Regieren gemacht habe.

Was wird eine deine Aufgabe sein im SFB?

Ich bin eine von zwei Doktorandinnen bei Prof. Schmidt und ich werde mich mit der EU und dem Mercosur in Lateinamerika auseinandersetzen. Ich beschäftige mich mit der Arbeitsmigration und schaue, welche Festlegungen und Vereinbarungen es jeweils innerhalb der EU und dem Mercosur gibt, um später beispielsweise zu erklären, welche Rückwirkungen diese auf die Nationalstaaten haben.

Wie wirst du bei deiner Forschungsarbeit vorgehen?

Erst einmal muss ich mich sehr intensiv einlesen, denn mit dem Mercosur habe ich mich bislang noch nicht beschäftigt. Auch Arbeitsmigration ist ein relativ neues Feld für mich. Daher werde ich in der nächsten Zeit vor allem lesen, lesen, lesen. Dann kann ich entscheiden, wie es weitergehen wird. Wobei meine Arbeit höchstwahrscheinlich qualitativ sein wird: Ich werde Interviews mit Experten machen, vermutlich auch vor Ort in Lateinamerika und in Brüssel. Aber die Details sind noch offen.

Auf wie lange ist deine Doktorarbeit angelegt?

Mein Vertrag läuft drei Jahre. Die Doktorarbeit wird vermutlich in der zweiten Hälfte dieses Jahres offiziell beginnen. So lange bereite ich mich durch Literaturrecherche bestmöglich vor.

Zur Person:
Nach ihrem Abitur im Jahr 2011 hat Svenja Gödecke an der Universität Osnabrück zunächst Europäische Studien mit dem Nebenfach Rechtswissenschaften studiert. Nach ihrem Bachelorabschluss machte sie den Master Europäisches Regieren. Ihre Masterarbeit, die sich mit der Europäisierung der Sportpolitik auseinandersetzt, wurde im März 2018 mit dem Alumni-Förderpreis Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück ausgezeichnet.


Kontakt:
Svenja Gödecke
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Interkulturelle und Internationale Studien
Mary-Somerville-Straße 7
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-67465
E-Mail: svgo@uni-bremen.de

Prof. Dr. Tobias ten Brink
Prof. Dr. Tobias ten Brink
Auf einer Konferenz an der Columbia University hat Tobias ten Brink die Pläne des SFB-Projekts zu Chinas Sozialpolitik vorgestellt und mit international führenden Experten diskutiert.

Am China Center for Social Policy der Columbia University hat Tobias ten Brink an der Konferenz „Expanding Social Policy in China“ teilgenommen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion hat ten Brink dabei das SFB-Teilprojekt „Entwicklungsdynamiken chinesischer Sozialpolitik: Das Zusammenspiel nationaler und internationaler Einflüsse“ vorgestellt.

„In den vergangenen fünfzehn Jahren hat die chinesische Regierung massiv in den Ausbau des Sozialsystems investiert, viele Bürger haben erstmals Zugang zu Sozialleistungen erhalten“, sagt Tobias ten Brink, der an der Jacobs University Bremen stellvertretend das Center for the Study of China & Globalization leitet. Zwar sei das Niveau der chinesischen Sozialleistungen gering im Vergleich zum Westen, aber doch höher als in anderen Schwellenländern wie etwa Indien.

Das Teilprojekt B05 leitet ten Brink gemeinsam mit Tao Liu vom Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Neben nationalen Faktoren wie Wirtschaftswachstum, Demographie oder Binnenmigration wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie sich internationale Einflüsse auf die Gestaltung nationaler Politik auswirken. „Die chinesische Regierung und Fachleute beobachten seit Jahrzehnten genau, was in anderen Ländern passiert, auch in Europa, und sie verbinden seitdem internationale Vorbilder mit eigenen sozialpolitischen Traditionen zu einem eigentümlichen System sozialer Sicherung“, sagt ten Brink.

"Mit der Präsentation in New York konnten wir Teile der US-amerikanischen Social Policy Community, hier insbesondere China/Ostasien-Interessierte, für unser Chinateilprojekt und den SFB insgesamt interessieren", sagt ten Brink. "Der SFB wurde mit großem Interesse aufgenommen, zumal in den USA zurzeit eine derart umfangreiche Förderung für die Untersuchung von Sozialpolitik laut den Teilnehmern kaum vorstellbar sei." Die Konferenz diente zudem dazu, Kooperationsbeziehungen mit Forscherinnen und Forschern aus dem angelsächsischen Raum zu vertiefen.


Kontakt:
Prof. Dr. Tobias ten Brink
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Research IV und China Global Center
Campus Ring 1
28759 Bremen
Tel.: +49 421 200-3382
E-Mail: t.tenbrink@jacobs-university.de

Michael Lischka
Michael Lischka
Michael Lischka im Gespräch über geographische Brillen und seine Aufgaben im Teilprojekt A01.

Was wärest du geworden, wenn du nicht Wissenschaftler/Geograph geworden wärest?

Ich habe ursprünglich angefangen, Soziale Arbeit zu studieren. Das Studium war aber sehr stark auf Deutschland fixiert, und ich bin unglaublich gern gereist – das passte nicht so gut zusammen mit meiner Neugierde. Da sagte ein befreundeter Student zu mir, als wir uns darüber unterhalten hatten: „Ich studiere Geographie, das müsste auch zu dir passen.“ Daraufhin habe ich angefangen, parallel zu Soziale Arbeit auch Geographie zu studieren, um zu schauen, ob das etwas für mich ist. Kurzum: Wäre ich nicht in die Wissenschaft gegangen, wäre ich heute wohl Sozialarbeiter. Aber die Geographie hat mich einfach gepackt, da bin ich nicht mehr rausgekommen. Wenn man die Welt verstehen will und Perspektivenwechsel mag, gibt es eigentlich auch nichts Besseres.

Was reizt dich so sehr an der Geographie?

Die Geographie eröffnet sehr viele Blickwinkel auf unterschiedlichen Maßstabsebenen, auf unterschiedliche vielschichtige Themen. Das Fach hat ja eine riesige Bandbreite: Kulturgeographie, Wirtschaftsgeographie, Sozialgeographie, Physische Geographie usw. Das hängt alles miteinander zusammen. Als Geograph kann ich verschiedene Brillen aufsetzen, je nachdem in welchem Thema und auf welcher Maßstabsebene ich denken möchte, das hilft auch im privaten Bereich. Natürlich ist die Wahl von Gestell und Linse nicht beliebig, sondern wohl durchdacht. Die wirtschaftsgeographische passt mir am besten und hat meine Sehstärke, würde ich sagen. Während meines Masters habe ich zu ländlichen Räumen im Globalisierungskontext studiert: Da ging es z.B. um kleinbäuerliche Strukturen in Entwicklungsländern und wie diese durch den globalen Markt beeinflusst werden und umgekehrt, welche Gefahren und Chancen dadurch entstehen bis hin zu Treibenden der Globalisierung, Machtverteilung in ökonomischen Verflechtungsmustern und vieles mehr. Generell gesprochen: Wissen auf vielen Ebenen zu generieren, das auch Folgen und Wirkungen aufzeigt – das ist für mich Inbegriff der Geographie.

Und welche Aufgaben übernimmst du im SFB?

Ich arbeite im A01-Projekt sehr eng mit Ivo Mossig zusammen. Wir untersuchen zwischenstaatliche Verflechtungen auf unterschiedlichen Ebenen. Wir konzentrieren uns zunächst auf die ökonomischen Verflechtungen: Wer ist in welcher supranationalen Organisation miteinander verbunden? Welche Freihandelsabkommen gibt es? Diese makroökonomischen Strukturen und einige andere ökonomische Parameter wollen wir bestmöglich vermessen und bestmöglich darstellen. Gleichzeitig erarbeiten wir Analysemethoden mit der Informatik zusammen, um einen Gehalt daraus ziehen zu können. Die momentane wirtschaftsgeographische Globalisierungsforschung ist sehr stark auf Prozesse und weniger auf Outcomes konzentriert.

Wie sieht das konkret aus?

Derzeit mache ich eine Netzwerkanalyse mit allen Staaten der Welt und schaue, wie sie miteinander über Handel verbunden sind. Dann hat man ein tolles Netzwerk: Einige Staaten sind in der Mitte, andere in der Peripherie. Aber was bedeutet es, dass China, die USA und Deutschland relativ in der Mitte sind und Russland vor ein paar Jahren aus dem Zentrum abgewandert ist? Oder dass die BRIC(S)-Staaten näher an den Kern drängen, während etablierte Staaten ihre Stellung verändern? Die Dynamiken dieser und anderer wirtschaftlicher Verflechtungen zu verstehen und deren Bedeutung in verschiedenen Kontexten herauszuarbeiten, ist unsere Kernaufgabe. Damit liefern wir Input für die anderen Teilprojekte, die die Entwicklung von Sozialpolitik untersuchen. Denn für viele andere Projekte ist die wirtschaftliche Verflechtung die x-Variable - und wir im Projekt A01 untersuchen quasi die x-Variable dieser x-Variable.


Zur Person:
Michael Lischka ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt A01 und promoviert in der Arbeitsgruppe Wirtschafts- und Sozialgeographie am Institut für Geographie der Universität Bremen. Im Teilprojekt A01, das von Andreas Breiter, Ivo Mossig und Carina Schmitt geleitet wird, ist Lischka am Aufbau des „Global Welfare State Information Systems (WeSIS)“ beteiligt.

Lischka hat an der Universität Vechta Geographie studiert und seinen Master in „Geographien ländlicher Räume – Wandel durch Globalisierung“ gemacht. Seine Dissertation erarbeitet er themennah im Rahmen des SFBs.


Kontakt:
Michael Lischka
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
E-Mail: lischka@uni-bremen.de

Dr. Teresa Huhle
Dr. Teresa Huhle
Teresa Huhle über ihre Spurensuche in Archiven, spannende Gespräche, die dort entstehen, und ihre Aufgaben im Teilprojekt B02.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Wissenschaftlerin geworden wärest?

Als ich anfing, Regionalwissenschaften Lateinamerika in Köln zu studieren, hatte ich zwei Dinge vor Augen: entweder Journalismus oder Arbeit für internationalen Organisationen im Bereich Menschenrechte bzw. Entwicklungszusammenarbeit. Das waren aber keine konkreten Pläne, sondern nur vage Vorstellungen.

Warum bist du dann Historikerin geworden?

Von der ersten Hausarbeit an hat mir mein Studium großen Spaß gemacht, besonders das Fach Geschichte - ich hatte noch Politik und Spanisch als gleichwertige Fächer. Es waren dann vor allem zwei Phasen, in denen ich gemerkt habe, dass ich gerne geschichtswissenschaftlich arbeiten möchte: ein Praktikum in Nordspanien und später meine Diplomarbeit. Im Praktikum ging es um die Opfer des spanischen Bürgerkriegs. Einerseits habe ich Archivrecherche gemacht und dabei vor allem Sterberegister durchgeschaut; auf der anderen Seite habe ich Interviews mit Menschen geführt, die sich daran erinnern konnten, wo es anonyme Massengräber gibt. In diesem Praktikum konnte ich also historische Arbeitsweisen vor Ort kennenlernen. Später habe ich meine Diplomarbeit über die US-amerikanische Beteiligung am spanischen Bürgerkrieg geschrieben. Dafür war ich längere Zeit in San Francisco und New York, wo ich in einem Archiv zu Gewerkschaften und anderen linken Bewegungen in den USA gearbeitet habe. Das war eine tolle Erfahrung! Ab da war klar, dass ich diese Arbeit weitermachen möchte.

Was gefällt dir am Studium von Akten und anderen Dokumenten?

Ich mag die einsame Seite der Archivarbeit, das konzentrierte Lesen und Entdecken von Dokumenten. Gleichzeitig sind Archive auch Orte, an denen sich sehr viele Menschen aus unterschiedlichen Gegenden begegnen und an denen spannende Gespräche entstehen.

Dein Schwerpunkt als Historikerin ist Lateinamerika. Warum ausgerechnet diese Region?

Ich hatte schon vor dem Studium großes Interesse an Lateinamerika und versprach mir von dem Studium viele Gelegenheiten, dorthin zu reisen. Nach den Ausflügen in die spanische und US-amerikanische Geschichte wollte ich für die Doktorarbeit dann gerne zu Lateinamerika arbeiten. In Bremen hatte ich die Chance zur Geschichte Kolumbiens zu promovieren und dabei auch Verbindungen in die USA zu betrachten. Bei meinen Forschungsreisen nach Kolumbien fand ich vor allem den Austausch mit den dortigen Kolleginnen und Kollegen sehr inspirierend. Die Wissenschaftskultur ist eine andere, die Universitäten sind politisierter, als ich es aus Deutschland kannte.

Was ist nun deine Aufgabe im SFB?

Ich arbeite in einem Teilprojekt, in dem wir die Genese staatlicher Sozialpolitik in den Ländern Uruguay, Argentinien und Chile untersuchen. Das Projekt hat vier Arbeitspakete, von denen ich eines übernehme: das zu Uruguay. Ich schaue mir die frühe staatliche Sozialpolitik von Uruguay an, vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1930er-Jahre. Ich frage vor allem danach, wie, warum und mit welchen Effekten der Staat sich in den Bereichen Gesundheit und Arbeit eingesetzt hat - und welchen anderen Organisationen er diese Aufgaben abgenommen hat: konkret der Kirche und der Philanthropie.
Außerdem arbeite ich an einem zweiten Arbeitspaket mit, in dem untersucht wird, welche Rolle die Internationale Arbeitsorganisation ILO in der Ausbildung der Sozialpolitik der drei Länder gespielt hat.

Wie wirst du bei deiner Forschungsarbeit vorgehen?

Bei dieser Epoche kann ich keine Zeitzeugen mehr befragen, daher steht für mich als Historikerin die Archivarbeit im Vordergrund. Wir untersuchen die transnationalen Faktoren, gehen also z. B. der Frage nach: Mit wem standen uruguayische Medizinerinnen und Mediziner in Kontakt in anderen Ländern und internationalen Organisationen? Das bedeutet für mich eine sehr internationale Archivarbeit. Ich werde nach Uruguay fahren, aber auch in europäische Archive, das ILO-Archiv in Genf und auch in die USA. Am Anfang geht es darum zu identifizieren, wer die zentralen Akteurinnen und Akteure waren, mit wem sie in Kontakt standen und wie der Wissensaustausch stattfand. Teilweise gibt es dazu Anhaltspunkte, teilweise ist das aber vollständig offen. Ich muss mich von meinen Archivreisen überraschen lassen.

Wann rechnest du mit ersten Ergebnissen?

Ich werde dieses Jahr ausgiebige Forschungsreisen machen. Publizierbare Ergebnisse werde ich daher wahrscheinlich erst im kommenden Jahr haben. Aber von jeder Reise hoffe ich, Ergebnisse auf Vortragsebene mitbringen zu können.

Zur Person:
Teresa Huhle ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen. Im Teilprojekt B02, das von Delia González de Reufels geleitet wird, untersucht Huhle die Entwicklung der frühen staatlichen Sozialpolitik in Uruguay. 2015 promivierte Teresa Huhle an der Universität Bremen zu Thema "Bevölkerung, Fertilität und Familienplanung in Kolumbien zur Zeit des Kalten Krieges: Eine transnationale Wissensgeschichte". Zuvor hatte Huhle hat an der Universität Köln Regionalwissenschaften Lateinamerika studiert mit den Fächern Iberische- und Lateinamerikanische Geschichte, Anglo-Amerikanische Geschichte, Politikwissenschaft und Spanisch.


Kontakt:
Dr. Teresa Huhle
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik, Institut für Geschichtswissenschaft / FB 08
Universitäts-Boulevard 13
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57062
E-Mail: teresa.huhle@uni-bremen.de

Dr. Nils Düpont
Dr. Nils Düpont
Nils Düpont im Gespräch über die Faszination Politikwissenschaft, Präferenzen von Autokraten und seine Aufgabe im Teilprojekt A01.


Was wärest du geworden, wenn du nicht Politikwissenschaftler geworden wärest?

Ich weiß gar nicht, ob ich etwas Anderes hätte werden wollen. Ich habe schon in der Oberstufe - befeuert durch zwei gute Lehrer - Interesse an Politik entwickelt und dann konsequenterweise auch Politikwissenschaft studiert. Da war schnell klar, dass es nach dem Magisterabschluss weitergehen soll. Wenn ich aus heutiger Perspektive zurückblicke, denke ich manchmal: Vielleicht hätte man auch etwas ganz Anderes machen können; etwas Handwerkliches, Instrumentenbauer vielleicht. Ich finde es schön, dass mich mein Beruf vom Kopf her fordert. Aber an manchen Tagen besteht mein ganzes Tagwerk darin, dass ich fünf Zeilen programmiert habe. Das hat dann meine Arbeit zwar riesig nach vorne gebracht, aber wenn ich das anderen Leute erzähle … So gesehen wäre ein Handwerk, bei dem man etwas Greifbares produziert, etwas für mich gewesen. Aber die Frage hat sich nie gestellt.

Nach der Schule Politikwissenschaft zu studieren, ist das eine; was hat dich an dem Fach so fasziniert, dass du es zu deinem Beruf gemacht hast?

Politikwissenschaft erfordert eine ganz eigene Art zu denken, die mir gut liegt. Hinzu kam ein günstiges Umfeld. Ich habe eine Hausarbeit geschrieben und wurde gefragt, ob ich studentische Hilfskraft werden will. Damit kam das Interesse für Zahlen und die empirisch-analytische Politikwissenschaft hinzu. Ich habe mich in diesen Bereich eingelesen, und im Laufe der Zeit formt das, was man liest, ja auch die eigene Art zu denken. Durch diese Brille ist der Berufswunsch dann entstanden. Daher würde ich heute sagen: Ich interessiere mich für Politik, meine Denkweise dabei ist aber politikwissenschaftlich.
Was mich an Politik- und Sozialwissenschaften generell fasziniert: Trotz der immensen Unterschiede zwischen den Menschen kann man Ähnlichkeiten und Muster im Verhalten feststellen. Dadurch sind sich die Menschen doch viel ähnlicher, als sie selbst glauben wollen. Diese Muster aufzudecken, hat mich immer fasziniert: menschliches Verhalten zu erklären durch eine Handvoll Handlungsanweisungen oder Variablen. Natürlich ist menschliches Verhalten dadurch nicht determiniert, aber doch ein Stück weit prägt. Damit kann man eine Menge erklären.

Welche Aufgaben übernimmst du im SFB?

Ich bin aktuell dabei, meine genaue Rolle ein Stück weit selbst zu definieren. Aber es geht um den Themenkomplex der nationalstaatlichen Akteure in der Sozialpolitik. Sozialpolitik ist natürlich in internationale Verflechtungen eingebettet, aber am Ende sind es immer noch nationale Akteure, die entscheiden. In parlamentarischen Regierungssystemen sind es von Parteien gebildete Regierungen, in Autokratien oder Diktaturen sind es eben Autokraten oder Diktatoren. Die Frage ist: Wie stark wird das Handeln der Akteure von globalen Zusammenhängen beeinflusst? Ich sehe meine Rolle im SFB darin, die ideologische Vermessung der Welt anzugehen. Bislang lag bei solchen Fragen der Fokus auf hochentwickelten Industriestaaten. Die politischen Präferenzen der Regierungen ließen sich relativ leicht via Parteien bestimmen. Ich möchte nun Verfahren entwickeln, mit denen man die politischen Präferenzen der Akteure in anderen Systemen, wie Autokratien und Diktaturen, bestimmen kann. Dafür hoffe ich von den Informatikern im Teilprojekt Input zu bekommen: damit ich via Machine Learning Texte auswerten kann nach bestimmten Kategorien, die wir schon von den Industriestaaten kennen. Ich möchte dann überprüfen, ob wir die Kategorien auf Autokratien und Diktaturen übertragen können, oder ob wir da in komplett neuen Kategorien denken müssen.

Kannst du ein Beispiel geben?

Die politischen Akteure der westlichen Welt lassen sich auf einer großen Links-Rechts-Dimension verorten - mal die Debatte außer Acht gelassen, wie substanziell das noch ist. Aber funktioniert das auch für andere Weltregionen? Vielleicht klappt das noch mäßig für Südamerika, aber im asiatischen Raum ist die Frage, ob man ideologische Konfliktthemen nicht komplett neu denken muss. Meine Rolle wird sein, das aufzuarbeiten und damit wiederum innerhalb des A-Projektbereiches Input in die anderen Projekte zu liefern. Die Kolleginnen und Kollegen wollen ja sozialpolitische Entscheidungen erklären, und dabei spielen die nationalstaatlichen Akteure eine entscheidende Rolle.

Zur Person:
Dr. Nils Düpont ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB 1342 "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik". Im Teilprojekt A01, das von Andreas Breiter, Ivo Mossig und Carina Schmitt geleitet wird, ist Nils Düpont am Aufbau des "Global Welfare State Information Systems (WeSIS)" beteiligt. Nils Düpont hat an der Universität Greifswald Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Skandinavistik studiert und mit dem Magister Artium abgeschlossen. Anschließend promovierte er im Fach Politikwissenschaft zum Thema "(Ir)Rational Choices? The Impact of Learning on Party Policy Moves". Vor seinem Wechsel zum SFB 1342 hat Nils Düpont am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen den Aufbau eines Masterzentrums vorangetrieben.


Kontakt:
Dr. Nils Düpont
SFB 1342: Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
Tel.: +49 421 218-57060
E-Mail: duepont@uni-bremen.de

Professor Stephan Leibfried
Professor Stephan Leibfried
Wir trauern um Stephan Leibfried, der völlig überraschend und für alle unfassbar mitten aus der täglichen Arbeit gerissen wurde.

Was er für uns persönlich, seine Kolleginnen und Kollegen, für die Institution SOCIUM, für die Universität Bremen bedeutet hat, ist in wenigen Sätzen nicht zu fassen. Seit 1974 Professor an der Universität Bremen, gehörte er 1979 zu den Gründern des interdisziplinären Forschungsschwerpunktes Reproduktionsrisiken, Soziale Bewegungen und Sozialpolitik, der zu einem Vorläufer des 1988 gegründeten, ebenfalls interdisziplinären Zentrums für Sozialpolitik (ZeS) wurde. Im ZeS baute er die Abteilung "Institutionen und Geschichte des Wohlfahrtsstaates" auf und er war dann 2015 mit dabei, als das ZeS Teil des neuen SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Bremen wurde.

Stephan Leibfrieds Persönlichkeit ist mit wesentlichen Erfolgen der Bremer Sozialwissenschaften beim Gestalten von Forschungsprojekten und dem Einwerben von Drittmitteln verbunden. Er zählte zu den Initiatoren und Projektleitern des ersten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1989-2001 an der Bremer Universität finanzierten Sonderforschungsbereichs "Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf" (SFB 186) und gehörte zur Initiativgruppe um Michael Zürn und Bernhard Peters, die den von 2003 bis 2014 geförderten Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel" (SFB 597) aus der Taufe hoben. Ab 2004 war er zudem dessen Sprecher. Der jüngste Sonderforschungsbereich "Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik" (SFB 1342), der seit Anfang dieses Jahres arbeitet, sah ihn schließlich als aktiven Ratgeber und hilfreichen Unterstützer.

Stephan Leibfried war mit dabei, als 2001 die Graduate School of Social Sciences (GSSS) mit Mitteln der VolkswagenStiftung als Gemeinschaftsinstitution von Universität Bremen und Jacobs University Bremen zur Ausbildung der sozialwissenschaftlichen Doktorandinnen und Doktoranden ins Leben gerufen wurde. Diese ging dann 2007 in die aus Mitteln der Exzellenz-Initiative geförderte Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) über. Auch an den dafür notwendigen Anträgen, die der Universität Bremen den begehrten Status einer Exzellenzuniversität erwarben, beteiligte er sich mit großer Intensität.

Stephan Leibfried hat die internationale Kooperation in den Sozialwissenschaften immer gefördert und gelebt, er war Gastprofessor an vielen in- und ausländischen Universitäten, zudem Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Sekretar deren Sozialwissenschaftlicher Klasse, Mitglied in den wissenschaftlichen Beiräten unter anderem des Wissenschaftszentrums Berlin und des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, Köln, sowie Träger des Schader-Preises 2014.

Wir, das SOCIUM, die BIGSSS, die Mitwirkenden in den sozialwissenschaftlichen Sonderforschungsbereichen, die Universität Bremen verlieren in ihm nicht nur einen unermüdlichen Ideengeber und universitären Forschungsmanager, sondern darüber hinaus einen Kollegen, der frühzeitig die soziologische und politikwissenschaftliche Bedeutung der Sozialpolitik erkannt und wichtige Impulse für deren Erforschung im Kontext der Europäischen Union geliefert hat. Dass er darüber hinaus immer die Bedeutung der Sozialpolitik für das tägliche Leben vieler Menschen im Blick hatte, macht seinen Tod für uns umso schmerzlicher. Wir trauern um einen außergewöhnlichen Menschen, Forscher und Kollegen, einen großen Anreger und lebensfrohen Menschen. Stephan Leibfried hätte nicht gewollt, dass wir ob seines Todes in unserer Arbeit innehalten. In der Erinnerung an diesen bedeutenden Kollegen bleibt uns seine Leistung Ansporn für die Zukunft.

Sprecher, Vorstände sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SOCIUM, BIGSSS, SFB 1342 sowie dem ehemaligen ZeS und den ehemaligen SFBs 186 und 597

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